Oberländische Bläserwoche probt in Zweisimmen

Drei Generationen üben sich an stilistischer Vielfalt

An der 17. Oberländischen Bläserwoche beteiligten sich 61 Mitglieder aus rund 20 Oberländer Blasmusikvereinen. Während einer Ferienwoche in Zweisimmen wurde ein stilistisch vielseitiges Programm für das erfolgreiche Abschlusskonzert im Kursaal Interlaken geübt.

Alle aktiv dabei: In der Oberländer Bläserwoche wird für das Abschlusskonzert im Kursaal Interlaken geübt. Ausschnitte aus einer Gesamtprobe: Mit Dirigent Corsin Tuor wird mit viel Spass geprobt.

Alle aktiv dabei: In der Oberländer Bläserwoche wird für das Abschlusskonzert im Kursaal Interlaken geübt. Ausschnitte aus einer Gesamtprobe: Mit Dirigent Corsin Tuor wird mit viel Spass geprobt.

Bereits zum 17. Mal führte der Bernisch Oberländische Musikverband (BOMV) die Bläserwoche (OBW) durch. Der BOMV organisiert alle zwei Jahre ein Blasmusik-Lager, das für alle, die mitmachen möchten, offen steht. «Dies ist uns wichtig und es wird auch in Zukunft so sein, dass es weder Altersbeschränkungen, noch musikalische Mindestanforderungen für die Teilnahme an der OBW geben wird», halten die Organisatoren fest. «Vor zwei Jahren erlebten wir eine Rekordbeteiligung. Auch jetzt haben wir mit 61 Teilnehmenden eine erfreuliche Anzahl erreicht».

Für die Lagerleitung waren Hanspeter und Stefan Janzi und Barbara Bütikofer verantwortlich. Fortsetzung auf Seite 2

Jung und Alt begegneten sich

Täglich wurden im bewährten Musikhaus Zweisimmen rund acht Stunden in Register- und Gesamtproben geübt. Elf KursleiterInnen standen zur Verfügung. Als Gastdirigent konnte Corsin Tuor, Dirigent der BBO und BB Rickenbach verpflichtet werden. «Die Lagerteilnehmer waren hoch motiviert, extrem diszipliniert und gewillt zu lernen», hielt der Dirigent fest. Er ist fasziniert: «Es war unglaublich spannend. Ich habe bereits viele Musikwochen durchgeführt, aber eine solche Bandbreite und spezielle Durchmischung erlebte ich noch nie».

Spassvolles fordern und fördern

So entstand ein Konzert im Zusammenspiel von Leuten über fast drei Generationen, im Alter zwischen 12 und 81 Jahren. «Da das Leistungsgefälle gross ist, war mein Ziel, bis Freitag durch alle Stücke zu kommen und ein unterhaltendes Programm zu bieten». Tuor hatte anspruchsvolle Werke ausgewählt. «Erste Priorität setzte ich daran, die Notentexte, die Partituren möglichst gut in Klang umzusetzen. In der grossen stilistischen Vielfalt von sinfonischer Blasorchesterliteratur über traditionelle Blasmusik bis hin zu lateinamerikanischen Rhythmen und Filmmusik durften wir den Überblick nicht verlieren». Der Dirigent liebt Details, aber in Zweisimmen konzentrierte er sich auf das Wesentliche: Richtige Töne, Rhythmus und musikalischer Ausdruck. Er vermittelte dabei wertvolle Grundlagen. «Unser Maestro zeigte auf lustige Weise wie man es macht. Es gelang ihm, jedes von uns mitzunehmen», lobte Markus von Känel (20), Tuba. Er war erstmals mit dabei und fand gleich den Kontakt. Schliesslich hat in der Bläserwoche alles seinen Platz: Eine gute Mischung zwischen viel Musizieren, Kameradschaft pflegen, Ausflug, Spiel und Spass, fügte Teilnehmer Mark Schüpbach (40), Altsaxophon, an. Er fand den Dirigenten sehr fordernd: «Er probte motivierend mit uns, es war spannend und wir konnten viel dazu lernen».

Fulminantes Finale erstmals im Kursaal Interlaken

Nach der äusserst herausfordernden und intensiven Woche fand am vergangenen Freitag das fulminante Abschlusskonzert der OBW zum ersten Mal im Kursaal in Interlaken statt. «Wir wollten mit dem Konzert einen gebührenden Abschluss und so hatten alle einmal Gelegenheit im Kursaal zu spielen», freute sich die Lagerleitung.

Die 61 top motivierten BläserInnen und Schlagzeuger boten dem zahlreich erschienenen Publikum ein anspruchsvolles und unterhaltsames Konzert. Das Publikum dankte dem OBW-Orchester mit lang anhaltendem Applaus. Bereits mit dem ersten Stück «stai si, defenda!» (steh auf und verteidige dich!) aus der Feder des Dirigenten Corsin Tuor konnten sich mehrere Register, die im Kursaal verteilt aufgestellt waren dem Publikum vorstellen. Es war zugleich ein passender Beginn des beeindruckenden Lagerfinale.

Der souveräne Ansager Walter Klossner berichtete aus dem Lager-Alltag und bot dem Publikum interessante Hintergrundinformationen zum Orchester und den aufgeführten Werken.

Des Dirigenten Handschrift

Das Programm trug natürlich die Handschrift des diesjährigen musikalischen Leiters, Corsin Tuor, welcher im ersten Teil schwergewichtig Schweizer Musik aus seiner Heimat, dem Graubünden, ausgewählt hatte. Im Hauptwerk «Legenda Rumantscha» von Oliver Waespi gelang es den Aufführenden eindrücklich, die schönen Melodien herauszuarbeiten – fast konnte man nicht glauben, dass die Musikantinnen und Musikanten zusammen mit ihrem Dirigenten erst seit einer knappen Woche Musik gemacht haben. Im zweiten Teil bewies das Orchester seine Fähigkeiten im Unterhaltungsmusikbereich.

Der Solist des Konzerts, Cla Tuor, übte während der OBW mit dem Schlagzeugregister. Er gehört bereits in seinem jungen Alter (1991) zu den besten Platteninstrumentenspielern der Schweiz. Cla Tuor begeisterte das Publikum mit seiner virtuosen Musikalität auf dem Xylophon. Mit dem Klassiker «Csardas» von Vittorio Monti in einem Arrangement von Marc Reift und dem Solisten Cla Tuor bot das OBW-Orchester einen weiteren Höhepunkt des Konzertabends. Heidy Mumenthaler

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Erstellt:
16.10.2012, 14:32 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 07sec
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