Arztpraxis Perrin 20 Jahre

Vor zwanzig Jahren hat die junge Ärztin Judith Perrin die Praxis im Doktorhaus Stucki in Zweisimmen übernommen. Ihr Gatte Matthias Perrin beendete im darauffolgenden Frühjahr seine Fortbildung im Berner Inselspital. Eine kleine Feier in den heutigen Räumen im Mätteli-Zentrum besiegelte das Jubiläum.

Arztpraxis Perrin 20 Jahre

Schweizer Ärzte zu finden, die in einer Berggemeinde im Obersimmental die Bevölkerung medizinisch betreuen, ist heute schwierig. Doch ein Ehepaar aus dem Mittelland wagte vor zwanzig Jahren den Schritt nach Zweisimmen. Die Ärzte Matthias Perrin (Innere Medizin) und Judith Perrin (Allgemeine Medizin) können einen kleinen Rekord verbuchen.

Seit Jahrzehnten praktiziert im stattlichen Haus an der Lenkstrasse ein Arzt. Ihre Vorgänger – alles männliche Ärzte, Chirurgen oder Allgemeinärzte – hatten nie zwanzig Jahre in Zweisimmen praktiziert. Entweder zogen sie fort, oder starben früh. Der Vater des jetzigen Besitzers Ueli Stucki, Arnold Stucki, hatte das Haus gekauft. Chirurg Ueli Stucki war noch in der Ausbildung als Peter Markò einige Jahre eine Allgemeinpraxis bis 1986 führte. Ueli Stucki war damals in einem andern Kanton tätig. Damit ein Arzt sofort die Tätigkeit fortsetzen konnte, verpflichtete er die junge Allgemeinpraktikerin Judith Perrin, die mit Töchterchen Anita und ihrer Mutter Ruth Kleiner ins Arzthaus zog.

Abenteuerlicher Hausbesuch

Matthias Perrin erzählte an der gemütlichen Feier, wie er an den Wochenenden im Notfalldienst der Kardiologiestation in Bern oder in der Praxis in Zweisimmen tätig war «Eine anstrengende, fordernde Zeit war jener Winter 1986», erinnert er sich. Judith Perrin setzte sich mutig in den Jeep und besuchte ihre Patienten in der unbekannten weitverzweigten Gemeinde Zweisimmen. «Der erste Anruf kam aus der Hofstetten, es sei etwas oberhalb des Dorfes, man müsse nur von Grubenwald aufwärts fahren, erklärten kurz die Betreuer des Patienten», erinnert sich Judith Perrin. Nur wie hoch oben das ist, als Zufahrt ein Strässchen im hohen Schnee, weit und breit kein Haus und keine Möglichkeit zum Wenden des Autos, verunsicherte die Ärztin. Schliesslich tauchte doch ein Haus auf. Der Patient und seine Familie schauten überrascht, als das vermeintliche junge Mädchen den Arztkoffer auspackte und den Mann kompetent behandelte. Sie hatten eine «bestandene Person» erwartet.

Moderne Räume

1989 kehrte der Chirurg Ueli Stucki nach Zweisimmen zurück. Perrins richteten ihre neue Praxis modern und praktisch im Mätteli-Zentrum ein. «Durch Bauverzögerungen waren Haus und Behandlungsräume beim Einzug noch ein veritabler Bauplatz», doch auch diese Klippe meisterten Matthias Perrin und seine Frau. Gemütlich, mit Adventsschmuck und Kerzen verziert, präsentierte die Praxis sich den Besuchern am Feierabend.

Das Klima dort muss anregend und produktiv sein, besuchten doch die ehemaligen medizinischen Praxisassistentinnen – neben den drei jetzt Aktiven und zwei Lehrtöchtern – ihren ehemaligen Arbeitsplatz. Eine Reihe derer Kinder und schwangere Frauen gaben dem Anlass einen vielversprechenden Akzent. Die Gynäkologin Sabine Zoll mit ihrer jungen Tochter, der chirurgische Spitalchefarzt Ruedi Minnig – im Januar kann er sein 25. Jahr in Zweisimmen feiern – der Hausarztkollege Thomas Zimmerli und natürlich Ueli Stucki bezeugten mit ihrem Besuch die gute Zusammenarbeit der Ärzte in Zweisimmen.

Text und Bilder rmz

Judith und Matthias Perrin freuen sich auch nach zwanzig Jahren an ihrer anspruchsvollen Aufgabe.

Ruth Kleiner hat ihre Tochter Judith Perrin besonders in der ersten Zeit tatkräftig mit der Kind- und Hausbetreuung unterstützt.

Arztpraxis Perrin 20 Jahre

Die Arzt-Réception wurde in eine gemütliche Bar umgewandelt.

Arztpraxis Perrin 20 Jahre

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Erstellt:
21.12.2006, 12:00 Uhr
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