Teures bürokratisches Monster oder gute medizinische Versorgung?

Die Medizin der Zukunft erfordert zunehmend ein vernetztes Denken. Teamwork statt Eigenbrötlerei ist gefragt. Ressourcen müssen gemeinsam genutzt werden. Hausarzt, Spezialist, Spital, Spitex und weitere Akteure im Gesundheitswesen sollten vermehrt zusammenarbeiten, um für die von ihnen betreuten Patienten auch weiterhin eine qualitativ gute und bezahlbare medizinische Versorgung zu ermöglichen. – Als langjährige Mitglieder beim Ärztenetzwerk Beodocs setzen wir uns für eine integrierte Versorgung und für echte Hausarztmodelle ein, wie diese in der kommenden Managed-Care Abstimmungsvorlage vorgesehen sind.

Was will Managed Care?

Zentrale Rolle des Hausarztes / Vermeiden von unnötigen und teuren Doppelspurigkeiten: Der frei gewählte Hausarzt koordiniert in Absprache mit dem Patienten Abklärungen und Behandlungen mit geeigneten Spezialärzten und Spitälern; er sorgt dafür, dass sein Patient in dringenden Fällen rechtzeitig einen Termin beim Spezialisten erhält und wird von diesem rasch über die Abklärungsergebnisse und Behandlungsvorschläge informiert.

Kompetente Betreuung des Patienten: Im Netzwerk tätige Ärzte müssen Qualitätskriterien bezüglich Aus- und Fortbildung erfüllen. In Qualitätszirkeln werden Abklärungsstrategien und Behandlungsgrundsätze erarbeitet – der einzelne Arzt bleibt aber weiterhin frei in der Wahl bezüglich der für seinen Patienten besten Behandlung.

Stärkung des Hausarztes: Ärzte im Netzwerk treten gegenüber den Krankenversicherern als Kollektiv auf und sind dadurch in einer wesentlich stärkeren Position, als wenn sie als Einzelkämpfer auftreten. – Krankenkassen dürfen keine eigenen Praxen mehr betreiben mit angestellten (Kassen-) Ärzten. Die Unabhängigkeit der Hausärzte wird gestärkt, die Gefahr zur Rationierung der medizinischen Leistungen gemindert.

Ja zum Risikoausgleich: Die Risikoselektion durch Krankenkassen-Teure Werbeaktionen zur Akquisition von günstigen Risiken zulasten der Chronisch Kranken wird es nicht mehr geben.

Ja zur Besserstellung von Schwangeren: Im Managed Care-Modell sind sämtliche medizinischen Leistungen während der Schwangerschaft ohne Kostenbeteiligung vorgesehen.

Die vorliegende Managed-Care-Vorlage, über die wir dieses Wochenende abstimmen werden, ist sehr komplex und sicher nicht perfekt. Immerhin wurde sie aber im Parlament nach 8-jähriger Beratung sowohl im Nationalrat mit 111:39 Stimmen als auch im Ständerat mit 28:9 Stimmen klar gut geheissen und stellt einen Kompromiss unter sehr gegensätzlichen Interessensvertretern dar. Die Gegnerschaft der Vorlage macht es sich recht einfach, mit Schlagworten und Halbwahrheiten die Angst der Bevölkerung vor Neuerungen im Gesundheitswesen zu schüren. «Zweiklassenmedizin infolge Budget-Mitverantwortung», «Netzwerk-Ärzte werden von den Vertrauensärzten der Krankenversicherer gesteuert», «der Patient verliert die Arztfreiheit» sind nur einige dieser fragwürdigen Statements. – Auch mit der Annahme der Managed Care-Vorlage behält jeder Patient mit einer relativ kleinen Verteuerung der Versicherungs-Prämie weiterhin das Recht, sich auf eigene Faust den Weg durch den immer unübersichtlicheren Dschungel verschiedener Gesundheitsanbieter zu suchen, wahlweise Zweit- und Drittmeinungen einzufordern und seinen Medizin-Behandlungs-Einkaufskorb mit Dienstleistungen und Waren zu füllen. Für die Mehrheit der Patienten würde sich mit der Annahme der Managed Care Vorlage in unserer Region kaum etwas ändern; die Patienten sind es sich ja gewohnt, als erste Anlaufstelle im Krankheitsfall ihren Hausarzt (zu dem sie hoffentlich ein gutes Vertrauensverhältnis haben, sonst sollten sie ihn unbedingt wechseln!) aufzusuchen, der sie nach bestem Wissen in Zusammenarbeit mit den ihm vertrauten Spezialisten betreuen wird. Die Stellung des Hausarztes als Koordinator würde gegenüber den Versicherern gestärkt. – Warum setzen sich wohl bekannte Persönlichkeiten wie Dr. Marc Müller, Präsident der Vereinigung «Hausärzte Schweiz» und selber Hausarzt in Grindelwald, Nationalrätin Ruth Humbel (Weltwoche Nr. 10,12) und Bundesrat Alain Berset klar für diese Vorlage ein? Dr. med. Thomas Zimmerli /

Dr. med. Beat Hählen

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Erstellt:
14.06.2012, 00:00 Uhr
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