Bergregion Obersimmental-Saanenland
«NatureCulture» startet am 2. Juni
Am 2. Juni wird am Lauenensee das Projekt «NatureCulture» offiziell eröffnet, orientierte Andreas Grünig an der Delegiertenversammlung der Bergregion Obersimmental-Saanenland.
Mit dem Projekt «NatureCulture» sollen die besonders wertvollen Landschaften der Region geschont und «in Wert» gesetzt werden. «Es geht dabei um Fragen wie Erschliessung, touristische Ausgangspunkte, Kanalisation oder Entflechtung der Besucherströme usw.», heisst es dazu im Geschäftsbericht. Im Weiteren soll das Projekt als Grundlage dienen für die Landschaftsaufwertung und Förderung des sanften Tourismus. Die Lenkung touristischer Ströme und die Anordnung von Infrastruktur sei in zweierlei Hinsicht für die Region bedeutungsvoll. «Zum einen können empfindliche Landschaftsteile geschützt werden, zum anderen ermöglicht die Kanalisation und Konzentration der Besucherströme eine bessere regionale Wertschöpfung.»
Rundroute durch die Landschaft der Bergregion
«Eine Rundroute lenkt den Gast durch die attraktiven Landschaften der Bergregion Obersimmental-Saanenland. Die Schätze an Flora, Fauna, Geologie, Kultur usw. werden dem Gast gezielt näher gebracht und machen die Region besonders attraktiv und einzigartig. Weiter werden die Besucher mit der Rundroute an diverse Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten herangeführt», wird das Projekt beschrieben. In einer Datenbank werden die örtlichen «Points of Interest» systematisch gesammelt. Erfasst werden neben der eigentlichen Rundroute auch lokale Angebote. In der Projektgruppe sind sämtliche sieben Gemeinden, die Landwirtschaft und auch die drei Tourismus-Organisationen Gstaad-Saanenland, Zweisimmen und Lenk-Simmental vertreten. Mit den Berner Wanderwegen wurde ein Abkommen zur Beschilderung der Wege abgeschlossen. Es sei bereits viel Arbeit geleistet worden, betonte Andreas Grünig, Geschäftsführer der Bergregion Obersimmental-Saanenland, an der Delegiertenversammlung. Am Samstag, 2. Juni ist offizieller Projektstart am Lauenensee.
Herausfordernde Zusammenarbeit
In der Vergangenheit habe die regionale Zusammenarbeit nicht immer optimal funktioniert, hielten die Co-Präsidenten Aldo Kropf und Christian von Känel fest. «Es gab auch Situationen, in denen gegeneinander agiert wurde.» Das sei auch ausserhalb der Region erkannt und teilweise sogar «ganz gezielt ausgenutzt worden». Die Liste der guten und erfolgreichen Zusammenarbeit sei aber deutlich länger als die Liste der belasteten Zusammenarbeit, deren Themen aber sehr präsent seien. Eine Herausforderung auf dem Weg zu einer besseren regionalen Zusammenarbeit sei sicher auch der Informationsfluss, die Meinungsbildung und der Meinungsaustausch zwischen der Geschäftsleitung der Bergregionen auf der einen und den Gemeinde- und Grossräten auf der anderen Seite. Wenn sich die Geschäftsleitung (vertreten sind alle sieben Gemeinden) zu einer gemeinsamen Haltung durchgerungen habe, sei dies noch lange keine Garantie für eine gemeinsame Haltung der teilweise nicht involvierten Behörden.
Spitalstandort und Zweitwohnungs-Initiative
«Heute Freitag finde eine Zusammenkunft mit Regierungsrat Philippe Perrenoud betreffend Gesundheitsversorgung in den beiden Regionen statt», orientierte Co-Präsident Christian von Känel, der zügig durch die Traktanden führte. Der Entscheid der Geschäftsleitung für den Spitalstandort Zweisimmen sei sehr schwierig gewesen, gestand von Känel. Im Vordergrund stehe nun der Aufbau eines Gesundheitsnetzes im Saanenland (und je nachdem im Obersimmental), ein zusätzlicher Rettungswagen sowie die Neuorganisation des Rettungswesens. Weiter werde man sich einsetzen für den Weiterbetrieb eines Spitalstandortes auch nach 2014.
Aus Sicht der betroffenen Gemeinden gebe es bei der Umsetzung der Zweitwohnungs-Initiative drei Schwerpunkte, betonte Co-Präsident Aldo Kropf: die Besitzstandgarantie, «erträgliche» Übergangsbestimmungen und die Definition des Begriffs Zweitwohnung. Die Arbeitsgruppe habe bisher drei Mal getagt und man gehe davon aus, dass ein Verordnungsentwurf im August in die Vernehmlassung geschickt werde, «damit man Anfang September endlich weiss, wie es weitergehen soll», so Kropf.
Kleines Defizit
Die von Andreas Grünig erläuterte Jahresrechnung schliesst bei einem Aufwand von gut 486 400 Franken und einem Ertrag von rund 472 400 Franken mit einem Minus von knapp 14 000 Franken ab. Einstimmig und ohne Wortmeldung genehmigten die Delegierten die Rechnung und das Budget, das mit einem kleinen Ertragsüberschuss rechnet. Das Budget sei sehr provisorisch, erklärte Grünig. Die gemeinsame Geschäftsführung mit der Planungsregion Kandertal habe massive Auswirkungen, der Aufwand sei viel grösser und es stünden unter dem Strich weniger Mittel zur Verfügung. «Wir müssen schauen, dass wir über die Runden kommen», so Grünig.
Genehmigt haben die Delegierten auch die Rechnung des Regionalen Waldsanierungsfonds. Nur knapp die Hälfte der zur Verfügung stehenden Mittel wurden ausgegeben. Von den budgetierten 15 000 Franken wurden nur 1200 Franken an Beiträgen an Maschinenwege ausgeschüttet. Die Planung sei schwierig, Absatz und Holzpreis bestimmten den Markt, betonte Willi Bach in seinen Erläuterungen. «Langfristig wäre es wichtig, wenn der Wald regelmässig genutzt und erschlossen wird», so Willi Bach. Anstatt 30 000 Franken wurden im Berichtsjahr nur knapp 20 000 Franken Beiträge an Holzheizungen ausgerichtet. «Der Boom ist eventuell etwas vorbei», meinte Bach. «Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder mehr Beiträge sprechen können.»
Einstimmig beschlossen haben die Delegierten die Anpassung des Reglementes des Waldsanierungsfonds. Damit sind künftig beispielsweise auch thermische Solaranlagen beitragsberechtigt.
«Es geht um viel»
Im Anschluss an die Versammlung hielt Steueranwalt Toni Amonn ein Plädoyer für die Pauschalbesteuerung. Er zeigte den Delegierten auf, wie die Steuer berechnet wird und welche Folgen eine mögliche Abschaffung der Pauschalbesteuerung für die Region und den Kanton hat. «Es geht um viel, aber nicht in erster Linie um Steuern, sondern um Arbeitsplätze», so das Fazit von Amonn. Wichtig sei eine gute Kommunikation, damit sich die Stimmbürger ein Bild machen und Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen könnten, waren sich die Anwesenden einig.
Die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK) will die Pauschalbesteuerung reicher Ausländer nicht abschaffen. Sie hat diese Woche eine parlamentarische Initiative mit dieser Forderung mit 15 zu 6 Stimmen abgelehnt. Gleichzeitig trat sie auf eine Vorlage ein, welche die Steuerlast für Pauschalbesteuerte erhöhen will.
Die Pauschalbesteuerung kommt am 23. September im Rahmen der Initiative «Faire Steuern – für Familien» zur Abstimmung.
Anita Moser