StudentInnen der Uni Bern machen Vorschläge zur Zukunft des Diemtigtals
In fünf Arbeitsgruppen haben Studierende des Insttituts für Sportwissenschaft der Uni Bern Vorschläge zur Zukunft des Diemtigtals erarbeitet. Die Arbeiten wurden anlässlich einer Arbeitstagung im Bergrestaurant Nuegg vorgestellt. Wir publizieren nachstehend die Zusammenfassungen der Arbeiten.
S.Gallion, S.Matitschka, G.Singh:
Netzwerke im Diemtigtal – Executive Summary
In der folgenden Arbeit werden nach eingehenden Analysen Handlungsempfehlungen formuliert, die eine effektive und effiziente Nutzung der Potentiale der Bergbahnunternehmen und ihrer Umwelt beinhalten. Mit Hilfe der SWOT-Analyse werden die Bergbahnunternehmen und ihre Umweltbedingungen untersucht. Eine Konkurrenzanalyse soll die Positionierung des Diemtigtals im Vergleich zu anderen Tourismusregionen darstellen.
Das Diemtigtal verfügt über ein attraktives Landschaftspotential und kann aufgrund des breiten Aktivitätsangebotes im Sommer wie auch im Winter Leistungen für Touristen anbieten. Die Bergbahnen befinden sich in einem technologisch guten Stand und sind an ein gut ausgebautes Verkehrsnetz mit gebührenfreien Parkplätzen angeschlossen. Eine fundamentale Schwäche der Diemtigtalregion ist die ungenügende Vernetzung der öffentlichen Verkehrsanbindungen zwischen den drei Bergbahnen. Hier läge ein grosses Potential für ein Kombi-Ticket, welche die Nutzung aller drei Bergbahnen erlauben würde. Ein weiterer Schwachpunkt ist die fehlende Kooperation zwischen den Bergbahnen. Ein Netzwerk bietet eine Vielzahl von Synergieeffekten in den Bereichen Markt, Kunden, Kosten, Technologie und Know-how. Eine gesamtheitliche Betrachtung des Angebotes Bergbahn würde zu Effizienz- und Effektivitätsvorteilen im Marketing führen. Des Weiteren gilt es die Zersiedelung in Schach zu halten, damit der Landschaftswert erhalten werden kann.
Als Grundlage der Vernetzung dient in erster Linie ein gemeinsames Marketingkonzept, um die marktstrategische Ausrichtung des Diemtigtals mit seinen Bergbahnen zu bestimmen und festzuhalten. Anhand des Marketingkonzeptes lassen sich die Ziele und Marketing-Leitsätze formulieren. Die Leitsätze sollen allen Beteiligten zugänglich und verständlich gemacht werden, um sich mit der Marketing-Philosophie des Tals vertraut zu machen und ein marktorientiertes Denken zu fördern.
Die Akteure des Tals, wie z.B. Einwohner, Familienbetriebe, «Diemtigtal Tourismus» und «Diemtigtal Naturpark» müssen das Leitbild vorleben. Jeder ist dabei im Sinne des Total Quality Managements für die Sicherung der Qualitätserbringung verantwortlich, indem er nach den Werten und Grundsätzen des Naturparks handelt und diese vermittelt. Diese Leitsätze können wie folgt beschrieben werden.
Die Servicequalität unserer Mitarbeiter trägt zum Wohlbefinden der Gäste bei und vermittelt ein heimatlich, traditionelles Lebensgefühl Kundenwünsche und Bedürfnisse werden respektiert und ernst genommen.
Der Erlebniswert wird ständig weiterentwickelt und gefördert
Dabei sollen sich die Angebotsgestaltung und der Service grundlegend auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen. Mit dem Ziel, die Rentabilität der Bergbahnen zu steigern, sollen Massnahmen der Destinationsbildung und des Marketings durchgeführt werden.
Das Diemtigtal sollte sich, den Wertvorstellungen ihrer Region entsprechend, auf dem Markt positionieren. Diese sind durch Tradition, Kultur und dem natürlichen Charakter des Tales gekennzeichnet. Daher sollten sie vorsichtig mit vordergründigen Trends und Moden umgehen. Die Hauptmärkte werden durch den Grossraum Bern, die Deutschschweiz und Süddeutschland abgedeckt.
Aufgrund der Struktur des Tales sind zwei Strategien denkbar, die das Ziel einer stärkeren Verknüpfung der verschiedenen Destinationspartner verfolgen.
Zum einen zeigt die Entwicklung der Bergbahn Springenboden, dass sie in der Zukunft mit erheblichen (finanziellen) Problemen konfrontiert werden wird. Investitionen für eine erhebliche Umsatzsteigerung sind mit dem hohen Risiko verbunden, dass die Bergbahn aufgrund der geringen Höhenlage und den geringeren Erlebnismöglichkeiten, entgegen der Interventionen, nicht langfristig gehalten werden kann. Die Erwägung besteht darin, die Bergbahn Springenboden zu schliessen und den Fokus wieder auf die Bergbahn Grimmialp zu legen. Dadurch kann der Schwerpunkt auf die Stärken der beiden übrigen Bergbahnen gelegt und deren Potenzial und Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden.
Zum anderen liesse sich die Strategie verfolgen, dass alle Bergbahnen gehalten werden und eine stärkere Konzentration auf die Vorteile der einzelnen Berge bzw. Bergbahnunternehmen (Schneesportberg, Wanderberg, Action- bzw. Fun-Berg) gelegt wird. Auch hier ist das Eingehen von Netzwerken unerlässlich. Durch den Zusammenschluss können mehr Erträge erwirtschaftet werden und dadurch höhere Investitionen in die Unternehmen getätigt werden.
Maria Bachmann, Mirjam Mennel, Sara Hofmann
Sporttouristische Angebote auf der Grimmialp – Executive Summary
Seminar: Sporttourismus FS11, Juni 2011
Im August dieses Jahres wird der Regionale Naturpark Diemtigtal eröffnet (Diemtigtal
Tourismus, n.d., n) Ziel Regionaler Naturparks ist es, unter grösstmöglicher Rücksichtnahme auf sensible Naturräume und Landschaften die nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern (Siegrist, 2009, S. 28). Ein regionaler Naturpark bietet v.a. dem regionalen Tourismus die Möglichkeit mit attraktiven Angeboten neue Gästesegmente zu erreichen. Als Hauptzielgruppen für den Parktourismus werden in der Literatur vorwiegend drei Gästesegmente genannt. Jenes der Familien mit Kindern, jenes der Jungsenioren, auch Best Ager genannt, und jenes der kinderlosen Paare und Singles. Gemeinsames Merkmal dieser unterschiedlichen Gästetypen ist ihre Vorliebe für die Natur und ihre Affinität für Sport und Bewegung. Das sporttouristische Angebot spielt im Parktourismus daher eine wichtige Rolle für die erfolgreiche Vermarktung der Destination. Mit der Absicht Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Angebotspalette geben zu können, wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine Analyse der sporttouristischen Angebote auf der Grimmialp durchgeführt. Hierfür wird auf der Grundlage von Literatur- und Internetrecherchen sowie eines Experteninterviews eine allgemeine Umwelt-, Wettbewerbsumwelt-, Angebots-, Ressourcen- und Konkurrenzanalyse vorgenommen. Die so erkannten bestehenden Stärken und Schwächen sowie mögliche Chancen und Gefahren, bezüglich Sport- und Bewegungsangebot der Grimmialp in Zusammenhang mit der Parkeröffnung, dienen schliesslich als Anhaltspunkte für die folgenden Handlungsempfehlungen.
Aufgrund der Klimaerwärmung und der damit verbundenen zunehmenden Schneeunsicherheit empfiehlt sich eine Konzentration auf den Sommer- statt auf den
Wintertourismus. Die aktuelle Wiedergeburt des Wanderns als trendige Sportart bietet eine gute Chance das Diemtigtal als attraktive Wanderdestination zu stärken.
Wichtig dabei ist eine klare Positionierung im naturnahen Tourismus. Eine konsequente Abgrenzung dient dem naturnahen Touristen als Orientierung und bietet der Grimmialp die Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben.
Damit die Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt von den Kunden erkannt werden, ist ein einheitlicher Auftritt nach aussen unerlässlich. Aber nicht nur bei der Vermarktung, sondern ebenso bei den Angeboten selbst ist eine Abstimmung der einzelnen Produkte zu einer stimmigen Gesamtdienstleistung von grosser Bedeutung.
Abschliessend kann gesagt werden, dass die Grimmialp über ein sehr vielseitiges und in dem Sinne auch ausreichendes Sport- und Bewegungsangebot verfügt. Um jedoch die Angebote für die einzelnen Gästesegmente noch attraktiver zu gestalten, ist eine zielgruppenspezifische Konzeption und Vermarktung zentral. Ebenfalls wichtig ist, dass sich die Angebote mit der Idee des naturnahen Tourismus vereinen lassen.
Klimazustand und Prognosen – Executive Summary
Universität Bern / Institut für Bewegungs- und Sportwissenschaft
Betreuer: Dr. Christian Moesch
Wie der vierte IPCC-Sachstandsbericht der UNO eindeutig beweist, befindet sich das irdische Klima im Wandel und der Mensch ist massgeblich dafür verantwortlich. Seit 1900 ist die globale Mitteltemperatur um 0,74 °C angestiegen. Die Schweiz ist aufgrund der kontinentalen Lage sowie den komplexen topographischen Verhältnissen mit einem Anstieg von 1,5 °C doppelt so stark betroffen. Infolge dessen projizieren neuste Klimamodelle für die Nordschweiz einen Temperaturanstieg von 1 °C im Winter und 1,4 °C im Sommer bis ins Jahr 2030, respektive von 1,8 °C und 2,7 °C bis ins Jahr 2050. Parallel zur Lufttemperatur ändern auch die Niederschlagsverhältnisse. Das Diemtigtal muss daher mit zunehmenden Winter- (2030: +4%; 2050: +8%) und abnehmenden Sommerniederschlägen (2030: -9%; 2050: -17%) rechnen. Weiter wird im Allgemeinen von einer Zunahme der Wetterextreme wie Hitzesommer oder aber auch Starkniederschlagsereignissen (zunehmend auch im Winter) ausgegangen. Im Diemtigtal erhöht sich dadurch die Wahrscheinlichkeit von Hochwassern, Hangrutschungen, Murgängen und Steinschlagereignissen. Ebenfalls steigt mit der winterlichen Temperaturerhöhung die natürliche Schneegrenze an. Eigene Berechnungen zur Schneesicherheit der Diemtigtaler Skigebiete anhand von Daten aus umliegenden Wetterstationen ergeben eine deutliche Abnahme der Anzahl Schneetage bis ins Jahr 2050, besonders im Bereich der Talstationen.
Zu erwartende Anzahl Schneetage:
Springenboden, Aktuell: Talstation 63, Mittlere Höhe 71, Bergstation 78; 2030: T. 49, M. 57, B. 64; 2050: T. 38, M. 46, B. 53.
Wiriehorn, Aktuell: Talstation 32, Mittlere Höhe 71, Bergstation 111; 2030: T. 18, M. 57, B. 97; 2050: T. 7, M. 46, B. 86.
Grimmialp, Aktuell: Talstation 55, Mittlere Höhe 87, Bergstation 108; 2030: T. 41, M. 73, B. 94; 2050: T. 30, M. 62, B. 83.
Chancen und Gefahren für den Sporttourismus
Durch den Klimawandel können verschiedene Gefahren für die Sommerangebote im Diem-tigtal entstehen. Durch die zunehmenden Naturereignisse werden vor allem Wander-, Bike- und Fahrradwege negativ betroffen sein, was die Nachfrage nach diesen Outdooraktivitäten senken und so Einbussen für die Destination Diemtigtal mit sich bringen könnte. Durch die Wetterextreme könnte eine Veränderung hin zum Spontantourismus und weg vom geplanten Urlaubstourismus entstehen.
Auch für Winterangebote bestehen verschiedene Gefahren, welche nicht zu unterschätzen sind. Durch den Anstieg der Schneegrenze in höhere Lagen und die Niederschlagszunahme in Form von Regen in tieferen Regionen, wird die Schneeknappheit in den Gebieten unter 2000 mü.M. stark zu spüren sein. In höher gelegenen Regionen muss jedoch zusätzlich mit einem erhöhten Lawinenrisiko gerechnet werden. Des Weiteren wird sich die Wintersaison stark verkürzen, da der erste Schneefall kalendarisch nach hinten verschoben wird. Sinkende Einnahmen für das Diemtigtal und abnehmende Buchungen könnten die logischen Folgen sein.
Der Klimawandel kann aber durchaus auch Chancen für das Diemtigtal mit sich bringen. Durch die zunehmende Temperatur, wird die Sommersaison verlängert und die Nachfrage nach der alpinen «Sommerfrische» kann sich besonders in den warmen Sommermonaten erhöhen. Ein Anstieg des Ausflugstourismus sowie des Inland- und Bergtourismus wäre somit zu erwarten. Für den Wintertourismus besteht die Chance in einer Zentralisierung um das Wiriehorn und das gezielte Vermarkten des Schneeschuhwanderns in höheren Regionen (z.B. Grimmialp). Aufbauend auf diesen Auswirkungen und den oben erwähnten Berechnungen zur Klimaänderung wurden konkrete Winter- und Sommerszenarien für den Sporttourismus im Diemtigtal für die Jahre 2030 und 2050 entwickelt.
Szenario 2030
Basierend auf den vorliegenden Daten ist für den Winter 2030 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von 1 °C zu erwarten. Dies würde eine Durchschnittstemperatur in den Wintermonaten (Dezember - Februar) von 2,08 °C bedeuten (auf 1000 mü.M.). Dadurch steigt die für den Skitourismus relevante Schneesicherheitsgrenze auf rund 1300 bis 1350 mü.M. und die natürliche Schneegrenze auf 1100 bis 1150 mü.M.. Diese Veränderungen beeinflussen erheblich den Skibetrieb der Region. In den tieferen Lagen (z.B. Talstation Riedli) werden vermehrt Kosten für die Beschneiung und die zusätzlich benötigte Infrastruktur anfallen. Die kürzeren Winter sind gleichbedeutend mit längeren Sommersaisons. Der Wander-, Bike- und Trekkingtourismus wird angekurbelt und es wird vermehrt Wertschöpfung mittels Sommertourismus generiert. Die prognostizierte Temperaturerhöhung von 1,4 °C in den Sommermonaten wird den Bergtourismus mit seinem angenehmen Klima zusätzlich fördern.
Szenario 2050
Für das Jahr 2050 wird ein noch stärkerer Klimawandel prognostiziert. Mit einer Temperatur-erwärmung von rund 1,8 °C, liegt die durchschnittliche Wintertemperatur bei geschätzten 2,88 °C (1000 mü.M.). Erneut ansteigen werden die Schneesicherheitsgrenze (1380 –1470 mü.M.) und die Schneegrenze (1180 –1270 m ü. M.). Durch diese Veränderungen ver-schärft sich die Situation für den Wintertourismus insofern, als dass noch mehr technisch beschneit werden müsste, was bei den hohen Durchschnittstemperaturen wahrscheinlich nur eingeschränkt möglich sein wird. Kombiniert mit den hohen Kosten, ist ein möglicher Betriebsstop einzelner Skigebiete nicht auszuschliessen. Ähnliches gilt für die Langlaufloipen und Schlittelwege, welche aufgrund der zu tiefen Lage ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Die kürzer ausfallende Wintersaison ermöglicht dafür Chancen im Sommertourismus. Mittels passenden Angeboten kann das Potenzial des Diemtigtals im Sommer über längere Zeit ausgeschöpft und so die steigenden Ausgaben des Winters teilweise abgedeckt werden. Aufgrund der beiden Szenarien wurden hinsichtlich Angebot und Sicherheit/Unterhalt konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet (Tabelle b). Ergänzend zu diesen Handlungsempfehlungen sind Verminderungsstrategien zur Verlangsamung des Klimawandels ebenfalls von grosser Bedeutung. Um die CO2 – Emission zukünftig zu senken, sollten Energiesparmassnahmen getroffen, Alternativenergien genutzt, der öffentliche Verkehr ausgebaut und Gedanken über das Ausmass der künstlichen Beschneiung gemacht werden.
Auszug aus den Handlungsempfehlungen fürs Diemtigtal
Angebot Winter
Zentralisierung alpiner Skisport am Wiriehorn, Funfactor steigern
Grimmialp und Springenboden vermehrt auf Schneeschuh- und Skitouren setzen
Erhalt der natürlichen Eisbahn und evtl. Ausbau
Ein Schlittelweg mit dem «besonderen Etwas»
Langlauf wenn möglich beibehalten in höheren Lagen
Sicherheit/Unterhalt Winter
Vermehrt Lawinenschutzwälle: erstellen, kontrollieren, restaurieren
Steinschlagnetze an exponierten Stellen (Frostsprengung)
Angebot Sommer
Generell: Wander-, Bike- und Trekkingnetz ausbauen
Bike- und Actiongebiet Wiriehorn
Wander- und Entdeckerpfade Springenboden
Naturpark Grimmialp fördern
Sicherheit/Unterhalt Sommer
Geschlossene Aussen-Cheminées
Vermehrt Sicherungen gegen Murgänge, Steinschläge und Hanginstabilität
Sensibilisierung der Gleitschirmflieger auf neue Thermik
Sensibilisierung der Anwohner und Touristen bezüglich vektorübertragenen Krankheiten
T. Hofmänner, F. Lier & M. Zurfluh:
Sportmobilität im Diemtigtal
Seminararbeit am ISPW, Universität Bern FS 2011
In dieser Seminararbeit soll geklärt werden, welche (sport-)verkehrstechnischen Weiterentwicklungsmöglichkeiten
für das Diemtigtal sinnvoll wären. Aus der Perspektive einer ökologischen Nachhaltigkeit werden ausserdem Lenkungsmassnahmen diskutiert, welche den (sportbedingten) individualisierten Motorverkehr auf den öffentlichen Verkehr umverteilen könnten.
In einem ersten einleitenden Teil werden die Grundlagen zur Bearbeitung des Themas erarbeitet. Dabei wird der Begriff «Nachhaltigkeit» genauer erläutert und insbesondere auf die ökologische Nachhaltigkeit eingegangen. Im Theorieteil erfolgt einerseits die Abgrenzung und Klärung der wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Sportmobilität, anderseits erfolgt eine verkehrstechnische Analyse des Diemtigtals. Des weiteren wird mit einer Studie, welche das Anreiseverhalten von Touristen in Adelboden und Lenk untersuchte, eine andere Region betrachtet, und diese mit dem Diemtigtal verglichen.
Der empirische Teil der Seminararbeit beinhaltet eine Fragebogenerhebung über das Anreiseverhalten von Sporttouristen. Die Erhebung wurde am Pfingstmontag bei Nieselregen und mässig sommerlichen Temperaturen auf dem Wiriehornparkplatz durchgeführt. Insgesamt konnten 42 Fragebögen ausgewertet werden. Die Stichprobe setzte sich aus 32 männlichen und 10 weiblichen Sporttouristen zusammen, wobei knapp die Hälfte der Personen jünger als 33 Jahre alt war. Die Hauptmotive für den Aufenthalt im Diemtigtal waren Biken/Downhill (n=25), Wandern (n=15) und Klettern (n=2). Bei der Frage nach den Gründen für die Wahl des Autos zur Anfahrt wurden vor allem die Motive «bequemer» (25), «schneller» (24), «unabhängiger»
(22) sowie «Gepäck» (19) angegeben. Damit sich die Befragten für die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr entscheiden würden, müsste dieser unter anderem billiger sein (10) und bessere Verbindungen bieten (9). Auf die konkrete Frage, ob ein preisgünstiger, direkter Bus von Bern zum Wiriehornparkplatz allenfalls eine Alternative zur Anreise mit dem Auto wäre, beantworteten 13 mit ja, 11 mit vielleicht und 18 mit nein. Da der Parkplatz Wiriehorn gratis ist, wurde ausserdem nach der Bereitschaft gefragt, für diese Dienstleistung etwas zu bezahlen. Von den 42 Befragten wäre nur für 8 Personen ein kostenpflichtiger Parkplatz ein Grund woanders hinzufahren. 20 Personen wären bereit einen Betrag von 5 CHF bis 8 CHF zu bezahlen.
In der Diskussion am Schluss der Seminararbeit werden die Ergebnisse aus der Befragung einhergehend betrachtet und versucht, daraus konkrete Massnahmen zur Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf den öffentlichen Verkehr vorzuschlagen. Trotz der geringen Repräsentativität der kleinen Erhebung, glauben die Autoren doch einige Handlungsempfehlungen abgeben zu können: So kann zwar mit einer Einführung einer Parkplatzgebühr die Verlagerung des Verkehrs nicht direkt gesteuert werden, doch würden somit finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um solche Lenkungsmassnahmen mindestens mitfinanzieren zu können. Ausserdem konnte festgestellt werden, dass eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs die Autofahrer kaum auf einen Umstieg auf Bus oder Bahn bewegen könnte. Die derzeitigen gesellschaftlichen Einstellungen bezüglich einer ökologisch nachhaltigen Verkehrsmittelbenützung scheinen noch nicht breit sensibilisiert zu sein. Eine Bereitschaft, trotz verbessertem Angebot auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, ist, abgestützt
auf die Ergebnisse der Befragung, nicht vorhanden. Ob eine Verbesserung der Verbindungen des öffentlichen Verkehrs im Diemtigtal eine Verkehrsumverteilung zur Folge hätte, darf deshalb angezweifelt werden. Eine direkte Reisebusverbindung von Bern ins Diemtigtal wäre eine sehr direkte Massnahme, den motorisierten Individualverkehr im Diemtigtal einzudämmen.
Anhand der Ergebnisse aus dem Fragebogen gab mehr als die Hälfte der Befragten an, ein solches Angebot sicher oder vielleicht nutzen zu wollen. Eine derartige Massnahme für die Verkehrslenkung ist jedoch mit grossen Kosten verbunden und beinhaltet für einen allfälligen Anbieter ein hohes Risiko. So kann ein solches Angebot nur bei guter Auslastung rentabel sein und langfristig bestehen.
Des weiteren werden in der Diskussion, in Anbetracht einer ökologischen nachhaltigen Verkehrsentwicklung, die Verkehrs-Lenkungsmassnahmen in anderen Tourismusdestinationen betrachtet: im Unterengadin wurde beispielsweise den Touristen angeboten, bei der Buchung eines Aufenthaltes in ausgewählten Hotels und Ferienwohnungen die Kosten für Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu übernehmen. In Saas-Fee wurde die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr mit einem Tür-zu-Tür-Gepäckservice ergänzt. Im österreichischen Werfenweg können Touristen, welche ohne Auto anreisen, zusätzliche und teils exklusive Angebote des Ferienorts kostenlos oder vergünstigt nutzen. Eben genannte Massnahmen sind auch für das Diemtigtal denkbar und bedürfen einer gründlicheren Überprüfung.
Executive Summary
Das Diemtigtal bietet mit seiner interessanten Topographie und dem reizvollen Landschaftsbild ideale naturräumliche Voraussetzungen für den Mountainbike-Sport. Aktuell bestehen aber ausser der Downhillstrecke am Wiriehorn keine offiziellen Mountainbike-Angebote im Diemtigtal. Jedoch sind Projekte in Planung, so ist eine Familienstrecke am Wiriehorn vorgesehen und drei offizielle Mountainbike-Regionen sollen entstehen. Diese Angebotserweiterungen sind für den Mountainbike-Tourismus im Diemtigtal von essentieller Bedeutung, empirische Studien zeigen nämlich (vgl. u.a. Heinz, 2007), dass durch den demographischen Wandel die MountainbikerInnen in Zukunft älter sein werden. Dies hat zur Folge, dass es weniger Downhill/Freeride-Fahrer geben wird, dafür aber mehr Touren- und Cross-Country-Fahrer. Aufgrund dieser Erkenntnis muss die Zielgruppenorientierung im Diemtigtal geändert werden, dabei sollte insbesondere die Sparte der wachsenden Touren- und Cross-Country-Fahrer angesprochen werden. Das bestehende Streckenangebot für Downhill/Freeride-Fahrer hingegen muss nicht durch aufwändige Einrichtungen erweitert werden. Da aber am Wiriehorn durchaus Potenzial vorhanden ist mit der Infrastruktur und den Locals, welche die Downhillstrecke hüten und pflegen, sollte das Gravity-Segment ausschliesslich und kompakt am Wiriehorn angeboten werden. Gänzlich neue Downhill-Strecken zu bauen, scheint zurzeit unter den restriktiven Gegebenheiten wenig Sinn zu machen. Stattdessen sollten beim bestehenden Downhilltrack zusätzliche Gabelungen mit alternativen Streckenabschnitten und diversen Schwierigkeitsgraden gebaut werden, damit die Natur nur in einem gewissen Raum berührt wird, die Community zusammen bleibt und die gesamte Infrastruktur zentral genutzt werden kann. Zusätzlich sollte man versuchen, den 500 m North-Shore-Trail durch Verhandlungen mit der Pro Natura wieder in Betrieb zu nehmen. Das Gravity-Segment könnte schliesslich mit einem kleinen Pumptrack an der Talstation des Wiriehorns abgerundet werden. Dieser ist auf kleinem Raum konstruierbar und für verschiedene Mountainbike-Typen und Könnerstufen geeignet, insbesondere auch für Kinder.
Die Idee einer Familienstrecke am Wiriehorn ist seit längerem in Arbeit und absolut zentral. Denn durch die Errichtung dieser Familienstrecke kann einerseits das Spektrum der Nachfrager erweitert werden und andererseits ist dies gute Werbung für das Diemtigtal als familienfreundliche Region. Es ist zusätzlich anzunehmen, dass Familien bessere Konsumenten sind als Gravity-Biker. Daher würden auch die Gastronomie und die bikespezifischen Shops sicherlich von einer Familienstrecke profitieren.
Betreffend der drei neuen Mountainbike-Regionen, die geplant sind, sollten die neuen Routen möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Dabei bevorzugen die Mountainbiker unterschiedliche Hindernisse, abwechselnde Bodenstrukturen und verschiedene Wegbreiten. Weiter befahren sie am liebsten Forststrassen und Singletrails. Die Mountainbike-Strecken werden zurzeit in Zusammenarbeit mit Schweiz Mobil offiziell signalisiert. Hierbei wäre zu beachten, dass die angebotenen Strecken nach Disziplin und Schwierigkeitsgrad unterteilt bzw. signalisiert werden. Weiter könnten an Schlüsselstellen grosse Informationstafeln aufgestellt werden. Bei der Anfertigung der vorgesehenen Mountainbike-Karten oder -Führer für die Destination Diemtigtal sollte ein grosser Massstab verwendet werden, damit die nähere Region detailliert dargestellt werden kann. Die eingezeichneten Strecken sollten in der Karte durch die Mountainbike-Disziplin und den Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet sein. Weitere Kennzeichnungen auf der Karte wie Restaurants, mountainbikespezifische Dienstleistungen (Reparatur- und Vermietstellen), Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte wären wünschenswert. Das Kartenmaterial sollte reiss- und wasserfest sein. Eine einfache Version der Karte sollte den Mountainbikern als Grundinformation und als Werbezweck kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Weiter sollte die Karte bzw. ausgeschriebene Touren in Form von GPS-Daten via Internet abrufbar sein, in erster Linie auf der eigenen Homepage: www.diemtigtal.ch, damit Interessenten der Karte auf der Homepage zusätzlich auf andere Angebote des Diemtigtals aufmerksam gemacht werden. Aus der Analyse von Fallbeispielen hat sich ergeben, dass eine Sporttourismus-Destination gute Werbung und Referenzen braucht, um das Image entscheidend stärken zu können. Das Fallbeispiel Moab zeigt gut auf, welche Auswirkungen ein positiver Report in einem renommierten sportspezifischen Magazin haben kann. Deshalb sollte dafür gesorgt werden, dass gerade im Hinblick auf die kommende Schweizermeisterschaft im Downhill am Wiriehorn die Resonanzen in Mountain-bike-Magazinen über das Diemtigtal als Mountainbike-Destination verstärkt werden. Diese Artikel könnten die Wertschätzung des Diemtigtals in der Mountainbike-Szene entscheidend verbessern. Zusätzlich wäre es empfehlenswert, wenn ein populärer Mountainbiker als Imageträger für das Diemtigtal als Mountainbike-Destination werben würde.
Zentraler Punkt bei der Umsetzung der geplanten Mountainbike-Strecke und für zukünftige Events ist die Kommunikation, die in vielerlei Hinsicht verbessert werden muss. Erstens die Kommunikation nach aussen, welche mit dem Marketing getätigt wird. Weiter sollte die Kommunikation zu den Nachfragern verbessert werden. Dies ist mit der Kartierung und Ausschilderung der Mountainbike-Wege aber bereits schon im Gang. Ein weiterer wesentlicher Punkt der Kommunikation ist jener mit Pro Natura. Im Wiriehorn wurde ein interessanter Ab-schnitt der Downhillstrecke geschlossen, weil Konflikte mit Naturschutztorganisationen aufgrund seltener Tierarten auftraten. Hier muss zusammen nach einer Lösung gesucht werden. Schliesslich ist auch die Kommunikation mit den Landeigentümern wichtig. Diese sollten schonend auf neue Pläne und Ziele aufmerksam gemacht werden. Das Gespräch muss gesucht werden und im Notfall sind entgeltliche Entschädigungen zu leisten. Wie im Fallbeispiel von Linhares da Beira klar wird, ist es enorm wichtig, dass die Kommunikation zwischen Einheimischen und Tourismusplanern aufrecht erhalten wird und alle am selben Strang ziehen. Nur so kann eine Tourismus-Destination florieren und sich weiter entwickeln.