Die «bergquelle – wohnen und werken» hat Grosses vor

Letzten Mittwoch fand in der Gemeinde St. Stephan die alljährliche Generalversammlung des Vereins Behindertenwerkstätte Obersimmental und Saanenland statt. Der Vorstand präsentierte den Anwesenden gewichtige Traktanden im Zusammenhang mit dem geplanten Neubauprojekt des Wohnheims an der Lenk.

Die Präsidentin Ruth Kilchör und der Leiter der «bergquelle», Beat Pignolet informieren die Vereinsmitglieder über grosse Projekte.

Die Präsidentin Ruth Kilchör und der Leiter der «bergquelle», Beat Pignolet informieren die Vereinsmitglieder über grosse Projekte.

Die Präsidentin Ruth Kilchör erläutert zusammen mit dem Institutionsleiter Beat Pignolet den Geschäftsbericht 2010. Die Aufenthaltstage in den Wohnheimen waren letztes Jahr höher budgetiert. In der Werkstatt wurden 2010 fast 41 000 Arbeitsstunden geleistet, ebenfalls mehr als angenommen. Die Personalkosten machen fast 80 Prozent des Aufwandes aus. Zu erklären ist dies mit der besonderen Situation eines Wohnheims für Menschen mit einer Beeinträchtigung. Diese brauchen viel Betreuung.

Geschäftsgang

Die «bergquelle» hat einen grossen Verlust zu verzeichnen. Dieser ist jedoch durch den Leistungsvertrag mit dem Kanton gedeckt. Die Werkstätte, ein wichtiger Zweig der «bergquelle», stellt den beeinträchtigten Menschen einen Arbeitsplatz zur Verfügung. Von einem Schreiner in Boltigen konnte die Produktion von Schlitten übernommen werden. Die dazu benötigten Werkzeugteile mussten abgekauft werden, was auch zu Buche schlug.

Der Verein zählt heute 728 Privatpersonen und 50 Firmen und Gemeinden als Mitglieder. Neu im Vorstand Einsitz nehmen Cornelia Hauswirth für die Gemeinde Lauenen und Rolf Michel für die Gemeinde Zweisimmen. Wieder gewählt als Mitglied frei aus der Region wurde Christoph Ringier.

Grosse Projekte

Die «bergquelle» hat bekanntlich grosse Platzprobleme. Zudem ist es für den Betriebsablauf wenig sinnvoll, verschiedene Standorte zu haben. Seit langem sind die Verantwortlichen auf der Suche nach einem Standort, wo nur noch ein Wohnheim betrieben werden kann. Zweisimmen wäre ideal gewesen, doch dort hat sich keine Lösung ergeben. Rolf Borer, Bauprojektberater aus Bern, informiert über den Ablauf einer Realisierung eines geplanten Neubauprojekts.

Sehr gute Ausgangslage an der Lenk

Bei der Standortevaluation stellte sich heraus, dass sich an der Lenk im Bereich des bereits bestehenden Wohnheims Burgbühl ein Neubauprojekt am besten realisieren lässt. Die Gemeinde Lenk bietet Hand zu der notwendigen Zonenerweiterung und ist bereit, die Rahmenbedingungen erst festzulegen, wenn das Projekt steht. Eine solche Ausgangslage sei sehr gut, meint Rolf Borer. Das letzte Wort hat natürlich der Lenker Souverän.

Was muss das neue Wohnheim bieten?

Da der Kanton massgeblich an der Finanzierung und dem Betrieb einer solchen Institution beteiligt ist, stellt er Bedingungen: Es müssen neu 24 Plätze zur Verfügung stehen. Vier Wohngruppen à sechs Plätze mit je einer eigenen Küche und Wohnzimmer sollen entstehen, dazu allgemeine Räume und Personalräume. Ein ganz wichtiger Bereich ist das Beschäftigungsatelier: Die 24 Bewohner sollen eine Tagesstruktur erhalten, in drei Ateliers (Holz, Textil, Ton und Keramik) arbeiten können. Diese sollen nicht innerhalb des gleichen Gebäudes angesiedelt sein, so dass sich die Bewohner auf einen Arbeitsweg machen müssen. In welcher Form diese Gebäude angesiedelt werden und ob das als «erhaltenswert» eingestufte, bestehende alte Haus integriert wird, wird sich in einem Ideenwettbewerb zeigen.

Architekturwettbewerb

Der Kanton verlangt einen Architekturwettbewerb und wird die Kosten dafür (in etwa 300 000 Franken) übernehmen. Rolf Borer rechnet mit zwischen 40 bis 60 Projekteingaben. Anschliessend wird eine Jury entscheiden, mit welchem Projekt die Planung in Angriff genommen wird. Er betont immer wieder, wie wichtig es sei, die Kosten im Griff zu haben. Zudem weist er darauf hin, dass ein solches Prozedere viel Zeit beansprucht. Im Idealfall kann diesen Sommer mit dem Architekturwettbewerb gestartet werden, so dass an der GV 2012 das Siegerprojekt präsentiert werden kann. Im Sommer 2014 könnte der Baubeginn erfolgen, Ende 2015 der Innenausbau fertig sein.

Kauf und Verkauf

Zur Finanzierung des neuen Wohnheims müssen «nicht betriebsnotwendige Objekte» veräussert werden, verlangt der Kanton. Der Vorstand benötigt dazu von den Anwesenden die Kompetenz, einen Käufer für das Kuhnenhaus in St. Stephan suchen zu dürfen. Die Gemeinde St. Stephan hat ein Vorkaufsrecht zu einem festgesetzten Preis; die Gemeindeversammlung wird im Dezember 2011 entscheiden, ob sie dieses Recht ausüben will. Die Vereinsmitglieder stimmen dem Antrag des Vorstandes zu, allenfalls einen anderen Käufer zu suchen.

Die Werkstätte in Zweisimmen hat seit langem zu wenig Platz. Es bietet sich nun die Gelegenheit, von der Firma Baumat Räumlichkeiten im Stockwerkeigentum zu kaufen. Bei einem allfälligen Kauf würde sich der Kanton an den Kosten beteiligen. Die Versammlung beschliesst, 20 000 Franken zu sprechen für die Ausarbeitung eines Vorprojekts mit Kostenschätzung. Eine bereits gebildete Baukommission wird beide Projekte begleiten.

Statutenänderung

Auch hier nimmt der Kanton Einfluss: Aus Gründen der «political correctness» müssen in den Statuten gewisse Textstellen abgeändert werden. Zudem schlägt der Vorstand unter anderem vor, die Betriebskommission aufzulösen und dafür seine Sitzungen – gerade auch im Hinblick auf die grossen Aufgaben, die auf ihn zukommen – häufiger abzuhalten. Die Versammlung stimmt auch hier zu.

Es ist zu hoffen, dass all diese Projekte möglichst rasch und problemlos realisiert werden können. Kathrin Moilliet

Der Bauprojektberater Rolf Borer aus Bern erläutert das Vorgehen bei der Projektierung des geplanten Wohnheimneubaus an der Lenk.

Der Bauprojektberater Rolf Borer aus Bern erläutert das Vorgehen bei der Projektierung des geplanten Wohnheimneubaus an der Lenk.

Zum Artikel

Erstellt:
18.05.2011, 21:44 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 20sec
Kommentare