Nein zur Studenten-Idee Grimmialp-Abbruch
Vermehrt auf den Sommertourismus setzen, das (mechanische) Skiangebot am Wiriehorn konzentrieren, beim Mountainbike-Angebot auf «Best Ager» und Familien setzen, Parkplatzgebühren einführen, mehr und besser zusammenarbeiten und einheitlicher auftreten. Das sind nur einige der Handlungsempfehlungen, die Studierende der Uni Bern aufgrund ihrer Untersuchungen für die Zukunft des Diemtigtals machen. Der provokative Vorschlag, den Betrieb der Grimmialp-Sesselbahn endgültig einzustellen, wird im Diemtigtal ganz und gar nicht goutiert.
Studenten des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Bern haben in fünf Arbeitsgruppen verschiedene Untersuchungen zum Diemtigtal präsentiert. Themen waren eine Angebotsanalyse für die Grimmialp, die Potentiale des Mountainbikesports, Sportmobilität, Netzwerke, aber auch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Sporttourismus im Tal.
Konzentration auf Wiriehorn und Grimmialp
Die Studentinnen und Studenten kamen dabei teilweise zu recht provokativen Schlüssen und entsprechenden Handlungsempfehlungen: Eine Arbeitsgruppe sieht das Heil in der Konzentration auf die zwei Skigebiete Wiriehorn und Grimmialp: «Investitionen für eine erhebliche Umsatzsteigerung wären im Gebiet Springenboden gross und mit einem hohen Risiko verbunden. Allgemein sieht man die Grimmialp und den Springenboden in Zukunft als Zentren und Ausgangspunkte für Schneeschuhwanderungen und Skitouren, als Treffpunkte für Kinder- und Familienevents (Eisbahn, Schlitteln, Langlauf, usw.).
Nein zum Rückbau der Sesselbahn Grimmialp
Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit verbundenen Schneeproblematik empfiehlt eine andere Arbeitsgruppe eine Konzentration des Skisports am Wierihorn und den Abbruch der Grimmialpbahn. Dieser Idee kann Gemeinderatspräsident Martin Wiedmer rein gar nichts abgewinnen: «Die erst sechsjährige Bahn hat eine Betriebsbewilligung bis 2021. Ein Rückbau hätte für die Gemeinde enorme Kosten zur Folge und im hinteren Diemtigtal würden dadurch eine ganze Anzahl vor- und nachgelagerter Arbeitsplätze vernichtet werden. Die Diskussionen um die Aufhebung des Postautokurses würden ebenfalls wieder aufflammen. Ein Drittel der Übernachtungszahlen in der Gemeinde Diemtigen resultiert von den Hotels, den Campings und den Chalets auf der Grimmialp.
Weiterbetrieb scheint möglich
Die Gemeinde steht voll und ganz zu den Bemühungen des Komitees, das einen Weiterbetrieb ermöglichen will». Als Koordinator der geplanten Auffanggesellschaft hat sich Hanspeter Gilgen zur Verfügung gestellt. Dem pensionierten ehemaligen Prodega-CEO, Horboden, liegt das Seite 2
Wohlergehen des ganzen Tales am Herzen. Ihm ist darum der Erhalt der Grimmialp-Sesselbahn ein grosses Anliegen: «Bevor die geplante Auffanggesellschaft aktiv werden kann, müssen die Gläubiger einverstanden sein. Dann müsste die Bahn an der Steigerung zu einem symbolischen Wert übernommen werden können. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass ein Weiterbetrieb – befreit von allem Fremdkapital – möglich sein wird. Für die Betriebsaufnahme und um die Betriebsliquidität bereitzustellen, sind wir aber auf neue Geldgeber angewiesen. Wir hoffen auf freiwillige Beiträge von insgesamt 200 000 Franken aus Kreisen aller an einer Bahnzukunft Interessierten. Damit wäre sichergestellt, dass die neue Gesellschaft auch zwei schneearme Winter überleben könnte». Hanspeter Gilgen spürt den Goodwill von allen Seiten und ist darum überzeugt, dass die SesselbahnGrimmialp eine weitere Chance verdient: «Gerade auch dank dem geplanten Naturpark und der Einbindung in das Angebot «Grimmimutz» bieten sich auch im Sommer gute Erfolgsaussichten».
Der Sommer gewinnt an Bedeutung
Bezüglich der Sommersaison teilen die Uni-Bern-Leute diese Ansicht. Sie orten gerade auch für das hintere Diemtigtal Chancen im Sommertourismus. «Die Wiedergeburt des Wanderns als trendige Sportart bietet der Grimmialp eine gute Möglichkeit, sich als Wanderdestination zu festigen. Wichtig ist aber eine Abstimmung der einzelnen Angebote zu einer stimmigen Gesamtleistung, sowie die klare Positionierung und ein einheitlicher Marktauftritt nach aussen.
Mountainbiken: Auf «Best Ager» setzen
«Aufgrund der demografischen Veränderungen wird das Durchschnittsalter der Mountain-Biker immer höher. Das Feld der über 50-Jährigen, die sportlich aktiv sind, wird immer grösser. Das hat zur Folge, dass in Zukunft weniger in Downhill-Strecken als vielmehr ins Touren- und Cross-Country-Netz investiert werden sollte», schliessen die Studierenden aus ihren Untersuchungen. Das entsprechende Routenangebot müsste – mittels Mountainbike spezifischen Dienstleistungen (Karten, Restaurants, Vermietungs- und Reparaturstellen) unterstützt und verstärkt vermarktet werden.
Verkehrslenkung ist schwierig
«Die Bereitschaft zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr ist innerhalb der Talschaft nicht vorhanden». Das ist eine weitere Schlussfolgerung der im Rahmen der Studien gemachten (nicht repräsentativen) Umfrage. Mehr Chancen werden einer direkten Busverbindung von Bern ins Diemtigtal eingeräumt. Als prüfenswert wird die Einführung einer Parkplatzabgabe erachtet.
Schwächen: Zusammenarbeit und Vernetzung
Als fundamentale Schwäche orten die angehenden SportwissenschaftlerInnen der Uni Bern die ungenügende Vernetzung und die fehlende Kooperation unter verschiedenen Angebotsträgern wie zu Beispiel unter den Bergbahnen. «Zusammenarbeit ja, Zusammenschluss nein», ist hier die Meinung von Grimmialp-Koordinator Hans-Peter Gilgen.
Den Akteuren im Tal (Einwohnern, Familienbetriebe, Diemtigtal Tourismus, Diemtigtal Naturpark) wird schlussendlich die Erstellung eines Leitbildes empfohlen, nach dem vermehrt qualitäts- und marktorientiert gearbeitet werden soll. Die Zusammenfassungen der Studienarbeiten können auf www.simmentalzeitung.ch/Simmental/Diemtigen/Studenten-Vorschlaege-Diemtigtal-35916.html eingesehen werden.
Die Zusammenfassungen der Studienarbeiten finden Sie auf www.simmentalzeitung.ch. Ernst Hodel
Es gilt, die Vorteile des geplanten Naturparks auszunützen. Im Diemtigtal ist man nicht einverstanden mit den Abbruchvorschlägen von Studierenden der Uni Bern.
Gemeinderatspräsident Martin Wiedmer unterstützt die Bemühungen für einen Weiterbetrieb der Grimmialp-Sesselbahn.