Volksinitiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen»

Nachdem unsere Miteidgenossen das Schweizerische Mittelland von Genf bis Romanshorn verbaut haben, sollen wir «Bergler» nun geschützt werden.

Fährt man quer durch die Schweiz, sieht man überall mitten im Grünen einstöckige nicht unterkellerte Einkaufszentren, Freizeitanlagen, Industrieanlagen mit riesigen Parkflächen. Neue Wohnquartiere mitten in der Landwirtschaft spriessen überall aus dem Boden, ein Landverschleiss sondergleichen!

Wir Bewohner der Alpen haben nie verlangt, dass diese planlos, auswuchernde Bepflasterung des ganzen Mittellandes gestoppt werden müsse, nun wollen aber diese Kreise uns bevormunden.

Diese Leute wollen den Alpenraum für sich als Freizeitpark ohne Rücksicht auf die Lokale Bevölkerung, welche dort ihr Brot verdient. Am Morgen mit dem Auto oder dem ÖV raus in die unverbauten Berge, Picknick im Rucksack, gekauft im Einkaufszentrum bei ihnen zu Hause und am Abend wieder heim ins Einfamilienhäuschen ausserhalb der Stadt.

Wird diese Initiative angenommen, hat das für die Bevölkerung in der «Bergwelt» (Wortwahl des Initiativkomitees) gravierende Konsequenzen.

Die Gemeindeautonomie wird mit dieser Initiative grob verletzt. In vielen Bergregionen ist der Tourismus die einzige wirtschaftliche Perspektive. Bei Annahme dieser Initiative wird diese wirtschaftliche Entwicklung abgewürgt.

In 650 Gemeinden würde ein Baustopp erlassen. Entlassungen im Baugewerbe wären unvermeidlich. Dies hätte zur Folge, dass auch die restliche Wirtschaft der Region leidet und weitere Entlassungen in andern Branchen unvermeidlich wären. (Detailhandel, Dienstleistungen usw.) Eine Abwanderung würde einsetzen, was die Abwärtsspirale beschleunigen würde. Steuer- und Gebührenausfälle wären die Folge. Fehlen diese Einnahmen (Handänderungssteuern, Liegenschaftssteuern, Einkommens- und Vermögenssteuern, Gebühren etc.) müssten die Steuern erhöht werden, was wiederum eine vermehrte Abwanderung zur Folge hätte. Es braucht weniger Lehrer, Gemeinde-, Bank-, Versicherungs-, Detailangestellte usw.

Diese Steuerausfälle würde auch den Kanton stark betreffen. Der Kanton Bern, welcher aus dem Ausgleichsfond des Bundes über eine Milliarde Franken bezieht, erhält von der Gemeinde Saanen über 10 Millionen Franken Ausgleichszahlungen. Diese würden sehr rasch ausfallen.

Wird die Initiative angenommen gibt es in kürzester Zeit viel zu viele Erstwohnungen, da die Bevölkerung weggezogen ist.

Die Initiative verletzt auch freiheitliche Grundwerte. Soll es verboten werden, dass ich in der Stadt Bern eine Zweitwohnung besitze?

Die Initiative ist unnötig. Das revidierte Raumplanungsgesetz, zwingt Kantone bis 2014 den Zweitwohnungsbau zu regeln, lässt jedoch Spielraum für lokale Massnahmen. Die Annahme der Initiative würde einen neuen Röstigraben aufreissen, doch diesmal nicht Deutschschweiz-Romandie, sondern zwischen Bergbevölkerung und urbaner Bevölkerung. Dies würde in Zukunft zu grossen Spannungen in unserem föderalistischen Willensstaat führen.

Darum liebe «Miteidgenossen», lehnt diese unsägliche Initiative ab. Benz Hauswirth, Ebnit, Gstaad

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Erstellt:
01.03.2012, 00:00 Uhr
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