Zweisimmen Jazz

Saisonschluss mit fulminantem Wohnzimmerkonzert im Hüsy!

Fulminantes und heisses Saisonschlusskonzert des Zweisimmen Jazz Club im Hüsy Blankenburg mit Stewy von Wattenwyl’s Orgel-Trio feat. Rolf Häsler.

Das Stewy von Wattenwyl-Rolf Häsler-Quartett bot heissen Hammond-Jazz

Das Stewy von Wattenwyl-Rolf Häsler-Quartett bot heissen Hammond-Jazz

In den letzten Jahren ist es zunehmend «hip» geworden, so genannte «Wohnzimmerkonzerte» zu veranstalten, sich also zu Hause ein Konzert zu organisieren und Freunde dazu einzuladen. Selbiges macht der Zweisimmen Jazz Club hingegen schon seit 18 Jahren unter anderem im Restaurant Galerie Hüsy in Blankenburg bei Marianne und Hansjürgen Glatz. Nichts lag deshalb näher, als das Jahr der Volljährigkeit und die Saison mit einem fulminanten Konzert in eben dieser «Hüsy-Stube» zu schliessen.

«Carte blanche» für Stewy von Wattenwyl

Eingeladen haben die Organisatoren von Zweisimmen Jazz den Berner Pianisten und Organisten Stewy von Wattenwyl und ihm für diesen Abend eine «Carte blanche» gewährt. Diese nutzte von Wattenwyl zur quasi Vorab-Präsentation seiner neuesten CD «Cross Walk», die in Kürze erscheinen wird. Das für diese Aufnahmen zusammengestellte Quartett stand denn auch – mit Ausnahme des Schlagzeugers, der durch den in Zürich wohnenden, ursprünglich aus Burgdorf stammende Daniel «Booxy» Aebi ersetzt wurde – im Hüsy Blankenburg auf der Bühne, als da waren Stewy von Wattenwyl an der Hammond B3, Rolf Häsler am Tenorsaxophon und Nick Perrin an der Gitarre. In zwei Sets gaben die vier eingefleischten Jazzer Kostproben der neuen CD, die sie gerne mitgenommen und verkauft hätten, jedoch irgendwie im Presswerk stecken geblieben sei, wie Rolf Häsler mit einem Augenzwinkern bemerkte. Er führte denn auch in humorvoller Art durch das Programm, das aus Jazz-Standards in Arrangements und aus Eigenkompositionen von Häsler und von Wattenwyl bestand. Die vier wählten einen abwechslungsreichen Tempomix aus groovigen Uptempo-Nummern, Latin-Jazz, und schönen Balladen. Etwas Blues fehlte auch nicht. Stewy von Wattenwyl gewährte seinen Mitmusikern viel solistischen Raum. Gefallen hat der warme Ton von Rolf Häsler’s Saxophon, die virtuosen Gitarrenriffs von Nick Perrin und das einmal zupackende, dann wieder zurückhaltend feine Schlagzeugspiel von Daniel Aebi. Nicht nur für’s Auge, auch für die Ohren beeindruckend war die Hammond B3-Orgel, in deren Tasten Stewy von Wattenwyl griff. Ein Koloss aus Holz und Elektrik, mit allem, was dazugehört – Pedale und als separates Teil der Leslie. Beeindruckt hat vor allem die Klangfülle, die in diesem Instrument steckt, der sonore Bass-Sound, der die Hüsy-Stube zeitweise erzittern liess, aber auch der verblüffende Effekt des Leslie, der die Töne in Schwingung versetzt hat. So etwas hört man hier nicht alle Tage!

Ein kleiner Wehmutstropfen blieb jedoch: Man hätte sich gerne etwas mehr Orgel-Präsenz gewünscht, mehr von der Registervielfalt und mehr Leslie-Einsatz gehört, auch ausgedehntere Soli oder Duett-»Battles» mit den Mitmusikern. Als Gesamtes aber war es ein sehr schönes und entspanntes Konzert, die vier Künstler ergänzten sich hervorragend und spielten sich die Soli zu, wie Tennisbälle. Das Publikum im ausverkauften Hüsy war begeistert und liess das Quartett nicht ohne Zugaben ziehen. Die Vier kehrten auf die Bühne zurück und liessen den Abend mit den Ellington-Nummern «In a Sentimental Mood» und «Cotton Tail» ausklingen und setzten einen wunderbaren Schlusspunkt hinter ein heisses Konzert in doppeltem Sinne und hinter die 18. Saison von Zweisimmen Jazz! Kilian Gobeli

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Erstellt:
26.04.2012, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 35sec
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