Die frohe Botschaft von der Geburt Christi
Sie wagten es an ein etwas anderes Weihnachtsoratorium: Heiter und motiviert stimmten die Kirchenchöre Lenk und St. Stephan mit Solistenquartett, Streichern, Klavier und Orgel in die Weihnachtsbotschaft Heinrich von Herzogenbergs «Die Geburt Christi» ein.
Johannes Göddemeyer
Aussergewöhnliches wagten die Kirchenchöre Lenk und St. Stephan. Sie führten das etwas andere Oratorium von Heinrich von Herzogenberg «Die Geburt Christi», auf.
Zusammen mit Chorleiter Johannes Göddemeyer wurde ein Werk ausgewählt, das sich an Bachs Weihnachtsoratorium orientiert und in der Klangsprache des 19. Jahrhunderts seine Wurzeln hat.
Unterstützt wurden die Chöre durch Barbara Roggen (Konzertmeisterin) und Kristina Blaser (Violinen), Georgios Balatsinos (Viola), Anita Ferrier (Violoncello), Thierry Roggen (Kontrabass), Bridget Greason Sharp (Oboe), Wojtek Wezranowski am Klavier und an der Kirchenorgel, Ruth Baer. Die Lenker Kirche wurde mit Gesang und Musik erfüllt. Eindrücklich wirkte der gut agierende Chor.
Einfache, schlichte Aussagen
Obschon die teils hohen Tonlagen an Grenzen führten, es in der Verarbeitung volkstümlicher Weihnachtslieder im populären Werk ein mitreissendes, heiteres Musikerlebnis zu bieten.
Nebst der fünfviertelstündigen Konzentration fielen nahtlose Einsätze zwischen den einzelnen Stimmen in Tutti und in kleinem Chor, mit und ohne Begleitung und den Solisten (Monika Maria Philippi, Sopran, Maria Victoria Haas, Alt, Tobias König, Tenor, Eric Förster, Bass) auf. In den Gesangspartien zwischen Solisten und Chor kam die stilistische Eigenständigkeit von Heinrich von Herzogenberg zum Tragen. Ausgeglichen überzeugten die Sopranistin und der Tenor in den Hauptrollen von Maria und des Evangelisten. Göddemeyer gelang es, Sänger/-innen und Instrumentalist/-innen durch Tempowechsel und polyphones Geflecht zu führen. Unaufdringlich wirkte die Instrumentation (Streichorchester, Klavier, Orgel und im dritten Teil die Oboe).
Publikum miteinbezogen
Schlichte Aussagen sorgten für adventlich-weihnächtliche Stimmung. Gewisse Unsicherheiten waren wohl durch die ständig überraschenden Abweichungen und einer Prise Lampenfieber zu erklären. Obschon viel auf die Wortverständlichkeit gesetzt wurde, würde vom Notenblatt befreiteres Singen bestimmt alle Silben bis in die hintersten Bankreihen deutlich (klar) und sicher erklingen lassen. Die Zuhörerschaft wurde in das kurzweilige Geschehen des Werks, welches von Herzogenberg während drei Wochen musikalisch umgesetzt wurde, eingebunden. Die gemeinsam gesungenen Choräle wirkten als Brücke zwischen Aufführenden und Hörenden – ein «Kirchenoratorium», zur integrierenden Beziehung von Raum und Funktion. Herzogenberg entpuppte sich als ein Meister der Variationen. Motiviert, sanges- und musizierfreudig wiedergaben die Aufführenden Advent, Geburt und Anbetung des Christkinds. Das Oratorium stützt sich auf die dreiteilige Textgrundlage von Philipp Spitta, Bibel- und Liedtext. Herzogenberg war ein Romantiker, der durch den Umgang mit Weihnachtsliedern Erfahrungen im kirchenmusikalischen Kleinod sammelte.
Ein Werk von Substanz
Und was bot das Werk substanziell und musiktechnisch? Voller Mannigfaltigkeit wirkten die Choralbearbeitungen. Nach den Weissagungsworten erklang die Melodie des von Brahms für den musikalischen Gebrauch wieder entdeckten Liedes aus dem 16. Jahrhundert «O Heiland, reiss die Himmel auf». Speziell wirkten die schlichten Klänge der von Männerstimmen vorgetragenen Prophetenworte, aber auch die fröhliche Einleitung zur heiligen Nacht in Chor- und Sologesängen zu «Erklinge Lied und werde Schall». Der Gesang der Engel und der Chor der Kinder (vom Chor gesungen) wurden ebenso fein mit Oboe untermalt wie das Benedictus des Evangelisten mit dem stets einsetzenden Halleluja des Chores. Überquellende dankbare Freude verbreitete sich im Schlusschor «Also hat Gott die Welt geliebt». Ein Zuhörer sagte: «Ich habe die Aufführung zwei Mal gehört, ich freue mich, das Oratorium noch einmal zu erleben».
Heidy Mumenthaler
Kirchenchöre Lenk und St. Stephan erfreuten mit etwas anderem Oratorium: «Die Geburt Christi» von Heinrich von Herzogenberg
Kirchenchöre Lenk und St. Stephan und Solistenquartett unter der Leitung von Johannes Göddemeyer.