Der Simmenfluhbrand vor 100 Jahren
Am 20. August 2011 jährt sich der Brand an der Simmenfluh zum hundertsten Mal. Werner Lüthi aus Wimmis, der Sohn des damaligen Bannwarts und Förster, weiss noch genau, aus dieser aufregenden Zeit zu berichten. Nach einem Blitzeinschlag in eine Tanne auf dem «Sonnighorn» konnte vom Dorf Wimmis aus gesehen werden, wie das Feuer immer weiter um sich griff. Durch die lange anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen, waren der Boden und alles ausgedörrt.
Das Feuer wütete vorerst zu oberst an der Fluh. Durch die immer wieder herunter fallenden Bäume, Hölzer und Moose standen nach kurzer Zeit auch die Waldungen an den Nord und Südhängen in Flammen. Besonders in der Nacht war das ganze ein schauriges Schauspiel. Brennende und stürzende Bäume und Glut ergossen sich über die Felsen herab und suchten sich immer wieder neue Brandherde. Bald wurden auch die Staats- und Gemeindewaldungen ein Raub der Flammen.
Feuerwehren und Militär im Einsatz
Vom 4. auf den 5. September schien der ganze Berg in Flammen zu stehen. Im Dorf Wimmis läuteten die Glocken der Kirche Sturm. Alle Nachbar-Feuerwehren halfen bei den schwierigen Löscharbeiten mit. Am 5. September rückte die sofort aufgebotene Sappeurkompanie 3 unter der Leitung von Hauptmann Ott aus Worb ein. Plötzlich stand auch der an der hintern Simmenfluh gelegene Kienbergwald in Flammen und bedrohte die nächst gelegenen Häuser in Latterbach. Insgesamt standen schon über 300 Soldaten und 200 Feuerwehrmänner im Einsatz. Die Simmentalstrasse musste wegen Steinschlag und herunter stürzenden Bäumen sowie wegen Erdstaublawinen gesperrt werden. Im Brodhüsi wurden einige Bewohner evakuiert. Nun wurden noch weitere Sappeurkompanien aufgeboten.
Notbrücke über die Simme
In Anbetracht der ernsten Lage kamen die Regierungsräte Moser, Kunz Könitzer und von Wattenwil zu einer Lagebesprechung nach Wimmis. Für eine wirksame Feuerbekämpfung kamen nur noch die Abholzung und das Errichten von Waldschneisen und Gräben in Frage. Auch über eine lange Wasserleitung wurde diskutiert. Dies alles musste aber in einer gewissen Entfernung des Brandes gemacht werden, weil die Arbeiter die Hitze nicht ausgehalten hätten. Es war wie in einem Ofenhaus und immer wieder mussten sie vor den rasenden Feuerausbrüchen fliehen. Über die Simme wurde eine Notbrücke gebaut, da der Verkehr ins Simmental umgeleitet wurde. Nun wurde es auch auf der Reutiger Seite kritisch, die gesamte Feuerwehr von Strättligen wurde aufgeboten. Dazu rückten am 7. September weitere 120 Mann des Füsilier-Batallions 35 ein, um zu helfen. Als auf der Reutigerseite alle Felsköpfe der Nordabdeckung in Flammen standen, wurden die Hilferufe gehört. Darauf rückten am 8. September die Männer der Feuerwehren Nieder und Oberstocken, Polern, Blumenstein, Höfen, Amsoldingen, Tierachern und Zwieselberg ein. Am 9. September war die Situation unverändert kritisch, darum kamen auch die Spiezer, Krattiger, Diemtiger und Erlenbacher Feuerwehren, um zu helfen. An allen Fronten wurde hart gearbeitet. Auf einer geschätzten Fläche von ca 100 Hektaren, der grössere Teil davon im Fels, brannte und mottete es. Ab diesem Tag übernahm Generalmajor Anselmier das militärische Kommando.
Auch ein Medienereignis
Am 12. September entfachte ein ungünstiger Wind das Feuer von Neuem. Am 13. September wurden die als erste aufgebotenen Genietruppen entlassen. Alle mussten neue Schuhe und Kleider fassen, denn die alten waren total beschädigt.
Neu rückte ein Detachement von 60 Sappeuren der Füsilierkompanie 4/35 unter dem Befehl von Hauptmann Fritz Indermühle ein. Die ganze Brandkatastrophe, die rund acht Wochen anhielt, zog natürlich auch viele Zuschauer aus Nah und Fern an. Aus Bern fuhren sogar Extrazüge nach Wimmis. Die Restaurants und Gasthäuser machten gute Geschäfte. In allen Zeitungen der ganzen Schweiz wurde darüber berichtet.
Unterstützung durch den Regen
Am 15. September kam der lange ersehnte Regen und hielt die weitere Verbreitung des Feuers auf. Trotzdem rückte in Reutigen die erste Kompanie des Bataillons 35 unter der Leitung von Hauptmann Held ein.
Die vom Heitiberg her geführte Wasserleitung und das Wasserreservoir auf dem Günzenensattel waren zu der Zeit voll Einsatz bereit, um die im Boden ruhende Brandherde, die wieder auf zu flackern drohten, zu bekämpfen. Erst am 21. September wurden die Männer durch ausgiebige Regenfälle unterstützt. Das ganze Brandgebiet wurde anschliessend durch intensive Überwachungen durch die verschiedensten Feuerwehren übernommen.
Zum grossen Glück gab es bei dieser grossen Katastrophe keine Toten oder schwer Verletzte, aber zahllose kleinere Unfälle. Natürlich gab es danach noch sehr viel Arbeit. So bekam Gottfried Lüthi vom Staat den Auftrag, neue und gesicherte Pfade und Wege auf die Simmenfluh zu errichten. Später half die ganze Familie Lüthi bei der Aufforstung mit. Die mit Drahtseil gesicherten Wege werden heute noch von Bergsteigern rege benutzt. Edith Kammer