Ziegenzuchtvereine Zweisimmen und Mannried feierten ihr Jubiläum
Weisse Schönheiten strahlten zum Hundertjährigen den Regen fort
Über 100 Jahre züchtet man in Zweisimmen und Mannried schon Ziegen. Diese Erfahrung war an der Jubiläumsschau am 29. September in der Markthalle Zweisimmen zu spüren. Die beiden Ziegenzuchtgenossenschaften feierten gemeinsam, die aufgeführten Tiere waren fast alle von sehr guter Qualität. Im Schlussring um die Missentitel hatten nicht wenige die maximale Punktzahl.
100 Jahre Ziegenzuchtvereine Zweisimmen/Mannried
Ziegen hält man nicht, um das grosse Geld zu machen, sie sind Hobby und Passion. Geduld und Genügsamkeit sind ihre Stärke nicht. Ziegen sind «mäkelige» Esser, vorwitzig und neugierig. Sie sind die einzigen, die während des Alpsommers nicht eingezäunt werden, sie suchen sich ihr Futter selbst. Dafür wissen sie genau, dass sie zum Melken wieder zu Hause sind. Ziegen muss man einfach gern haben! Für die Schau waren alle fein zurechtgemacht. Regierungsrat Andreas Rickenbacher zeigte sich auch beeindruckt von den schönen Ziegen. Er tröstete alle über den Regen hinweg mit den Worten, dass dieser ja das schöne Grün im Tal erhalte.
Aktuelles aus der Agrarpolitik
Nationalrat Erich von Siebenthal nutzte die Gelegenheit, über die letzten Entscheide in der Agrarpolitik zu sprechen: Die Streichung der Tierbeiträge sei schlecht für kleine und mittlere Betriebe. Sie könnten weniger ökologisch flexibel wirtschaften als die Grossen. Eventuell könnten bei den Hangbeiträgen noch Nachbesserungen erreicht werden.
Sein Beitrag war Anlass für manches angeregte Tischgespräch. Gerade Bergbauern können die Leistungen ihrer Tiere nicht endlos steigern, um mehr Erlös über die Produkte Milch und Fleisch zu generieren. Die Wiesen in unserer Höhe liefern nämlich eine geringere Energiedichte als die angesäten Futtergraswiesen im Unterland. Dort wird oft das Gras gemäht und zum Stall gefahren, Weidegang für die Kühe gibt’s nicht überall. Mit der Streichung der Tierbeiträge soll der Strukturwandel vorwärts kommen. Warum eigentlich möchte man unbedingt die Anzahl der Bauernbetriebe verringern? Zuviel Milch oder Fleisch gibt’s doch auch, wenn wenige Betriebe grosse Mengen ihrer Produkte auf einmal auf den Markt bringen.
Ziegen zum Bewundern, Kinder zuerst
«Jöh, is das härzig…» hat mancher bei der Kindervorführung gedacht. Einige hatten ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, es gab die Skirennfahrer-Ziege, die Trekkingziege vom Jäger und viele Jodlerfestziegen. Danach wurde es ernst. Zuerst Misterwahlen, hier gewannen die Älteren. Die Vergabe der Missentitel wurde spannend. Jede Genossenschaft vergab 1. und 2. Plätze, jeweils eine Miss Randrasse, eine Miss Lebensleistung sowie eine Miss Protein.
Auch Gäste von ausserhalb hatten ihr Vergnügen an der Schau. Christian Dübi, dem Präsidenten der Saaner Ziegenzüchter, gefielen die Tiere im Ring sehr. Na dann, auf in die nächsten hundert Jahre! Agrarreform hin oder her.
Platzierung (die Besitzer)
Mister Zweisimmen: Hans Schwarz, Mister Mannried: Kilian Eschler Miss Zweisimmen: Stephan Wüthrich (Blüemli), Miss Schöneuter Zweisimmen: Niklaus Rufener, Vice-Miss Zweisimmen: Raymond Röthlisberger, Vice-Miss Schöneuter Zweisimmen: Robert Feuz, Miss Mannried: Simon Eschler, Miss Schöneuter Mannried: Daniel Janzi (Elmira), Vice-Miss Mannried: Daniel Eschler, Vice-Miss Schöneuter Mannried: Kurt Janzi, Miss Randrasse Zweisimmen: Andre Dubach, Miss Randrasse Mannried: Stephan und Frieda Eggen, Miss Lebensleistung Zweisimmen: Peter Zeller (Eveline), Miss Lebensleistung Mannried: Daniel Janzi (Enzian), Miss Protein Zweisimmen: Blüemli von Stephan Wüthrich, Miss Protein Mannried: Enzian von Daniel Janzi, Miss Gitzi Mannried: Matthias Grünenwald.
Catrin Linke