Schweizer-Landeshymne stärkt und erdet

Die pünktlich zum Nationalfeiertag entflammte Medienmitteilung, der 1841 geschriebene und bis heute gültige Text zur Landeshymne müsse neu erarbeitet werden, lässt aufhorchen!

Verschiedene Vorschläge würden dann eingeholt, von einer unbekannten Jury aussortiert und dann einen neuen Text zusammengestellt. Angeblich solle dieser dadurch attraktiver werden! Wieso denn das? Was ist falsch daran, wenn sich ein Volk einmal im Jahr besinnt woher seine (teils noch) Unabhängigkeit kommt, wer dafür gekämpft hat und gemeinsam die Landeshymne singt, um unserem Schöpfer und Kraftspender für unser wunderschönes Land zu danken? Gott braucht nicht erneuert zu werden und eine Landeshymne soll auch keine Attraktion sein: sie soll den Menschen Landverbundenheit, gesunden Stolz und Dankbarkeit vermitteln. Es geht einzig und allein nur darum, uns Eidgenossen diese Urkraft, diese Landverbundenheit zu entreissen! Je haltloser ein Volk ist, desto besser kann man es manipulieren. Die Weltpolitik lässt grüssen, schwächen wir die Schweiz! Lydia Dreyer, Weissenburg

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Erstellt:
16.08.2012, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 29sec
Kommentare
Hubert Spörri 16.08.201220:31 Uhr

Liebe Frau Dreyer
Ich gratuliere Ihnen herzlich zu diesem Artikel.
Wer sich mit der Entstehungsgeschichte unserer Nationalhymne befasst, muss zur Erkenntnis kommen, dass der Schweizerpsalm weltweit eine der schönsten Nationalhymnen ist. Während in vielen anderen Hymnen kriegerische Töne angeschlagen werden, von blutgetränkten Aeckern die Rede ist, von der Bereitschaft, in den Tod zu gehen, von Säbeln und sich kreuzenden Klingen, so ist unsere Hymne "...eine Meditation, ein Gebet, eine Ermahnung und Besinnung auf das Wesentliche" (Amira Hafner-Al-Jabaji) und somit wie geschaffen für gläubige Menschen aller Konfessionen und Religionen.
Die Akzeptanz der Landeshymne hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Es ist unverständlich, dass die SGG ausgerechnet in einem solchen Moment mit diesem Rückenschuss daherkommt. Sie würde sich besser dafür einsetzen, dem Schweizervolk die einmalige Entstehungsgeschichte der Hymne näher zu erklären, denn die Hymne ist ein frühes und heute noch gültiges Zeichen überkonfessioneller Zusammenarbeit, entstanden in der Zeit des erbitterten Kultur- und Bruderkampfes. Soll das, was 1841 ein Zeichen der Versöhnung war, heute Anlass zu einem jahrelangen Streit werden? Sollen den Romands, den Tessinern, den Rätoramanen (die mit dem Text, der eine freie Uebersetzung des Widmerschen Urtextes ist) die neu zu übersetzenden Texte aufbefohlen werden?
Es ist des weiteren bedauerlich, dass eine Gemeinnützige Gesellschaft Atheisten, Hymnengegnern und Hymnenhassern nach dem Munde redet.
Hoffen wir, dass die erneute Zwängerei erfolglos bleibt, wie die über 100 Versuche in den letzten 50 Jahren, den Schweizerpsalm zu ersetzen oder der Melodie einen neuen Text zu unterlegen. Eine historisch auf solche einmalige Weise zusammengeschmolzene Einheit von Melodie und Text darf nicht zerstört werden.
Verständnis habe ich einzig für jene, die sich die Hymne ein wenig schneller wünschen, so wie z.B. in London oder beim Länderspiel Kroatien-Schweiz.
"Schweizerinnen, Schweizer, betet!", dass die SGG vielleicht doch noch einmal über die Bücher geht.
Hubert Spörri