Der öffentliche Verkehr im Simmental (1)
45 Millionen für den Bahnhofausbau in Zweisimmen
Rund 45 Millionen für den Um- und Ausbau des Bahnhofs Zweisimmen, weitere 23 Millionen für die Gleis- und Fahrleitungserneuerung auf der MOB-Strecke Zweisimmen-Lenk und neue MOB-Schalter im GoldenPass-Design in Lenk: Die BLS und die MOB als wichtigste öffentliche Verkehrsträger im Simmental planen bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 Grosses!
45 Millionen Franken sollen bis 2016 für zwei Umspuranlagen und für den behindertengerechten Um- und Ausbau des Bahnhofs Zweisimmen investiert werden. Im Vordergrund eine MOB-Komposition bei der Ausfahrt Richtung Montreux.
Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 sollen die TransGoldenPass-Kompositionen (TGP) das umsteigefreie Zugfahren zwischen Montreux und Interlaken ermöglichen. Aus diesem Anlass ist in diesen Tagen der erste (von letztendlich 21) MOB-GoldenPass-Waggons zum Umrüsten nach Biel transportiert worden. Dort wird dem Wagen ein neuartiges Drehgestell verpasst, das künftig auf einer speziellen Anlage in Zweisimmen von der Schmalspur der MOB (1000 mm) auf die Normalspur der BLS (1435 mm) «umgespurt» wird. Weitere 15 mit solchen Fahrgestellen eingerichtete Wagen müssen neu angeschafft werden. Für die Spurwechsel sind im Bahnhof Zweisimmen zwei Umspuranlagen (Vierschienengleise) sowie Ausziehgleise für den Lok-Wechsel notwendig. Die Massnahmen, die im Zusammenhang mit der Umsetzung des Konzepts TransGoldenPass stehen, sind auf 15 Millionen veranschlagt.
Millionen-Baustelle Bahnhof Zweisimmen
Im Interesse einer zukunftsgerichteten Entwicklung werden im Bahnhof Zweisimmen auf den gleichen Zeitpunkt weitere massive Um- und Ausbauten stattfinden. Aus Altersgründen muss die Stellwerkanlage aus den 1970-er Jahren ersetzt und für die automatisierte Betriebsführung eingerichtet werden. Sodann müssen die Anforderungen an die Perronanlagen hinsichtlich des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) erfüllt werden. Die Perrons werden auf 220 Meter verlängert und auf eine Höhe von 55cm ab Gleisoberkante behindertengerecht umgebaut. Vorgesehen ist auch eine Vereinfachung der BLS-Gleisanlagen. Anpassungen erfahren auch die Perrrondächer und die Perronmöblierung. Das alte Depotgebäude soll zurückgebaut werden, damit das Areal für Park+Ride-Zwecke genutzt werden könnte. Dorfseitig werden die Anpassungen und die vorgesehenen Bushaltestellen (Sparenmoos, Bus Boltigen-Zweisimmen) eine geringfügige Verlegung der Allmendstrasse im Bereich des ehemaligen Hotels Terminus zur Folge haben. Geplant ist auch ein neues Technikgebäude auf zwei angrenzenden Parzellen an der Allmendstrasse Durch die neuen Gleisanlagen muss die Bahnbrücke über die kleine Simme verbreitert werden. Auch MOB-seitig muss eine Brücke (Überführung Lenkstrasse) angepasst werden. Die Kosten für die (nicht vom Projekt TGP verursachten Massnahmen) sind auf Millionen Franken veranschlagt. Finanziert wird das Projekt über den ÖV-Rahmenkredit des Bundes. Die betroffenen Kantone (Bern, Freiburg und Waadt) werden sich daran beteiligen.
Resultat der engen Zusammenarbeit
Federführend für den Umbau ist die BLS. MOB-Direktor Georges Oberson ist über die neue, verbesserte Zusammenarbeit mit der BLS sehr erfreut: «Die gefundene Lösung ist für alle Betroffenen perfekt.» Interne und externe Planer, u.a. aus Zweisimmen, arbeiten zurzeit noch an der Machbarkeitsstudie. Das Dossier mit den Eingabeplänen für das Bundesamt für Verkehr soll Anfang 2013 eingereicht werden. «Die aktuelle Projektvariante, ausgewählt aus einer grossen Anzahl verschiedener Entwürfe, ist das Resultat der engen Zusammenarbeit BLS/MOB mit der Gemeinde Zweisimmen und weiteren Interessenvertretern wie Landi, Bergbahnen, Land- und Liegenschaftsbesitzern», so Rüdiger Herr, Projektleiter Infrastruktur BLS. Auch sein Kollege, Andreas Scherrer, Leiter Angebotsentwicklung Personenverkehr BLS, teilt die Meinung: «Eine derartige Anlage wie sie künftig im Bahnhof Zweisimmen betrieben wird, ist einmalig in der Schweiz.
Priorität «Lenkerlinie»
Es bleibt aber nicht nur beim Ausbau des Zweisimmer Bahnhofs. Die MOB setzt ihre Prioritäten in den kommenden Jahren auf die Sanierung der Strecke Zweisimmen-Lenk. Innerhalb von 6–7 Jahren werden die Geleise und die Fahrleitung auf der gesamten 13km langen Strecke etappenweise ersetzt. Der Kostenaufwand hierfür beträgt rund 23 Millionen Franken.
MOB-Jubiläums-GV an der Lenk
Im kommenden Juni wird aus Anlass des 100. Geburtstags der «Lenker-Linie» eine ganz spezielle Jubiläums-MOB-Generalversammlung an der Lenk stattfinden. Gleichsam als Geburtstagsgeschenk wird auf dieses Datum hin die Lenker Schalterhalle umgebaut. Sie wird dann im offiziellen GoldenPass-Design (wie die Anlagen in Zweisimmen, Schönried und Gstaad) daherkommen. Ernst Hodel
P.S. In der kommenden Ausgabe werden wir auf weitere Änderungen im ÖV-Angebot des Simmental eingehen.
23 Millionen Franken kostet der Ersatz der Gleis- und Fahrleitungsanlagen auf der GoldenPass-Linie von Zweisimmen nach Lenk. Im Bild ein Regio-Express zwischen St. Stephan und Matten.