Saaner Solowettbewerb 2012 im OSZ Ebnit

Der musikalische Nachwuchs in friedlichem Wettstreit

Der 7. Saaner Solowettbewerb (die erste Austragung war im Jahr 2000) kann als voller Erfolg gewertet werden, und zwar in Bezug auf die musikalische Qualität, das Publikumsinteresse, die perfekte Organisation und ebenso auf die allgemeine Stimmung an diesem schönen Frühlingstag.

Das Feld der Finalistinnen und Finalisten am 7. Saaner Solo-Wettbewerb

Das Feld der Finalistinnen und Finalisten am 7. Saaner Solo-Wettbewerb

Gesang, Jodelgesang, Blechinstrumente gross, Blechinstrumente klein, Holzinstrumente, Schlagzeug/Perkussion, Saiteninstrumente und Tasteninstrumente. Eine grosse Vielfalt, nicht nur auf instrumentaler Seite, sondern auch in personeller und altersmässiger Hinsicht.

Bemerkungen zu einzelnen Kategorien

Cornet ist das meistgespielte Instrument. Wen wundert’s? Strahlender Ton, Beweglichkeit, Virtuosität und Brillanz sind hier die unfehlbaren Trümpfe (z.B. gegenüber einer Bass-Tuba, bei der die technischen Anforderungen an die Spieler keinesfalls geringer sind). Bei den Streichinstrumenten gibt es eine starke Präsenz aus dem Pays d’Enhaut, mit einem halben Dutzend Teilnehmerinnen bei den sechs- bis neun-jährigen. «Erwähnenswert ist auch die Kategorie Gesang, in welcher die jungen Jodlerinnen in der Mehrzahl waren, wo man aber auch die Mozart-Arie «Voi che sapete» hören konnte. Wenn ein noch nicht zehn-jähriges Mädchen allein auf die Bühne steht, nichts anderes zur Verfügung hat als seine eigene Stimme und vor vollbesetzten Reihen sein Jodellied singt, verdient es unsern allergrössten Respekt!

Hochstehender Final

Das musikalische Niveau im Final war extrem hoch. Als Zuhörer konnte man ein bisschen Jury spielen und den Finalisten Punkte verteilen. Schon beim ersten Solisten, Matthias Abegglen, dachte man: Viel besser geht’s nicht, nachdem seine seidenweichen Klarinettentöne verklungen waren. Startnummer zwei hatte Cédric Gyger, und er wirbelte nochmals mächtig drauflos. Salome von Siebenthal, Klavier, beeindruckte mit gefühlvoller Gestaltung einer «Arabesque» von Claude Debussy. Samuel Gyger wollte natürlich seinem Bruder nicht nachstehen und entlockte seinem Es-Bass die schönsten Töne. Anschliessend liess Charlotte Oesch ihre Posaune erschallen, wobei sie insbesondere auch in den schnellen Läufen (auf der Posaune extrem schwierig!) verblüffte. Dass Florian Karlen mit seinem Euphonium im letzten Solowettbewerb vor zwei Jahren gewonnen hatte, musste niemanden verwundern: Sein weiches Legato-Spiel ist äusserst schwer zu übertreffen. Als «Mister Boogie Woogie» wurde Alain Glücksmann, Klavier, vorgestellt. Mit seinem fulminanten Vortrag erwies er diesem Titel alle Ehre. Als Drittletzte im Zehner-Feld der Finalisten spielte Myriam Karlen, Cornet, tadellos und brillant. Besonders erfreulich war, dass zwei Violonistinnen aus der Kategorie der zehn- bis 13-Jährigen es in den Final geschafft hatten! Anna Veronese und Manuela Henchoz gestalteten den Ausklang dieses hochklassigen Finals mit ihrem gekonnten Geigenspiel.

Nach Ansicht der Jury war die Beste unter den Besten die Cornettistin Myriam Karlen aus Château-d’Oex.

Jeder irgendwo ein Sieger.

Irgendwo ist jeder und jede, der/die als Solist, als Solistin angetreten ist, und sich der Herausforderung und dem Publikum gestellt hat, ein Sieger – jedenfalls ein Sieger über sich selbst. Das Hauptziel des Solowettbewerbes ist nicht, die jungen Musiker gegeneinander auszuspielen, sondern dass sie lernen können, sich in schwierigen Situationen zu bewähren, und sich mit Recht über ihre eigene Leistung freuen dürfen.

Peter Schläppi

Simon Gretillat, Violine, Ruben Kroumov, Klavier

Simon Gretillat, Violine, Ruben Kroumov, Klavier

Der musikalische Nachwuchs in friedlichem Wettstreit

Der musikalische Nachwuchs in friedlichem Wettstreit

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Erstellt:
29.03.2012, 00:00 Uhr
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