Der Wald als Rohstoffproduzent und Erholungsgebiet

Die Revision des kantonalen Waldgesetzes wird auch bei den Waldbesitzern im Obersimmental-Saanen noch für einigen Gesprächstoff sorgen. Nationalrat Erich von Siebenthal zur hölzigen Politik: «Waldbesitzer müssen politisch aktiv sein, damit sie zu ihren Rechten kommen.»

An der Generalversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Obersimmental-Saanen im Hotel Diana in St. Stephan gab das Nutzen und Pflegen der Wälder mit ihrer Produktions- Schutz- und Erholungsfunktion einiges zu Reden. WBV-Präsident Christian Linder, Gsteig b. Gstaad konnte im grossen Kreis der Waldbesitzer zwölf neue Mitglieder begrüssen.

Der Rechnungsablage von Geschäftsführer Walter Perren war zu entnehmen, dass ein Ausgabenüberschuss von fast 3000 Franken zu verzeichnen ist. Walter Perren: «Dies ist nicht alarmierend. Unser Verein hat sich im Herbst mit 4000 Franken am Wahlkampf von Erich von Siebenthal in den Nationalrat beteiligt, die Hälfte davon wurde wieder zurückerstattet.» Das WBV-Vermögen hat sich auf 54 120 Franken verringert. Als Vizepräsident ist Robert Treuthardt, Boltigen zurückgetreten. An seine Stelle wurde Silvan Allemann, Lenk gewählt.

Holzpolitik auf allen Ebenen

Im November wird der Grosse Rat erstmals über die Revision des Kantonalen Waldgesetzes debattieren. Geschäftsführer Stephan Flückiger, der Berner Waldbesitzer ist empört: «Eine Interessengruppe mit Vertretern der Pro Natura, WWF, Vogelschutz, Forstpersonal und Forstverein, der bernischen Burgergemeinden und der Berner Waldbesitzer hat respektvoll und konstruktiv zusammengearbeitet und einstimmig 35 Änderungen beantragt. Der Regierungsrat hat nur deren fünf unverändert übernommen.» Ein Sonderthema sind die Biker, Reiter und andere Freizeitnutzungen im Wald. Flückiger dazu: «Was ist der Wald all den Freizeitnutzern wert? – Es kann nicht sein, dass die Waldbesitzer mit ihrem Unterhalt die Rechnung für eine breite öffentliche Nutzung bezahlen.»

Als Präsident der Berner Waldbesitzer fand Nationalrat Erich von Siebenthal lobende Worte:» Unser Wald ist im Bezug auf seine Biodiversität vorbildlich.» Mit einem Blick in sein politisches Engagement für den Wald erwähnte von Siebenthal unter anderem seinen parlamentarischen Vorstoss nach der Forderung von gedeckten Holzschnitzellager im Wald. Auch beschäftigt ihn die Verbrennung von unbehandeltem Holz. Doch was ist das überhaupt? Ein weiterer Punkt ist das Beibehalten der wenigen Holzverlademöglichkeiten für Bahntransporte, am Beispiel Zweisimmen. Dies als Beitrag zur Entlastung der Strassen von Holzschwertransporten.

Holzmarkt spürt Eurokrise

Im Wirkungskreis Obersimmental-Saanen gibt es 15 800 Hektaren Wald. Davon haben 93 Prozent eine Schutzfunktion gegen Naturgefahren, Lawinen und Steinschlag zu erfüllen. Eveline Coleman, leitende Oberförsterin der Waldabteilung zwei erklärte wichtige Zahlen aus der Waldwirtschaft: «Die schwierige Holzmarktlage mit dem tiefen Euro und dem starken Franken hat sich im 2011 auch auf die Anzeichnungen ausgewirkt. Mit 66 300 Kubikmeter stehender Bäume wurden gegenüber dem Vorjahr 11 000 Tariffestmeter oder 14 Prozent weniger angezeichnet.» Zur Förderung der Schutzwaldpflege als Hauptsegment wurden 1,35 Millionen Franken an Beiträgen ausbezahlt. Die Wildbelastung ist tendenziell zunehmend, besonders macht sich der Hirsch auch in den Wäldern der Region mehr und mehr bemerkbar.

Werbung in eigener Sache

Das 17-jährige Projekt der Stiftung «Bildungswerkstatt Bergwald» soll sowohl den Jungwald hegen und pflegen wie auch den Jungen zwischen 14 und 20 Jahren den Wald näher bringen. Vor allem städtische Schulklassen können wochenweise die Waldarbeit hautnah erfahren und kennen lernen. Christoph Leuthold der Bildungswerkstatt Bergwald sucht im ganzen Berner Oberland Partner, Gemeinden und Behörden, die mithelfen das Projekt partnerschaftlich umzusetzen. Fritz Leuzinger

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Erstellt:
27.03.2012, 14:28 Uhr
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