Holzwärmeverbund Lenk: Projekt oder Wirklichkeit?

Am 22. Mai hat die Gemeinde Lenk über den Planungsstand des Wärmeverbundes mit einer Holzschnitzel-Zentralheizung informiert. Rund 200 Personen sind der Einladung gefolgt. Die Projektleitung will in den nächsten zwei Monaten den Bedarf im Dorfzentrum klären und den Entscheid über die Weiterführung des Projektes zusammen mit der Gemeinde fällen. Zwei grosse mögliche Wärmeverbraucher, das REKA Zentrum und das KUSPO können wegen zu langer Wärmeleitungen nicht in den Wärmeverbund aufgenommen werden.

Holzwärmeverbund Lenk: Projekt oder Wirklichkeit?

Projektinitiative und Zusammenarbeit

Die Gemeinde Lenk will die Realisierung eines Holzwärmeverbunds an der Lenk prüfen. Ziel ist eine ökologische und nachhaltige Wärmeversorgung der Liegenschaften im Dorfkern der Gemeinde.

Die sol-E Suisse AG ist eine 100 Prozent Tochtergesellschaft der BKW AG und hat den Zweck, Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien zu bauen und zu betreiben. Die sol-E beabsichtigt, an der Lenk die Realisierung eines Holzwärmeverbundes zu prüfen und zu realisieren. Sie führt die Projektentwicklung durch und finanziert diese. Die Gemeinde unterstützt dabei mittels Informationsaustausch und Herstellung lokaler Kontakte.

Holzwärmeverbund, das Konzept und das Geschäftsmodell

Der geplante Holzwärmeverbund besteht aus Heizzentrale, Wärmeverteilnetz und Wärmeübergabestationen in den zu beheizenden Liegenschaften. ln der Heizzentrale werden Waldhackschnitzel verbrannt, die als Nebenprodukt der Holznutzung der regionalen Wälder anfallen. Die entstehende Wärme wird dazu genutzt, Heizwasser aufzuwärmen. Dieses wird dann mittels des Wärmeverteilnetzes zu den Liegenschaften gepumpt. Dort wird die Wärme an die Wärmeverteilanlagen in den einzelnen Liegenschaften abgegeben. Die Wärmeerzeugung besteht aus zwei Holzheizkesseln und einem Ölheizkessel. Der Ölheizkessel soll Bedarfsspitzen decken und kann zudem den gesamten Bedarf abdecken, wenn die Holzkessel ausfallen sollten. Zwischen der sol-E als Wärmeverbundbetreiberin und den einzelnen Liegenschaftseigentümern werden Wärmelieferverträge abgeschlossen.

Ende 2011 wurde eine Umfrage zum Anschlussinteresse und dem Wärmebedarf an der Gemeinde Lenk lanciert. Das Interesse war im Allgemeinen sehr gross. Von 450 verschickten Fragebogen kamen 57 Prozent zurück. 69 Prozent davon meldeten ihr Interesse an und 23 Prozent waren dagegen. Kann das gezeigte Interesse in Energiebezugsverträge umgewandelt werden, wird der Wärmeverbund an der Lenk eine Tatsache. Mögliches Versorgungsgebiet ist der Dorfkern und die direkt benachbarten Quartiere. Wenn in einem Quartier genügend Interesse besteht und genügend Wärme benötigt wird, ist eine Leitungsverlegung sinnvoll.

Die Wärme kann so zu attraktiven Preisen abgegeben werden. Falls dies nicht zutrifft, ist die Leitungsverlegung zu teuer und der resultierende Wärmepreis für die Kunden nicht mehr attraktiv.

Mögliche Standorte der Wärmezentrale

Als Standort wird gemäss heutiger Planung ein Grundstück im Eyli­Boden (zwischen Kantonsstrasse und Eisenbahnlinie) favorisiert. Der Standort verspricht eine gute logistische Erreichbarkeit und gute Platzverhältnisse.

Die notwendigen Zwischenlager für die Holzreserven (bei der Zentrale oder bei den Holzlieferanten) sind noch nicht geklärt und im Budget nicht enthalten. Als Nachteil des Standortes sind die Kosten für die benötigte lange Wärmeleitung, um ins Dorfzentrum zu gelangen. Zudem können von diesem Standort aus die Grossbezüger REKA Zentrum und das KUSPO nicht wirtschaftlich angeschlossen werden.

Preise, Anschlusskosten

Im Wärmeverbund Lenk ist voraussichtlich mit einem durchschnittlichen Gesamtwärmepreis von 17 bis 19 Rp./kWh zu rechnen. Dieser ist der zusammengefasste Preis aus Anschlussbeitrag und jährlichen Kosten, gemittelt über den ganzen Kundenstamm. Recherchen bei bestehenden Anlagen in Grindelwald und im Hasliberg (Anlage im Bau) ergaben, dass ein Einfamilienhausbesitzer für 7kW Anschlussleistung und bei 2500 Volllast-Stunden/a für eine Energiemenge von 17.5 MWh/a mit einmaligen Anschlusskosten in der Grössenordnung von 8000-15 000 Franken rechnen muss. Die jährlichen Grundkosten liegen zwischen 1000 und 2500 Franken bei einem Verbrauchspreis von 9,5 Rp/kWh.

Bei einem Mehrfamilienhaus sind es bei einer Anschlussleistung von 25kW und 2500 Volllast-Stunden/Jahr für eine Energiemenge von 62 500 MWh/Jahr rund 20 200 Franken für die einmaligen Anschlusskosten mit einem Grundpreis von 3200 Franken/Jahr und von 12Rp/kWh.

Terminplan

Bis Juli 2012: Vereinbarungen mit den grössten Wärmekunden; Bis November 2012: Erarbeitung Vorprojekt und konkreter Wärmepreise; Januar bis März 2013: Abschluss aller Wärmelieferverträge; Bis Oktober 2013: Baubewilligung; Anfang 2014 Bauentscheid; Herbst 2014: Inbetriebnahme 1. Etappe; Herbst 2015: Inbetriebnahme 2. Etappe.

Schafft das Projekt den Durchbruch?

Voraussetzung für den Durchbruch des Projekts ist ein genügend grosser Wärmeabsatz von Grossbezügern (Hotels und Gewerbebetrieben) im Dorfzentrum. Deren Anschlussvereinbarung gibt in einer ersten Phase eine gewisse Sicherheit.

Nutzen für die Region

Umweltgerechte Wärmeenergieversorgung gelten in einer Region mit hohem Zweitwohnungsanteil als entlastende Massnahme. Einheimische, erneuerbare Energie wird genutzt. Es entsteht ein Imagegewinn für Lenk als Tourismus- und Wohnort.

Walter Zeller

Der Standort der Heizzentrale ist rot markiert. Die blau hinterlegte Fläche könnte versorgt werden.

Der Standort der Heizzentrale ist rot markiert. Die blau hinterlegte Fläche könnte versorgt werden.

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Erstellt:
31.05.2012, 07:59 Uhr
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