Mittelalterfest zum Abschluss der Sanierungsarbeiten am Mannenberg
Burg Sanierung – 662 Jahre nach der Zerstörung
Am kommenden 2. Juli wird der Berner Regierungspräsident Bernhard Pulver in Zweisimmen ein Bauwerk der besonderen Art einweihen. Zum Abschluss der mehrjährigen Planungs- und Bauarbeiten wird im Rahmen eines grossen Mittelalterfestes die sanierte Mannenberg-Burg der Bevölkerung übergeben. Die im frühen 13. Jahrhundert erstellte Mannenberg-Burg wurde 1349 – vermutlich durch Berner Truppen – abgefackelt und zerstört. Nun wurde der 662 Jahre dauernde Zerfall aufgehalten. Die mit einem Kostenaufwand von rund 800000 Franken teilrekonstruierte, von weitem her einsichtbare, Ruine lädt ab sofort wieder zum Besuch und zum Verweilen ein.
«Burgfrow von und zu Mannenberg» Maria Buehler geniesst im Burghof den Ausblick auf die Berge rund um «Duessimenes».
Nur von einem Fünftel der ehemals rund 500 Burgen im Kanton Bern ist noch etwas zu sehen. Kurz bevor die Burgruine Mannenberg ebenfalls unter eine dicke Humusschicht und damit in Vergessen zu geraten drohte, hatten sich 2007 engagierte Zweisimmer BewohnerInnen in einer Stiftung zusammengeschlossen und das Unternehmen «Sanierung» eingeleitet. Wie in Weissenburg (1984) und an acht weiteren Standorten im Berner Oberland konnte die Ruine Mannenberg mit Unterstützung des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern konserviert und teilweise rekonstruiert werden.
Logistische Herausforderung
Der Zweisimmer Architekt Matthias Trachsel hat die baulichen Massnahmen geplant und koordiniert: «Es war schon ein spezielles Objekt. Die Herausforderung stellte sich vor allem hinsichtlich der Logistik und dem verwendeten Material. Vorerst ging es um die Reinigung und den Abbau vorhandener Mauerreste. 145 Tonnen Kiessand, 60 Tonnen Steine und 30 Tonnen Bindematerial wurden ab 2008 in drei Etappen und mit 6000 Mannstunden verarbeitet».
Impuls für die Region
Dass praktisch alle Arbeiten mit Handwerkern aus der Region ausgeführt werden konnten, ist für einen Burgbau ungewöhnlich. Armand Baeriswyl vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern ist überzeugt, dass die Schlossherren im 13. Jahrhundert für den Bau ihrer Burgen und Paläste aus Kostengründen vor allem auswärtige durchs Land ziehende Fremdarbeiter angeheuert haben.
Dr. Daniel Gutschner, Kantonsarchäologe ist darum froh, dass diesmal die eingesetzten Mittel fast vollständig in der Region bleiben. «Gelingt, wie in Zweisimmen, noch eine Einbindung des Objekts in den Schulunterricht oder ins Tourismus-Angebot (Burgenweg!) darf von einer grossen Nachhaltigkeit der Investition gesprochen werden. Das Zustandekommen war eine eindrückliche Verbundaufgabe von Bund, Kanton, Stiftung und privaten Geldgebern!»
Spiel- und Mittelalterfest
Die ersten «Belagerer» von Neu-Mannenberg-Burg werden am Freitag dem 1.Juli die Kinder der Volksschule Zweisimmen sein. Ihr traditionelles Spielfest steht unter dem Motto «Einisch öppis anders – Einblick ins Mittelalter» stehen. Tags darauf, am Samstag, 2. Juli wird das grosse Mittelalterfest allen Beteiligten, Gönnern und Interessierten Gelegenheit zum Erleben des Burgalltags bieten. Stiftungsratspräsident Jean-Pierre Beuret, der Stiftungsrat und der «Rote Huffe» (eine Gruppe aus mittelalterlichen Handwerkern, Gauklern, Händlern, Wanderprediger und Krieger) freuen sich auf zahlreiche wissbegierige Besucher. Eine über fünfzigseitige informative Festschrift legt Zeugnis ab von der grossen bisher geleisteten Arbeit. Ernst Hodel