Talmuseum Agensteinhaus Erlenbach

Vernissage der Ausstellung «Die Simmentaler Wasserkräfte und ihre Nutzung»

Hans Hofer (links im Bild), Ernst Müller und Beat Glesti haben die Ausstellung über die Nutzung der Wasserkräfte im Simmental zusammengestellt. Rechts im Bild ein Messgerät aus den 60er Jahren.

Hans Hofer (links im Bild), Ernst Müller und Beat Glesti haben die Ausstellung über die Nutzung der Wasserkräfte im Simmental zusammengestellt. Rechts im Bild ein Messgerät aus den 60er Jahren.

Heute, wo es selbstverständlich ist, dass in jedem Haus, in jeder Scheune, ja, in jedem Gebäude Strom zur Verfügung steht, in jedem Keller, jedem Gänterli und jedem andern Raum helles Licht die Nacht erleuchtet – wer macht sich da Gedanken darüber, wie all der Luxus, welchen wir dank Stromerzeugung geniessen, entstanden sein könnte?

Es war ein steiniger, gefährlicher, konfliktreicher Weg, den die Initianten gegangen sind. Ernst Müller, Hans Hofer und Beat Glesti haben die aufschlussreiche Ausstellung zusammengestellt.

Der steinige Weg

Vor gut 100 Jahren entwickelte ein gewisser Geometer Wilhelm Flury, welcher sich als Ingenieur ausgab, Pläne, die beiden Stockenseen so zu stauen, dass sie zusammen mit der Chirel ein Wasserkraftwerk speisen könnten, um nebst dem Simmental auch Gebiete auf der anderen Seite der Stockhornkette mit Strom zu versorgen. Um planen und ausmessen zu können, liess sich Flury im Sommer mit dem Esel über die steinigen Wege zu den Stockenseen basten und im Winter stieg er selber mit Schneeschuhen auf… Es war damals nicht anders als heute: Nicht jedermann hatte Freude an dieser Idee! Denn andere Unternehmen hatten auch Ideen, aber nicht genau die gleichen…

Die gefährlichen Wege

Als trotz allen Widerwärtigkeiten an den Stockenseen gebaut wurde, waren Transportbahnen im Einsatz, welche ursprünglich für Material gebaut worden waren. Die Menschen jedoch verloren alle Hemmungen und bestiegen begreiflicherweise bald einmal selber diese Einrichtungen, um Zeit und Kräfte zu sparen. Wir können heute nur staunen, dass es keine namhaften Unfälle gegeben hat.

Viele Fotos an der Ausstellung zeigen diese halsbrecherischen Fahrten! Betagte Ausstellungsbesucher erinnern sich sogar daran, selber als Kinder da drin gesessen zu haben, so z.B. die Tochter eines Bauunternehmers, welche als junges Mädchen den Auftrag hatte, den Arbeitern die Zahltags-Täschli zu bringen!

Die konfliktreichen Wege

Kämpfe um Wasserrechte für Mühlen und Sägen hat es schon immer gegeben. Die Erfindung der Turbine anfangs des 19. Jahrhunderts änderte viel. Die Wasserrechte gingen über auf Turbinenrechte.

Jedenfalls wurde 1909 erstmals Strom in Erlenbach erzeugt. Schon 1907 war das Wasser der Simme vom Portloch in den künstlichen See in Spiezmoos geleitet worden.

Bis zur Fertigstellung des Kraftwerks Klusi am Stockhorn dauerte es noch einige Zeit, denn es herrschte ein Jahrzehnte langer Streit zwischen der Elektrizitätsgenossenschaft Stockensee-Simme, der Regierung und der BKW. Mitte der Vierzigerjahre wurde ein Teil von Flurys Projekt fertig gestellt, verbunden mit vielen politischen Auseinandersetzungen. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre wurden Chirel, Fildrich und der Aegelsee einbezogen und anfangs der 60er Jahre entstand die Fassung in der Simmefluh. Bis heute bestehen die Simmentaler Kraftwerke als Gesellschaft, die Anlagen werden von der BKW betrieben.

Die Ausstellung

Bis heute werden die Gewässer des Simmentals nutzbringend gebraucht.

Wer sich für die Geschichte unserer Wasserkraft interessiert, hat den ganzen Sommer über Gelegenheit, jeden Mittwoch und Samstag die fundierten Zusammenstellungen im Agensteinhaus zu betrachten.

Die technischen Daten, Zeitungsartikel und andere wichtige Dokumente ordnete Ernst Müller aus Därstetten, sie stehen in einer Leseecke jedermann zur Verfügung.

Messgeräte aus den 60er-Jahren illustrieren die Geschichte. Es sind wahre Monster im Vergleich zu den digitalen Einrichtungen von heute.

Anhand der zahlreichen Fotos bietet sich manchen Grosseltern die Gelegenheit, den Kindern und Enkeln zu zeigen, unter welchen Umständen sie damals als junge Menschen gearbeitet haben. Am 3. Juni hält Arnold zum Wald einen Vortrag zur Wassernutzung.

Am 5. Oktober wird im Sek-Schulhaus ein Film gezeigt zu den Bauarbeiten an den Stockenseen.

HV der «Freunde des Agensteinhauses»

Präsident Hans Hofer konnte an der Hauptversammlung die Geschäfte speditiv abwickeln. Es war ein Jahr, welches sich im gewohnten Rahmen abgespielt hat.

Besondere Dankesworte wurden an folgende Personen gerichtet: Frau Stoller, welche auch im hohen Alter den Garten mit Hingabe pflegt, Liliane Sigrist, welche das Haus mit viel Liebe als Abwartin betreut, die Hüterinnen, welche immer da sind, um möglichst zahlreiche Besucher zu empfangen, Hans Hofer für die kompetenten Führungen und die Leitung des ganzen Museums. Stiftungsratspräsident Martin Jutzeler dankte den angeschlossenen Gemeinden für die Bereitschaft, wegen der im Jahre 2013 vorgesehenen neuen Bedachung ihre Beiträge an die Stiftung zu erhöhen.

Für kleine Kinder wurde eine Spiel-ecke eingerichtet, Schüler können ein Kreuzworträtsel über das Haus lösen.

Neu verfügt das Museum über einen Audio-Führer. In etwa einer halben Stunde vermittelt Ihnen Hans Hofer die wichtigsten Daten des Hauses in seiner gut verständlichen Erlenbacher Sprache. Wir sind gespannt, was Sie dazu sagen!? Maja Lörtscher

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Erstellt:
04.05.2011, 23:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 17sec
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