Die Schafe auf dem Stierengrat waren ungeschützt?
Mit einer grossen Überschrift in diesem Wortlaut wird einmal mehr versucht, auf der Titelseite einer Tageszeitung Theoretikern Gehör zu verschaffen, auch wenn diese in der Praxis keine Erfahrung haben. Heute bin ich längst kein Schäfeler mehr, aber es waren in meiner Jugendzeit die ersten Tiere, von denen ich zwei bis vier als meine eigenen ansprechen konnte. Der Kontakt mit den Schäfelern in freundschaftlicher Weise hat bis heute gehalten und eine gute nachbarliche Beziehung zum grossen Schafberg Morgeten besteht weiter.
Herr Ueli Pfister (Verantwortlicher für Herdenschutz; Anm. der Red.) es ist eine Unterstellung in einer schnodrigen Art und Weise, wenn in einer Tageszeitung zu lesen ist, die 26 gerissenen Schafe auf der Alp Stierengrat wurden dem Wolf praktisch zum Frass vorgesetzt! Aber es ist leider so, dass so genannte Biologen in unseren ausgedehnten Wildflächen, die in der Schweiz mehr als drei Teile der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen, den Reissern Luchs, Wolf und Bär mehr Rechte zugestehen möchten, als unseren Wiederkäuern.
Von dieser Theorie nachhaltig betroffen sind vorab Älpler, Viehzüchter und andere. Ihnen ist zu verdanken, dass durch Fleiss und harte Arbeit möglichst viel attraktive Kultur- und Naturlandschaft erhalten bleibt. Dass Schutzhunde in der Praxis keine Garantie bieten, darin wird wohl Herr Kohler Recht behalten. Trotz einem teuren Schutzhund sind auf dem Schafberg Morgeten Schafe dem Wolf zum Opfer gefallen. Herr Pfister, ich bin nicht der Anwalt der Schafzüchter, aber mit 84 Lenzen habe ich weit über 50 Alpsommer erlebt. Dabei war unsere Existenzgrundlage jeweils die Berglandwirtschaft, Alpwirtschaft und Viehzucht.
Mit unserer Tätigkeit erbringen wir einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung einer gepflegten Kultur- und Naturlandschaft, dabei helfen auch Schäfeler mit, indem sie Hochalpen und Schafberge mit ihren Tieren nutzen. Dass sich Unmut und Ärger gegenüber allzu grosser Toleranz, die Luchs, Wolf und Bär geniessen, ausdehnen ist verständlich. Denn diese Reisser haben in den letzten Jahren beträchtlichen Schaden angerichtet. Herr Pfister, wir – oder sagen wir jetzt viele, die jünger sind als ich – erbringen eine unverzichtbare Leistung mit der Alpwirtschaft, indem unsere Weiden und Alpen genutzt werden und erhalten bleiben und damit eine grosse Artenvielfalt. Aber es darf nicht mehr wiederholt werden, dass vor dem Wolf kapituliert wird und grosse Schafherden vor der Zeit ins Tal zurück getrieben werden, um den Risiken vor den blutrünstigen Reissern zu entfliehen. Dafür, Herr Pfister, haben wir zu viele treffsichere Schützen! Hans Haueter, Oberwil