Ausserordentliche Mitgliederversammlung der Schwellenkorporation Zweisimmen

Kleine Simme hochwassertauglich verbauen

Im Gebiet der kleinen Simme in Zweisimmen dominiert auf der Gefahrenkarte vielfach die Farbe rot. Nur durch spezielle Massnahmen konnte bisher bei Hochwasser Schlimmeres verhindert werden. Diesem Zustand soll durch eine 7,6 Mio. Franken kostende Wasserverbauung Abhilfe geschaffen werden. Rund fünf Jahre Bauzeit werden dazu nötig sein.

Die kleine Simme im Mühliport beim Hochwasser 2005 wird zu einem reissenden Fluss.

Die kleine Simme im Mühliport beim Hochwasser 2005 wird zu einem reissenden Fluss.

Bis vor gut zwei Jahren existierte für die kleine und grosse Simme ein Gesamt-Wasserbauplan, um bei Hochwasser besser geschützt zu werden. Aus Kostengründen und infolge diversen Schwierigkeiten betreffend der grossen Simme wurde das Projekt vor zwei Jahren in zwei Teile aufgeteilt. An der a. o. Versammlung vom vorletzten Dienstag im Markthallenrestaurant gaben die Schwellenkorporations-Mitglieder nun grünes Licht zum 7,6 Mio. Franken kostenden «Wasserbauplan kleine Simme». Wird das inzwischen bald ausführungsreif geplante Projekt im Grossen Rat im kommenden Februar bis März bewilligt, werden die voraussichtlich fünf Jahre dauernden Arbeiten zur Winterszeit 2012/13 begonnen. Bund und Kanton werden sich an den Kosten mit rund 70% beteiligen. Die zu verbauende Strecke beginnt beim Schnidrigswald (bei der Wegabzweigung zum alten Stockerhaus), bis hinunter zum Musikhaus.

Wie sehen die Massnahmen aus?

Rolf Küenzi von der planenden Flussbau AG stellte das Projekt im Detail vor. Ein vier Meter hohes W-förmiges Holzrückhaltesystem (ohne Geschiebesammler) soll ca. 300 m unterhalb des Gigerstägs gebaut werden. Mit diesem System kann das Hochwasser durchfliessen, ebenso Geschiebe, wie dies naturnah im Bachbett benötigt wird. Ein Hochwasser ohne Geröll würde das Bachbett verkolken (ungewollte Löcher ausschwemmen). Für die Ausführung dieser Arbeiten muss der bestehende Weg von der Badi an bis zum neu zu bauenden Holzrückhaltesystem bis auf knapp vier Meter verbreitert werden. Die Sperre bei der Badi muss infolge Unter-Kolkung saniert und wie heutzutage vom Gesetzgeber verlangt, fischgängig gemacht werden (zehn 40 cm hohe Blockriegel). Auf der Höhe des Sportmotels beginnen die Sohlenabsenkungen. Das heutige Bachbett wurde im Zeitalter der Gläubigkeit einer Naturbändigung zu schmal, zu steil und künstlich geschaffen. Weil es jetzt wegen nahe an den Fluss gebauten Häusern im Dorf nicht verbreitert werden kann, muss die Sohle um einen halben bis 1,4 Meter, beginnend mit einer Blockrampe, abgesenkt werden. Im Dorf müssen durch die Sohle-Absenkung die Mauern teilweise neu erstellt werden, weil eine Untermauerung dieser brüchig gewordenen Bauwerke nicht verantwortet werden kann. Die Allmendbrücke, welche den niedrigsten Durchfluss-Querschnitt aufweist, wird mit einer Brückenverschalung verstärkt und stärker verankert. Mit dieser Konstruktion erhöht sich bei sehr starkem Hochwasser der Wasserdruck und somit auch die Abflussquantität. Dies wiederum kann im Brückenbereich vorhandenes Geschiebe wegspülen und soviel Platz schaffen, wie dann das erhöhte Wasservolumen für den Durchfluss Platz braucht.

Diverse Lose für mehrere Baufirmen

Die Arbeiten sollen vor allem in der wenig Wasser führenden Winterszeit verrichtet werden. Auch die Baufirmen sind froh für solche Arbeiten. Diese werden oberhalb des Musikhauses Richtung Dorf beginnen und beim Holzrückhalt beim Gigerstäg enden. Mit dieser Reihenfolge könnten bei etwaigen Hochwassern vor der Bauvollendung, die Seiten-Erosionen im Dorf vermieden werden.

In den letzten Jahren wurden im oberen Einzugsgebiet der kleinen Simme Bäume, die den Wasserlauf gefährden, geräumt. Im Gebiet des alten Sagi-Areals sind noch Landverhandlungen zur Verbreiterung der Simme im Gange. Das Ziel heutiger Bachverbauungen ist, diese soweit machbar, genügend breit und nicht zu tief zu halten. Zudem sollten die Ufer nicht zu steil angelegt werden.

Kredit zum Vorhaben einstimmig genehmigt

Die Genehmigung dieses Grossprojektes kleine Simme erfolgte einstimmig. Zählt man den Vorstand ab, konnte jedes anwesende Schwellenkorporations-Mitglied über die Summe von mehr als einer Mio. Franken abstimmen. Diese sind überzeugt, dass die neue Wasserverbauung eine gute und gefreute Sache wird. Man ist sich aber bewusst, dass auch dieses von Menschenhand geschaffene Werk irgendwann unterhalten und in einigen Generationen vielleicht wieder angepasst oder erneuert werden muss. Auch wenn die friedliche kleine Simme während 364 Tagen im Jahr mehr oder weniger ruhig dahin fliesst – ein unbändiges Hochwasser à la Chalberhöni Gstaad vom letzten Jahr, könnte weiterhin eine grosse Gefahrenquelle für den Dorfbereich kleine Simme sein. Ein Stück Hoffnung und Zuversicht ist weiterhin, trotz moderner Bautechnik, nötig. Josef Kopp

Aktuell führt die Simme wenig Wasser. Der Durchfluss unter den Brücken muss aber, wie hier an der Lenkstrasse, für ein Hochwasser-Ereignis erhöht werden.

Aktuell führt die Simme wenig Wasser. Der Durchfluss unter den Brücken muss aber, wie hier an der Lenkstrasse, für ein Hochwasser-Ereignis erhöht werden.

Fortsetzung Schwellenkorporation

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Erstellt:
23.06.2011, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 57sec
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