Betrifft Leserbrief von Hermann Scheiben und Gottfried Zenger
Arme Kühe
Dieses Gedicht hat mir richtig wohl getan. Schon oft dachte ich mir, «das ist doch Tierquälerei» wenn ich im Winter bei eisiger Kälte die Kühe draussen in einem zu engen Pferch mit Schuh hohem Dreck stehen sah. Wer möchte sich denn da schon hinlegen. Sollen die Befürworter doch auch einmal im Winter eine Nacht draussen auf dem Balkon schlafen, das ist ja so gesund, natürlich auch ohne schützende Decke.
Ein zugfreier und trockener Stall mit etwas Stroh wäre doch das wenigste, was man den Tieren bieten könnte. Die traurigen Augen der Viecher sagen eigentlich alles.
Noch nicht vor langer Zeit sagte mir eine Bäuerin aus dem Simmental: Bei uns gibt es keine verstümmelten Kühe, was Hunderte von Jahren gut war, kann doch jetzt nicht einfach schlecht sein. Die Natur hat den Kühen Hörner wachsen lassen. Wie sie sagte, gibt es immer mehr Bauern, die auch wieder zu dieser Einsicht kommen. Früher verbrachten die Bauern manche Stunde im Stall, wenn eine Kuh oder ein Rind kalben wollte und hielten Wache. So konnten sie eingreifen, wenn das Kalb falsch lag, oder wenn ein Rind mit dem Kalb auch die ganze «Burdi» ausdrückte. So konnte dem Tier gleich nach dem wieder einbringen der ganzen Sache, sofort das «Birchgschyr» angelegt werden. Heute kommt es sogar vor, dass, wenn der Bauer am Morgen in den Stall kommt, das Kalb tot im «Schorrgraben» liegt, weil Niemand da war, der das Neugeborene mit Stroh abrieb oder ihm den Schleim aus dem Maul putzte. Man sagt doch Maul und nicht Schnurre, man sagt ja auch Ochsenmaulsalat. Leider lässt sich so ein studierter Ökologe nur ungern von einem erfahrenen Bauer und Viehhändler etwas sagen. Die wissen ja ohnehin alles besser, wenn auch nur aus den Büchern. Edith Kammer