«Wir tun es aus Solidarität»?

Antwort auf den Leserbrief von Pfarrer Alfred Müller.

Sehr geehrter Herr Müller,

bezugnehmend auf Ihren Leserbrief (in der letzten Ausgabe) fühlte ich mich als Initiant der Elterninitative Simmental angesprochen. Frau Poschung und diese «anderen Frauen» aus dem Simmental sind besorgte und liebende Eltern. Das macht sie nicht anders, sondern besonders! Wir (ich solidarisiere mich hiermit mit diesen Frauen!) sind in erster Linie naturgemäss für unsere Kinder und deshalb gegen diese asozialen und nutzlosen Masken-Massnahmen. Diese konservativen Zeitungen, die Sie angesprochen haben, welche entgegen dem Mainstream noch eine oppositionelle Meinung zum leidigen Thema vertreten, sind leider in unserem wunderbaren Land so selten geworden wie meine Haare auf dem Kopf! Mit den 450 Mio. Franken Bestechungsgeld jährlich, welche der Bund dem Schweizer Mainstream zahlt, könnte ich mir und viele andere Leidensgenossen teuere und perfekte Toupets von Versace oder aufwendige Haartransplantationen leisten!

Bezüglich Ihres ehrenwerten Berufes erlaube ich mir, den Katechismus zum Thema Solidarität zu zitieren: Laut dem Katechismus geht es bei dieser Tugend, also der Solidarität, darum, allen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen durch Teilen der materiellen, vor allem aber der geistigen Güter (KKK 1939). In dieser Umschreibung wird schon deutlich, dass die Solidarität nicht bei den irdischen Gütern Halt machen darf. Und dass sie nicht nur auf das «Teilen» von Wohlstand und Gesundheit bezogen ist, sondern auch von Freiheit – im Sinne eines von staatlichen Vorschriften (und nicht bloss Empfehlungen) unberührten Lebensraums – und von den göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung, die den irdischen Horizont übersteigt, und der Liebe Gottes, die aller Liebe Urquell ist. Eine Solidarität, die sich rein auf ein möglichst langes, möglichst gesundes und möglichst «glückliches» irdisches Leben bezieht, oder gar noch verengter auf ein bloss «coronafreies» Leben, ist eine entchristlichte, eine entkernte, eine verkehrte Solidarität (Zitat Michael Koder).

Mittlerweile spüren immer mehr Menschen, dass in dieser ganzen Sache etwas gewaltig stinkt und es nicht mit rechten Dingen zugeht. Wo ist eigentlich die kirchliche Solidarität mit den Massnahmenkritikern? Wir (ich solidarisiere mich hiermit mit allen Querdenkern und Massnahmenkritikern) werden wie Aussätzige behandelt, zensiert, blockiert, diffamiert und lächerlich gemacht, weil wir unsere Sorgen, u.a. bzgl. unserer Kinder, öffentlich zur Schau tragen. Quo vadis Kirche? Quo vadis Schweiz?

Was mich aber absolut irritiert hat, war Ihre Aussage, «dass Sie jede Massnahme, die Sie einhalten oder tun, ein Stück gelebte Nächstenliebe ist». Dann wundert mich auch Ihre solidarische Impfung nicht – ist sie auch noch so unerprobt. Bleibt nur zu hoffen, dass das BAG der tapferen Schweizer Bevölkerung als nächstes befiehlt, sich eine Glatze scheren zu lassen, damit auch ich das Gefühl von Solidarität, wenigstens in dieser Angelegenheit, von Ihnen, Herr Altpfarrer Müller, erleben darf.

Stephan Wehner, Erlenbach

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Erstellt:
10.06.2021, 00:00 Uhr
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