Galerie Restaurant Hüsy, Blankenburg
Keiner kann’s kleiner
Am vergangenen Sonntag war es für Hans-Jürgen Glatz sichtlich eine wahre Freude, die Ausstellung der Scherenschnittwinzlinge von Engelhard Schmitt unter Anwesenheit des Künstlers und einer grossen Schar Besucher zu eröffnen. Es ist Aussergewöhnliches, was es da zu bestaunen gibt an einzigartigsten kleinsten Scherenschnitten, weltweit an Miniaturen-Ausstellungen bewundert, vor allem von Sammlern und Puppenstubenbesitzern. Tobias König und Marc Gilgen haben die Vernissage mit Schweizer Volksliedern musikalisch umrahmt.
Max und Moritz.
Nur mit einer ruhigen Hand, Konzentration und einem besonderen Anreiz gelingen solche Meisterwerke wie ein Ein-Cent-Baum mit 858 Ästchen. Eine Vielfalt von filigranen Miniaturen sind in der Galerie ausgestellt mit Märchen-, Wurzelkinder- und Jahreszeitenmotiven, Blumenmustern, Porträts, Max und Moritz, Spinnennetzen oder ein «verrücktes Haus» erzählt ganze Geschichten. Als ganz aussergewöhnliche Kostbarkeit gibt es die von Engelhard Schmitt selbst gebaute Bildergalerie in Puppenstubengrösse zu bestaunen.
Darin beeindruckt vor allem das Bildchen mit der Krippen-Darstellung und der gotischen Schrift, unglaublich, die fünf Millimeter kleinen Buchstaben wurden alle spiegelverkehrt geschnitten!
Der Künstler hat seine Scherenschnitte alle selbst gerahmt als einzelne Bildchen oder in grösseren Rahmen, versehen mit einem vierfachen Passepartout und interner Beleuchtung.
Wie ist es zu diesen Kunstwerken gekommen?
«Ich wollte vor allem Gutes tun» sagt der pensionierte Feuerwehrmann und gelernte Schriftenmaler bescheiden, «Nur dank dem Drängen meiner Frau und durch Zufälle oder besser gesagt Fügungen bin ich soweit gekommen und einmal infiziert vom Scherenschnitt – immer infiziert». Erstaunlich, hatte er doch noch vor einigen Jahren «nichts am Hut» für Scherenschnitte bis er an einer Ostereier-Ausstellung die ersten kleinen Scherenschnitte bewunderte und so eben durch Zufall in die Scherenschnitt-Szene hineinrutschte.
Alles, was er und seine Frau einnehmen, kommt einem Strassenkinderprojekt in Bolivien, einem der besten Schulprojekte dieser Art, zu. «Dies ist der Anreiz für meine Arbeit und es ist mir eine wahre Freude, die kleinsten Motive durch exakte Schnitte zu formen. Mein Lohn ist die Begeisterung der Leute», so der Künstler und wünscht den Galeriebesuchern von nah und fern viel Freude und Spass beim Betrachten seiner Werke.
Geteilte Freude ist doppelte Freude, aber Engelhard Schmitts Miniaturscherenschnitte bereiten weltweit dreifache und vielfache Freude. Sophie Jaggi
Der Künstler bei der Fertigung der kleinen Scherenschnitte.
Wie in einem realen Haushalt sind die Wände mit Bildern geschmückt.