Entwicklungschancen beeinflusst

Beim Verfassen des Jahresberichtes für den Gewerbeverein Zweisimmen hat es mich beinahe «erschlagen», wie einschneidend 2011 und 2012 der internationale Druck auf die Schweiz und die Resultate der Schweizer Politik unsere Entwicklungschancen beeinflussen. Und es betrifft nicht nur die Gewerbler im Tal, es trifft uns alle. Einige Beispiele:

Das Bankkunden-Geheimnis kann nach dem Kniefall vor den USA der Geschichte zugeschrieben werden, die EU wird sich wohl kaum mit einem zweitklassigen Steuerabkommen zufrieden geben. Zehn Milliarden Franken aus der Schweiz «an keine Bedingung geknüpft» an die EU zur Rettung des Euroschutzwalls werden nicht verhindern, dass der Druck von unseren Freunden in New York, Berlin und Paris weiterhin wächst.

Aus berechtigter Angst vor der Erbschaftssteuer, über die wir abstimmen können, haben viele Bürger ihre Liegenschaften ihren zum Teil noch unmündigen Kindern überschrieben, da die Initiative rückwirkend 2012 in Kraft tritt, falls sie angenommen werden sollte.

Die Zweitwohnungs-Initiative wurde zum grossen Erstaunen angenommen. Betroffene Verbände, politische Parteien und andere Interessenvertreter haben das Resultat achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Am 23. September kommt es nun zum Angriff auf die Pauschalbesteuerung, sozusagen der letzte Trumpf der Bergkantone. Wir werden im Kanton Bern über ein überladenes Fuder linker Steuer-Wünsche abstimmen. Verhalten wir uns passiv, werden die Städte wie bei der Zweitwohnungs-Initiative über das Berggebiet bestimmen.

Eine Abschaffung der Pauschalsteuer wäre für uns Gewerbler, für uns alle im Berggebiet fatal. Wir alle müssen uns beherzt für ein doppeltes Nein einsetzen.

Wir müssen lernen, für unsere Anliegen zu kämpfen. Auch wenn uns Initiativen harmlos und chancenlos erscheinen, ist unser Engagement extrem wichtig. Zum Nulltarif gibt’s nichts mehr.

Sich auf andere zu verlassen greift nicht mehr, sonst wäre die Zweitwohnungs-Initiative wohl kaum angenommen worden.

Sicher ist, für KMU-Betriebe wird es schwieriger, ihre Interessen – die im Oberland die Interessen aller sind – durchzusetzen.

Reto Müller, Präsident Gewerbeverein Zweisimmen

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Erstellt:
18.05.2012, 00:00 Uhr
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