Die Regierung will das KESB-Sekretariat in Frutigen ansiedeln – auch im Schloss Wimmis wäre Platz dafür

Kommt der Einsatz der Simmentaler Grossräte zu spät?

Das neue Behördensekretariat für Erwachsenenschutz, Personen- und Kindesrecht (KESB) in den Verwaltungskreisen Frutigen-Niedersimmental und Obersimmental-Saanen soll im Amtshaus in Frutigen eingerichtet werden. Mit den Hinweisen auf die bessere geografische Lage und auf das dem Kanton gehörende, verwaiste Schloss machen sich die beiden Simmentaler Grossräte Thomas Knutti (SVP, Weissenburg) und Hansjörg Pfister (FDP, Zweisimmen) – vielleicht zu spät – für den Standort Wimmis stark. Sie sind überzeugt, dass dort sowohl die beiden Waldabteilungen 2+3 (bisher in Spiez) als auch das KESB-Sekretariat Platz hätten.

Hoch über Wimmis hat es im leer stehenden Schloss nach Ansicht der Grossräte Knutti und Pfister Platz für zwei Waldabteilungen und für das KESB-Sekretariat der Verwaltungskreise Frutigen/Niedersimmental und Obersimmental/Saanen.

Hoch über Wimmis hat es im leer stehenden Schloss nach Ansicht der Grossräte Knutti und Pfister Platz für zwei Waldabteilungen und für das KESB-Sekretariat der Verwaltungskreise Frutigen/Niedersimmental und Obersimmental/Saanen.

Am 1. Januar 2013 werden die revidierten Gesetzesartikel des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) zum Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht in Kraft treten. Entsprechend hatte auch der Kanton Bern das Gesetz (KESG) anzupassen und seine Organisation auf die bundesrechtlichen Anforderungen abzustimmen. Bern hat sich für ein regionales Modell entschieden. Elf, den Verwaltungskreisen angesiedelte, professionelle Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) sollen die Aufgaben der bisherigen kommunalen Vormundschafts-Kommissionen übernehmen.

Grossräte Knutti und Pfister machen sich für Wimmis stark

Die beiden Simmentaler Grossräte Knutti und Pfister hatten sich vor der Schlussberatung des KESG durch den Grossen Rat in der Januar-Session mit einem Schreiben an den Regierungsrat gewandt. Sie wollten wissen, welchen Platzbedarf das Behördensekretariat generiere und wie es um die Umbaukosten in Frutigen und in Wimmis stehe. In ihrer Antwort hielt Regierungsrätin Barbara Egger fest, dass die Umbaukosten in Frutigen in den Kostenrahmen für die Umsetzung des Gesetzes (22 Millionen) eingestellt worden seien und dass für die neun KESB-Arbeitsstellen zwölf Arbeitsplätze eingerichtet werden müssten. Die Unterbringung im Schloss Wimmis wäre wegen den zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen schwieriger umzusetzen, als die beiden Waldabteilungen.

In der Antwort steht aber nichts davon, dass der Standort Frutigen bereits beschlossene Sache ist. Bekannt ist, dass die Regierung derzeit den Umzug der Waldabteilung 2 (Frutigen, Obersimmental/Saanen) und der Waldabteilung 3 (Thun/Niedersimmental) prüft. Diese sind zurzeit in Spiez eingemietet. Thomas Knutti ist überzeugt, dass für beides (Waldabteilungen und KESB-Sekretariat) im Schloss Platz wäre. Zudem ist er nicht sicher, ob Spiez die Waldabteilungen so einfach nach Wimmis ziehen lässt. Erstaunt ist er, dass für die neun Stellen zwölf Arbeitsplätze eingerichtet werden sollen: «Der Kanton kann sich keinen Mercedes leisten».

Dankbar für den grossrätlichen Einsatz

Unterstützung für den Vorstoss der Grossräte dürfte vorab aus Wimmis kommen. Dort ist man nicht unglücklich über die neue Entwicklung. Die Gemeinde hatte der Regierung das Schloss schon 2010 als Standort für das Behördensekretariat schmackhaft gemacht. Nach einer Besprechung mit den Regierungsmitgliedern Neuhaus und Egger, Regierungsstatthalter Rubin und Grossrat Knutti hatte man sich mit dem Entscheid für Frutigen bereits abgefunden. «Nicht zuletzt spielte auch die Zusicherung der Regierung, dass man eine Verlegung der Waldabteilung von Spiez nach Wimmis ernsthaft prüfen wolle, eine Rolle», sagte Gemeinderatspräsident Peter Schmid gegenüber der SZ. Aber Schmid ist froh um die Bemühungen der Grossräte Knutti und Pfister: «Auch aus meiner Sicht hätte es im Schloss Platz für die Waldabteilungen und für das KESB-Sekretariat.

Wimmis wäre ein «My» besser

Wo das Sekretariat – abgesehen von den neun Arbeitsplätzen – zu stehen kommt, ist für den Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Obersimmental-Saanen, Michael Teuscher eigentlich sekundär. Ich verstehe, dass sich die Regierung aus Gründen der kleinen Bevölkerungszahl auf einen Standort festgelegt hat und auch die Ansiedelung bei einem Regierungsstatthalteramt macht Sinn: «Aus geografischer Sicht wäre Wimmis ein «My» besser als Frutigen. Mit der Einführung des regionalen Modells geht viel Know-How verloren. Die bisherigen Gemeinde-Lösungen waren in den allermeisten Fällen sachdienlich. Die Laien-Behörden waren mit gesundem Menschenverstand am Werk und haben in den allermeisten Angelegenheiten sachdienliche Lösungen gefunden. Wichtig ist, dass auch die KESB-Behörden bei Bedarf vor Ort antreten. Die Situation der betroffenen Menschen kann in vielen Fällen nur an ihrem Wohnort und in ihrem Umfeld richtig beurteilt werden.

Diesem Wunsch will der Kanton nun wenigstens teilweise nachkommen. Nach Auskunft von Andrea Weik vom Kantonalen Jugendamt, prüft man zurzeit die Möglichkeit, im Amtshaus Saanen einen «Aussenposten» für Anhörungen u. a. einzurichten: «Wir sind zuversichtlich, dass sich das realisieren lässt und dadurch die Nähe zur Bevölkerung sicher gestellt ist».

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Erstellt:
23.02.2012, 07:54 Uhr
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