Ein Brückenkopf auf Boltiger Gebiet
Neue Jaunbachbrücke in Abländschen
Warum braucht es eine neue Brücke über das Jäunli beim Zimmergraben? Die Baustelle mit den diversen Maschinen, Geräten und dem emsige Treiben bei der Jaunbachbrücke hat mich bewogen, ein Gespräch mit dem Projektleiter der Baufirma Grisoni-Zaugg AG, Simon Rauber von Jaun, zu führen. Die erwähnte Baufirma führt das Bauvorhaben durch.
Neue Jaunbachbrücke
Der heutige Zustand war nicht mehr haltbar. Die eisernen Längsbalken waren noch soweit gut, aber die hölzernen Querbalken waren in einem desolaten Zustand. Die frühere Belastung von ca. 20 Tonnen war nicht mehr verantwortbar.
Die alte Brücke hatte eine Spannweite von sieben Metern und soll neu auf 13 Meter verlängert und von 3,5 Metern auf 5,5 Metern verbreitert werden. Ebenso soll das Lichtraumprofil (Höhe) um 30cm erhöht werden. Diese neuen Massnahmen dienen der Sicherheit und gewährleisten einen besseren Wasserabfluss bei Hochwasser.
Ich liess mir sagen, dass im oberen Teil des Zimmergrabens sehr viel lockeres Gestein ist, das bei einem Murgang relativ rasch in Bewegung geraten und unten die Brücke verstopfen könnte. Heute fliesst eine Wassermenge von rund 3000–4000 Liter pro Sekunde hinunter.
Bauphasen dauern bis Oktober
Am 17. Mai 2021 begannen die Bauarbeiten und sie dauern voraussichtlich bis Mitte Oktober 2021. Die folgenden Bauphasen zeigen den Verlauf der Sanierung auf:
Phase 1: Auflagelager erstellen und Notbrücke platzieren. Die Notbrücke besteht aus zwei Fertigelementen aus Italien und konnte relativ rasch mit einem grossen fahrbaren Kran gesetzt werden. Sie wurden anschliessend zusammengeschraubt. Warum Italien? Die Notbrücke erwies sich als kostengünstigstes und passendes Produkt.
Die Strasse war lediglich einen halben Tag gesperrt und der Verkehr wurde über die Abländschen-Strasse umgeleitet.
Phase 2: Bestehende alte Brücke abbauen und Bauschutt entsorgen. Anschliessend wurde der Flusslauf korrigiert.
Phase 3: Aushub neue Fundamente.
Phase 4: Spezieller Tiefbau: Mikropfähle mit 15–20cm Durchmesser werden eingerammt, damit ein solider Baugrund entsteht.
Phase 5: Betonarbeiten: Fundamente und Widerlager für die neue Brücke bauen; Leergerüst mit Eisenbalken erstellen und darauf Brückenplatte aufbauen.
Phase 6: Abdichtungsarbeiten vornehmen und Brüstungen montieren.
Phase 7: Alle Hohlräume hinterfüllen.
Phase 8: Endarbeiten realisieren. Die definitive Belagsarbeit folgt später.
Die gesamte Sanierung ist aufwendig. Da die Strasse dem Kanton Bern gehört, wird mit einem Kostenvoranschlag von 0,75 Mio. Franken gerechnet. Vorgängig mussten vielfältige Abklärungen und Koordinationen mit dem Strasseninspektorat, dem Wasserwirtschaftsamt, dem Wildhüter, dem Ornithologischen Verein, den Gemeinden usw. getroffen werden. Interessant ist, dass ein Brückenkopf zur Gemeinde Saanen und der andere zur Gemeinde Boltigen gehören. Die neue Brücke wird mit einer Belastung von 40 Tonnen berechnet.
Dem Projektleiter Simon Rauber und der Baufirma Grisoni-Zaugg AG herzlichen Dank für das ausgezeichnete Bauwerk. Wir sind alle stolz auf das neue Bauwerk!