Alpkultur – Alltag und Festtag auf der Alp
Im Rahmen einer Volkshochschul-Veranstaltung hielt Ernst Roth vor einer Woche im Inforama Hondrich einen ausgezeichneten Vortrag zum Thema «Alpkultur – Alltag und Festtag auf der Alp». Es gelang ihm, den Zuhörern anhand von Gemälden und dank seinem grossen Wissen über Alpwirtschaft und deren Bedeutung die Thematik näher zu bringen.
Ernst Roth, ein profunder Kenner von Alpwirtschaft hält einen ausgezeichneten Vortrag zum Thema «Alpkultur».
Ernst Roth stammt aus einer bekannten Burgdorfer Dynastie, die im Käsehandel stark war. Sein Vater, Alfred Roth, hatte eine Sammlung von Gemälden, Dokumenten und Büchern aufgebaut, die unter anderem das Leben auf den Alpen zum Mittelpunkt machte. Aus diesem Fundus konnte der in Därstetten wohnhafte Ernst Roth verfügen; zudem inventarisierte er die Alpkäsereien im Berner Oberland und ist Autor von diversen Büchern zu diesem Thema.
Alpkultur setze sich zusammen aus «Alp» und «Kultur» im Sinne von «etwas schaffen», z.B. Wald roden, Wiesen anlegen, Wirtschaftsgebäude errichten, erklärte er.
Alpwirtschaft hat viel mit Marketing zu tun
«Alpen, Berge, Alpwirtschaft» als Begriff ist seit Jahrhunderten ein Zugpferd für Reklame: Obwohl Schmelzkäse nichts mit Alp zu tun habe, wählte man für die Schachteletikette Motive aus den Bergen, erläuterte Ernst Roth. Als weiteres Beispiel zeigte er Bilder, die Künstler gemalt haben, um das Grandiose der Alpen darzustellen. Gemälde und kolorierte Radierungen wurden anschliessend in die Welt hinausgeschickt und machten so Werbung für die Bergwelt der Schweiz.
Der von Lenk-Simmental Tourismus vermarktete Begriff «AlpKultur» sei also im Prinzip nichts Neues, ihm komme jedoch grosse Bedeutung zu, wie der Referent immer wieder betonte. «Nicht nur erhalten, was die Vorfahren geschaffen haben, ist wichtig», fuhr er fort, «sondern auch sich einsetzen für alte Traditionen, diese ausüben und wertschätzen». Gerade beim Käsen auf der Alp sei noch grosses überliefertes Wissen vorhanden. Das gelte es weiterzugeben.
Pflege von Bräuchen und Sitten
Der Alpalltag ist immer noch geprägt von Ritualen. Als Beispiel nannte er den Alpaufzug, die «Züglete»: Mensch und Tier sind aufwändig und festlich geschmückt. Sie drücken so ihre Freude aus. Älplerfeste sind Zeichen der Verbundenheit. Gemeinsam musizieren, singen und tanzen ist seit jeher wichtig. Gerätschaften haben sich seit Jahrhunderten kaum verändert, ebenso wenig wie der Bau und die Inneneinteilung der Alphütten. Dass die Erbauer ihre Gebäude schätzten und immer noch schätzen, belegte Ernst Roth anhand von Verzierungen, Schnitzereien oder Sprüchen an den Fassaden.
Tourismus immer schon wichtig für die Alpwirtschaft
Nicht nur der Handel war wichtig für den Alpenraum (Käse, Vieh), sondern auch der Tourismus. Anhand eines Gemäldes von 1826 zeigte er, wie auf der Kleinen Scheidegg schon vor beinahe 200 Jahren Touristen vor einer Alphütte bewirtet wurden und so eine Einnahmequelle für die Älpler waren.
Ernst Roth zitierte einen Referenten an einer internationalen Tagung über Alpwirtschaft: «Wo keine Kühe mehr grasen, kann man keine Touristen mehr melken». Etwas zynisch, aber nicht minder wahr.
Tourismus heisst auch zusammenbringen von Stadt und Land, heisst Verständnis entwickeln für das jeweils Andere. «Dies war bereits der Sinn und Zweck des 1808 organisierten zweiten Unspunnenfests», erzählte er weiter. Alpkultur beinhalte vieles, was wir bereits kennen, aber auch vieles, das in der Versenkung verschwunden sei.
Ernst Roth wird hoffentlich weitere Vorträge halten – an Themen und Ideen mangelt es ihm nicht. Über nachhaltige Bewirtschaftung von Weidegebieten oder über die Kennzeichnung von Eigentum und Tieren könne er referieren, meinte er zum Abschluss. Man darf darauf gespannt sein. Kathrin Moilliet
An einer Volkshochschul-Veranstaltung hielt Ernst Roth einen Vortrag und brachte den Zuhörern die Alpwirtschaft näher. Berner Oberland