Bergbahnen Destination Gstaad
Im verflixten siebten Jahr
Von unserer Wohnungsvermieterin erhalten wir gelegentlich die SIMMENTAL ZEITUNG. Als regelmässiger Gast zu allen Jahreszeiten seit über 20 Jahren, interessiert uns das Leben der Simmentaler Bevölkerung. Mit Interesse habe ich deshalb den GV-Bericht über die Bergbahnen gelesen. Was auch immer für Erklärungen zum Rückgang der Bahn- und Gastro-Erträge angeführt werden, möchte ich zuerst den Betreibern mit allen Angestellten herzlich danken für den Einsatz und die grossen Verbesserungen im Winterdienst, insbesondere der Pistenpflege.
Dass der Zugang von St. Stephan über Kaltenbrunnen zum Saanerslochgrat letzten Winter einige Wochen nicht möglich war, haben wohl viele bedauert. Ich bin in die Lenk ausgewichen, und das werde ich weiterhin von Matten aus tun, wenn der Zugang ins «Weisse Hochland» von St. Stephan aus nicht offen ist. Erlauben Sie mir einige Feststellungen und Gedanken zu den Veränderungen des touristischen Verhaltens in den letzten 20 Jahren. Im Zuge der immer höheren Ansprüche der Skifahrer an die Transportunternehmen und die Pistenpflege ist auch das kurzfristige Planen (Sollen wir heute skifahren oder nur shoppen?) viel ausgeprägter geworden. Hat man doch früher Sportferien gebucht, eine Wochenkarte gekauft und auch bei unterschiedlichstem Wetter den Skisport betrieben. Jetzt kauft man sich eine Tageskarte nur bei besten Verhältnissen und verzichtet auf das Angebot der Bahnen, die aber für wenige‚ angefressene Touristen alle Dienstleistungen anbieten müssen. Fazit: Wochenende und Top-Wetter überfüllt und auch im Restaurant bei der Selbstbedienung Wartezeiten bis zu einer Stunde! Unter der Woche überall wenig Leute und bei zweifelhaftem Wetter Leere! Meine Überlegungen gehen deshalb nicht in erster Linie zum Ausbau und zu Neuinvestitionen, sondern dahin, die Frequenzunterschiede geringer werden zu lassen. So stelle ich ein paar rhetorische Fragen, die zum darüber nachdenken oder diskutieren anregen sollen: «Würde ich wohl wieder eine Saisonkarte lösen und nicht mehr in die Lenk ausweichen, wenn ich sie zum Preise von zehn Tageskarten erhalten könnte?» «Als Senior kann ich mir vorstellen darauf zu verzichten, am Wochenende auf der Piste im Rummel zu sein, wenn ich ein vergünstigtes Angebot für Montag bis Freitag erhalten könnte. Ist so was technisch lösbar?»
«Würde wohl ein Gastrobetrieb mitmachen, wenn bei zweifelhaftem Wetter an der Talstation das Plakat aufgehängt würde: «Heute für alle gratis Pommes frites im Restaurant xy!?»
«Warum wird in den Medien nur von den schlechten winterlichen Verhältnissen berichtet, ohne auch die bestens präparierten Pisten im Skigebiet zu empfehlen?»
Wie auch immer sich die neue Wintersaison anbietet, ich freue mich darauf und werde auf jeden Fall wieder dabei sein und einen Teil meiner Rente im Simmental einsetzen.
Werner Stalder, Matten, Inneres
Gässli oder Mätteliweg 13
in Trimbach