Projektwoche im Bergwald – bei jedem Wetter

Der Wegbau mit Kasten der Gruppe Brügger

Der Wegbau mit Kasten der Gruppe Brügger

Im Bergwald können die Verhältnisse rasch ändern. Das hat auch die 9. Klasse («Spez.-Sek.») des Oberstufenzentrums Ebnit Gstaad vergangene Woche während ihrer Projektwoche erfahren. Wo noch am Mittwoch jeder Schritt Staub aufgewirbelt hatte, verwandelte der Regen am Donnerstag alles in glitschigen Morast. Aber Bergler lassen sich dadurch ihre gute Laune nicht verderben, auch dann nicht, wenn die Arbeit bei Regenwetter nicht einfacher wird!

Die Klasse arbeitete während der ganzen Woche an der Instandstellung eines Viehweges zwischen der Alp Schlündi und der Alp Örter in der Gemeinde Boltigen. Diese beiden Alpen befinden sich am nordöstlichen Hang des Hundsrügg im Tal von Abländschen. Die Alp Schlündi ist vom Jaunpass her erschlossen, die Alp Örter ist nur zu Fuss erreichbar. Beide Alpen gehören der Gemeinde Boltigen und sind zusammen verpachtet an Robert Treuthardt, Landwirt in Boltigen. Ziel der Projektwoche war es, die Verbindung zwischen den beiden Alpen, namentlich im Bereich der bewaldeten Gräben, für das Vieh besser begehbar zu machen. Johanna Ginggen, im Gemeinderat von Boltigen zuständig für das Forstwesen und die Landwirtschaft, betont, dass die Gemeinde sehr froh ist über solche Einsätze.

«Bildungswerkstatt Bergwald»

Verantwortlich für die Durchführung der Projektwoche war die «Bildungswerkstatt Bergwald». Diese führt seit 1995 Projektwochen für Jugendliche durch, nicht für Gruppen von Freiwilligen, sondern für ganze Schulklassen (ab 9. Schuljahr) und Gruppen von Lehrlingen als Bestandteil der Ausbildung. 2011 gab es im gesamten Berggebiet der Schweiz 50 Projektwochen mit insgesamt 1395 Teilnehmenden vorwiegend aus der Deutschschweiz. Gründer war Dr. Christoph Leuthold, Forstingenieur ETH; seit 2008 wird die Institution von einer Stiftung mit Sitz in Thun getragen. Sie kann auf rund 110 Fachleute zählen, die als freiwillige Gruppenleiter in den Projektwochen mitwirken. So wurde die eine der beiden Siebnergruppen der Klasse aus Gstaad von Christian von Grünigen, Oberförster der Waldabteilung 2, geleitet, der dafür eine seiner Ferienwochen einsetzte. Die andere Gruppe leitete der Biologe Dr. Robert Brügger. Mit von der Partie waren auch der Klassenlehrer, Matthias Urben, und die Lehrerin Karin Grossenbacher. Unterkunft bot eine Clubhütte im Chilchmoos auf dem Jaunpass.

Die «Bildungswerkstatt Bergwald» verfolgt in ihren Projektwochen mit dem Konzept von «gleichzeitigem Lernen und Nutzen schaffen» mehrere Ziele. Zunächst sollen die Wochen die Entwicklung der Persönlichkeit und der Sozialkompetenz der Jugendlichen fördern, aber auch zur Sensibilisierung im Umgang mit den natürlichen Ressourcen beitragen. Dabei stehen Pflege und nachhaltige Nutzung der Bergwälder und der alpinen Kulturlandschaft im Zentrum, aber auch der Austausch und die gelebte Solidarität zwischen Stadt und Land, Berg und Tal, Alt und Jung.

Wer die Klasse aus Gstaad letzte Woche bei der Arbeit besuchen durfte, kam zum Schluss, dass die Woche für die Jugendlichen ein nachhaltiges Erlebnis darstellte. Alle waren mit grossem Einsatz bei der Sache – eben auch bei garstigem Wetter. Das vorher von den Jungen selber geschlagene und bearbeitete Holz war am Donnerstag schon weitgehend für den Kastenbau und den Prügelweg eingesetzt, die gesetzten Ziele somit schon weitgehend erreicht. Eine rundum gefreute Sache, wie alle Beteiligten übereinstimmend feststellten!

Anton Ryf

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Erstellt:
04.09.2012, 15:08 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 36sec
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