Bewohner und Bahnromantiker feierten das MOB-Jubiläum
Die Feiern zum hundertjährigen Bestehen der Bahnverbindung Zweisimmen-Lenk lockten am vergangenen Wochenende ganze Heerscharen von Bahnfreunden ins Obersimmental und an den Festort Lenk. Dort wurden die Feierlichkeiten am Freitagabend mit dem Einzug der Musikgesellschaft Lenk eröffnet. Der von Heinz Schwarz geführten fünfspännigen Postkutsche entstiegen Regierungsrätin Barbara Egger, MOB-Präsident Walter von Siebenthal und das Lenker Gastgeber-Team Barbara Bühler und Christian von Känel. Nach der Einfahrt der legendären «11er-Komposition» fuhr der goldfarbene Chocolat-Festzug mit den geladenen Gästen in den blumengeschmückten Lenker Bahnhof ein. Ein Organisationskomitee unter Erwin Walker hatte alles perfekt inszeniert. Sogar das Wetter stimmte mit dem regnerischen Eröffnungstag vor hundert Jahren am 8. Juni 1912 überein.
Bewohner und Bahnromantiker feierten das MOB-Jubiläum
Festmoderatorin Luzia Wyssen durfte zum Festakt die Lenker Gemeindepräsidentin Barbara Bühler, den MOB-Verwaltungsratspräsidenten Walter von Siebenthal und Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer ansagen.
Auch in hundert Jahren noch…
Die bernische Verkehrsdirektorin rühmte in lockerer und sympathischer Art «die rüstige Dame MOB» als ein stets innovatives Unternehmen und gab ihr Versprechen für die Zukunft ab: «Die MOB, von Beginn weg elektrifiziert und schon bald mit umspurfähigen Drehgestellen, ist ihrer Zeit immer einen Schritt voraus. Wenn es nach mir gehen sollte, wird sie auch in hundert Jahren noch an die Lenk fahren…». Walter von Siebenthal ging in seiner Ansprache auf die letzten hundert Jahre ein: «Eigentlich war Lenk nur als Durchgangs-Bahnhof gedacht. Kühne Männer träumten von einer Weiterführung über das Hahnenmoos nach Adelboden und via Scheiteltunnel (auf über 2000 Meter) ins Wallis. Der Bau der Lenker-Linie (er kostete eine Million Franken) trug zum Abwanderungsstop bei. Er brachte den erhofften Aufschwung für den Tourismus und schaffte Arbeitsplätze».
Viel Applaus für Schülertheater
Dann folgten sich die Höhepunkte des Jubiläums Schlag auf Schlag. Es war der Regierungsrätin vorbehalten, die von Alfred Friedli (sen. und jun.) und der Modellbahngruppe Obersimmental-Saanenland mit viel Liebe gestaltete Ausstellung zu eröffnen und nach dem Imbiss (es war eher ein Festessen!) ging es nahtlos zum Jubiläumsabend über. Die SchülerInnen der 7. + 8. Realklasse begeisterten in der Uraufführung des Einakters, den Lehrer Ernst Schoch extra für den Anlass geschrieben hatte. Schauplatz des Theaters war der Lenker Bahnhofplatz am 8. Juni 1912 kurz vor der Ankunft des ersten Zuges von Zweisimmen. Die Begegnungen der Einheimischen (u.a. Samuel Perrollaz) mit den vorwiegend englischen Gästen produzierten viele Lacher und häufigen Szenen-Applaus. Eingeflochten in das Theaterspektakel war ein passender, historischer Liedvortrag des Kirchenchors Lenk. «Obenaus im Simmental, kommt nach langen Jahren, welch fröhliches Signal, jetzt der Zug gefahren. Hei, elektrisch gleitet er, bringt uns Fortschritt und Verkehr!»
Die Bahn-Romantiker schwelgten
Am Samstag und am Sonntag kamen Festfreudige und Bahnromantiker auf ihre Rechnung. Hunderte genossen in Nostalgiezügen oder mit der Postkutsche die gemütliche Fahrt durchs Obersimmental. Beliebtestes Sujet der zahlreichen aus der Schweiz und aus dem Ausland angereisten Bahn-Fotografen war das Prunkstück der Chamby-Blonay-Bahn, gezogen von einer mit Zahnrädern ausgerüsteten Dampflok der Furka-Oberalp-Bahn. Viel Interesse erweckte die herausgeputzte Triebwagen-Komposition Nummer 11 von 1905. Grosse Beachtung fand auch das Besichtigungs-Angebot in St. Stephan (Güterwagen) und vor allem in Zweisimmen wo sich MOB- und BLS-Kompositionen aus allen Epochen ein Stelldichein gaben und wo auch die technischen Aspekte nicht zu kurz kamen.(Depotbesichtigung, TransGoldenPass-Projekt, Umspuranlage, usw.). Extra aus Stuttgart angereist war einer der vielen Bahn-Fans: Für mich ist die MOB ein Prunkstück in der Schweizer Bahnlandschaft.
Feststimmung allenthalben
Das Zelt und seine Umgebung mit Bars, Beizlis und Kinderattraktionen rund um den Bahnhof Lenk waren am Wochenende die zentralen Treffpunkte. Dort durften die Schulkassen Preise für ihre Arbeiten im Zusammenhang mit dem Bahnjubiläum entgegennehmen und beim Alpkultur-Brunch begleitet vom Jodlerklub Lenk und der Jodlergruppe Simmefall wurde zünftig geschlemmt. Es gäbe noch vieles zu berichten über den von Erwin Walker und seinen vielen HelferInnen tadellos organisierten Anlass. Allen Attraktionen gerecht zu werden, ist aber schlicht unmöglich. Unsere Bild-Schnappschüsse mögen das Jubiläum abrunden und an den Grossanlass erinnern. (Eine Bildergalerie finden Sie auch auf www.simmentalzeitung.ch) und für alle, die nicht dabei sein konnten: Bis Ende Oktober erinnert eine, von Albert Sommer und dem Verein Ortsmuseum Lenk zusammengestellte Foto-Ausstellung «100 Jahre MOB», an neun Standorten im Dorf Lenk an die Entstehung der Bahn und an die seitherige, erspriessliche Entwicklung der Lenk.
Den Organisatoren ist es gelungen, mit den Jubiläumsfeierlichkeiten ein klares Bekenntnis zur Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes Zweisimmen-Lenk zum Ausdruck zu bringen.
. Ernst Hodel