Zum Spital und anderen Ärgernissen

Herzlichen Dank an Marcel Bach, dass er sich doch dieser heiklen Sache annimmt und Lösungen sucht.

Sehr mutig und überhaupt nicht grundlos ist seine Frage nach dem Verbleib in einem Kanton, welcher sich eher um die Kontrolle und Bestrafung seiner peripheren Schützlinge kümmert, als um ihre gesundheitlichen Bedürfnisse.

Auch ich habe versucht, einer möglichen Lösung Hand zu bieten, bin aber kläglich am Neid meiner Berufsgenossen (in diesem Fall sicherlich angebracht, da ja beinahe alle ohne staatliche Unterstützung nicht leben könnten) gescheitert.

Für alle, die gerne mehr wissen möchten zu diesem vierjährigen baulandlosen Spitalneubauversuch, bitte weiterlesen!

Bei der Standortsuche für ein Spital in Saanenmöser wurde ich von den Gemeinderäten Heinz Brand, Saanen, und J.P. Beuret, Zweisimmen, bei deren Suche nach Bauland bei mir zu Hause aufgesucht (*). Ihrem Anliegen, das Spital auf meine Wiese hinter dem Saanersloch-Parkplatz zu bauen, hätte ich noch folgen können. Nicht aber wie vorgeschlagen mit der bestehenden Zufahrt mit MOB-Schranke und Unterführung, was zusätzlich eine Baustrasse über meine restliche Parzelle benötigt hätte. Dies ergab für mich keinen Sinn, da ich dem Dorf den zusätzlichen Verkehr und den Patienten die Wartezeit an der Schranke (und im Winter in der Autoschlange) nicht zumuten konnte. Deshalb forderte ich eine Brücke, welche schon länger in den Köpfen einiger Bergbahnen-Saanersloch-Verantwortlichen gereift hatte, auch mit der Vorahnung, dass es ja sowieso eine Brücke brauchen würde, falls die Bahn ausgebaut werden sollte.

Ebenfalls problematisch war die Absicht, mein Land zu kaufen. Da mir meine 20-jährige Alppacht auf dem Hornberg gekündigt wurde, schlug ich einen Abtausch vor, in welchem ich die Alp Gfell als Gegenleistung verlangt habe. Diese Alp liegt angrenzend an den Hornberg und ist im Besitze der Gemeinde Saanen, amtlicher Wert 160000 Franken. Für die zwei Pächter war auch eine Lösung vorhanden: Familie Schläppi bleibt und Familie Bütschi zieht in meine vakante Pacht im Lochstafel.

Vorteil für mich: gesicherte Zukunft für meinen Betrieb auch in nächster Generation.

Vorteil für Gemeinde: Bauland für weniger als Fr. 50.–, plus drei Alphütten weniger zu unterhalten. (Vergleich Kosten Neubau Alp Hintere Schneit vor 25 Jahren 860000 Franken).

Mit dem eingesparten Geld hätte die Gemeinde Saanen die Brücke zu einem guten Teil finanzieren können. Dass dieses Angebot ausgeschlagen wurde, lag hauptsächlich am Neid gewisser Bürger, welche als Entschuldigung, nicht mitmachen zu können, einen Gemeindeversammlungs-Entscheid von 2000 als Vorwand nahmen. Damals ging es darum, die Alpen zu privatisieren, sprich zu verkaufen, da die Kosten für die Gemeinden aus dem Ruder liefen. Gsteig und Lauenen waren dafür, Saanen, im Bewusstsein, dass der Gewinn ja sowieso dem Lastenausgleich zum Opfer fallen würde, dagegen. Hier hätte die Gretchenfrage gestellt werden müssen: Ist dieser Entscheid sakrosankt oder müsste nicht eher der Bürger darüber entscheiden, ob er lieber eine Alp, die nur kostet, oder ein Spital in der Region hätte?

Noch zu den haarsträubenden Zahlen, welche herum gereicht wurden. Der Kanton Bern hat den Neubau Laubegg wie folgt publiziert: Länge 420m über Simme und BLS 9,5 Mio. Franken. Wenn ich den Dreisatz richtig anwende, wären in Folge dessen für eine 150m lange Brücke mit ca. 4 Mio. zu rechnen gewesen.

Aber nicht nur das Spitalthema stinkt.

Auch in Sachen Bergbahnen liegt vieles im Argen. Die Saanerslochbahn muss dringend saniert werden. Aber nur hinter verschlossenen Türen werden Lösungen gesucht und die betroffenen Landeigentümer werden zum Schluss genötigt, Entscheide zu tragen und diese auch noch mit ihren Steuergeldern abzudecken.

Christian von Siebenthal
Saanenmöser

(*) Anmerkung von Josef Kopp: Ich weise darauf hin, dass die Landsuche der beiden Beauftragten Brand/Beuret in der Phase des erfolglosen Einschaltens der Bergregion vor 1–2 Jahren stattfand. Die Simmental-Zeitung wies als einzige Zeitung schon bei der ersten Berichterstattung im Jahr 2007 darauf hin, dass der Landbesitzer zwar sein Einverständnis zur Planung signalisierte, aber nie einem Verkauf seines Landes zustimmte. Er wurde übrigens erst nach der Pressekonferenz der Spital STS AG in Saanenmöser darüber orientiert, dass auf seinem Landwirtschaftsland nun subito ein Spital erstellt werde. Es waren dazumal weder Pläne, Kostenkenntnisse, Bauprogramme, Bewilligungen usw. vorhanden, geschweige denn das nötige Bauland. Trotzdem wurde imaginiert, in Saanenmöser sofort mit einem Spitalneubau starten zu können. Es stand also nie auch nur 1 Quadratmeter Bauland zur Verfügung. Das nun seit vier Jahren dauernde Spitaldebakel mit all den vielen negativen Folgen hat die Spital STS AG und vor allem auch ein damaliges federführendes und noch heute amtierendes Verwaltungsratmitglied, zu verantworten.

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Erstellt:
14.06.2012, 00:00 Uhr
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