Basiskurs der Feuerwehren Obersimmental-Saanen

32 Feuerwehrmänner lernen das Feuerwehrhandwerk

Letzte Woche wurden 32 Junge zu Feuerwehrmännern ausgebildet. Die Teilnehmer kamen aus den Inspektionskreisen Obersimmental-Saanen, Frutigen-Niedersimmental und Thun. Sie werden ihren Feuerwehrdienst in elf Gemeinden oder einer Betriebsfeuerwehr leisten.

Ein «Einsatz» im Dorf bildet die Schlussübung des Basiskurses.

Ein «Einsatz» im Dorf bildet die Schlussübung des Basiskurses.

Grundzüge der Feuerwehr erlernen

Montagmorgen, 30. April, 7.30 Uhr versammelten sich 32 angehende Feuerwehrmänner vor dem Magazin im Dorf Zweisimmen. Unter der Leitung von Kurskommandant Major Otto Tritten zeigten ihnen die vier Instruktoren der Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) das Feuerwehrhandwerk. In drei Tagen wurde die Grundbildung in den für den Feuerwehrdienst wichtigen Bereichen gezeigt und geübt.

Los ging’s im Dorf. Im Ortskern von Zweisimmen lernten die jungen Männer wie man korrekt Leitungen legt, damit diese sicher sind und vorne am Ende der Leitung der nötige Druck vorhanden ist. Im Speziellen wurden die verschiedenen Endstücke verglichen und gezeigt, wie mit verschiedenen Einstellungen die Brände gelöscht werden können: Vollstrahl und Sprühstrahl sind nun allen ein Begriff. Auch die eigene Sicherheit und das Rettungswesen sind von zentraler Bedeutung. Ohne dieses Wissen können die Feuerwehrmänner später nicht abschätzen, wie eingeschlossene Personen am besten gerettet und welchen Weg sie selber ins Gebäude nehmen dürfen. Auch auf die Frage, was mache ich bei einem Unfall mit giftigen und leicht entzündlichen Stoffen, wurde in einem Kurs eingegangen.

Der zweite Tag startete mit der Theorie der Feuerwehr-Grundsätze. Der höchste Mann im Kreis Obersimmental-Saanen, Kurskommandant Major Otto Tritten lehrte den Männern persönlich, wie Brände entstehen, wie sie am besten gelöscht werden und was nie vergessen werden darf. Bei der Brandbekämpfung ist der Faktor Zeit sehr entscheidend. Dies wurde am Nachmittag im Brandhaus deutlich. Ein zu Beginn kleiner und noch ganz einfach zu löschender Brand wurde immer grösser. Mit der Wärmebildkamera wurde die Temperatur im oberen Bereich des Raumes gemessen, fast wurden Temperaturen von 700°C erreicht. Wer jetzt aufgestanden wäre – alle knieten am Boden, hier ist es bei einem Brand viel kühler – hätte sich den Kopf verbrannt. Instruktor Peter Luginbühl zeigte, wie mit wenig Wasser das Feuer wieder unter Kontrolle gebracht und danach gelöscht werden kann. Wichtig ist dabei, nur soviel Wasser einzusetzen, dass keine weiteren Schäden im Gebäude entstehen. Dabei wäre es am besten, wenn in die unteren Stockwerke kein Löschwasser eindringen würde. Das effektivste Mittel für kleine Brände ist immer noch die alte Eimerspritze aus dem Zivilschutz. Mit ganz, ganz wenig Wasser können damit kleinere Brände einfach, sicher und ohne grossen Schaden gelöscht werden.

Auch das Löschen mit Schaum und Pulver wurde erlernt. Mit verschiedenen Handfeuerlöschern konnte deren Wirkungsweise im Feuer aufgezeigt werden. Während beim Einsatz von Pulver die Wohnung danach renoviert werden kann, konnte mit dem Schaum sehr begrenzt gelöscht werden. Da nicht jedes Feuer mit Wasser gelöscht werden darf, ist die Wahl des korrekten Löschmittels von zentraler Bedeutung. Hätten Sie gewusst, dass man brennendes Alu auch mit Sand bekämpfen kann? Am besten nimmt man für Alubrände trockenen Sand und deckt den Brand ab. Sand bildet durch die Hitzeeinwirkung eine Luft undurchlässige Kruste, die ebenfalls den Sauerstoff nimmt.

Richtiger Einsatz der Mittel

Gegen Abend wurde das Zusammenspiel geübt. Wie wird das Tanklöschfahrzeug (TLF) nun im Ernstfall eingesetzt? Wie wird bei der Rettung und Brandbekämpfung richtig vorgegangen, wo sind die Einsatzorte? All dies wurde beim Brandhaus einmal ausprobiert.

Gut einen Tag später, am Mittwochnachmittag wurde dieses Zusammenspiel nochmals an einem anderen Standort geübt. Dabei ging es aber weniger um die Brandbekämpfung, sondern mehr um die Personenrettung. Beim Gemeindehaus, mitten in Zweisimmen, musste der Schadensort korrekt gesichert werden. Dabei galt es vor allem den Verkehr der Lenkstrasse gut zu regeln und im Auge zu behalten. Die Baustelle, keine 20 Meter weiter, kam erschwerend hinzu. Die jungen Männer lösten ihre Aufgabe mit Bravour, und leiteten den Verkehr sicher am Brandort vorbei. Auch die Rettungen über die Leitern wurden gut und schnell durchgeführt. Die jungen Feuerwehrmänner zeigten, dass sie für den Einsatz bereit sind und nun ihr erlerntes Wissen weiter im den Ortsfeuerwehren ausbauen und einsetzen können. Realistische Übungen sind nur Dank dem Entgegenkommen der jeweiligen Hauseigentümern möglich.

Wie wichtig ihnen die Feuerwehr ist, zeigten diverse Besuche. Neben Nationalrat Erich von Siebenthal besuchten auch einige Feuerwehrkommandanten die angehenden Helfer und bei der Abschlussübung bekundete Regierungsstatthalter Michael Teuscher, «höchster Krisenmanager», sein Interesse an der Ausbildung der jungen Leute.

Perfekte Schulungs-Umgebung

Dieser Basiskurs war bereits der vierte Kurs seit dem Bau des neuen Brandhauses im Mühleport. Kurskommandant Otto Tritten ist von den Möglichkeiten begeistert. Die Wege sind kurz und alle nötigen Übungen können ideal durchgeführt werden. Wenn dieser Ausbildungsort jedoch erhalten bleiben soll, so muss dafür gearbeitet werden. Der Zweisimmer Feuerwehrkommandant Peter Allemann dazu: «Wir müssen jetzt schnell junge Instruktoren aus der Region ausbilden. Nur so haben wir in Zukunft die Chance, dass wir die Basiskurse weiterhin in unserer Gegend durchführen dürfen. Denn Instruktoren werden immer weniger zu uns kommen. Wenn jetzt aber alle Feuerwehren im Kreis Obersimmental-Saanen nach geeigneten Männern suchen und diese auch entsprechend fördern, dann haben wir nicht nur sehr gut geschulte junge Leute, sondern können diese auch weiterhin hier vor Ort aus- und weiterbilden.» Fabian Kopp

Eine Sichere Rettung über die Feuerwehrleiter wird geübt.

Eine Sichere Rettung über die Feuerwehrleiter wird geübt.

3-facher Brandschutz: Mit Wasser, Pulver und Schaum wird eine brennende Flüssigkeit gelöscht.

3-facher Brandschutz: Mit Wasser, Pulver und Schaum wird eine brennende Flüssigkeit gelöscht.

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Erstellt:
10.05.2012, 00:00 Uhr
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