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Stiftung Kulturförderung Lenk veranstaltete bilinguale Literaturtage an der Lenk

Der Röstigraben n’existe pas

Französische und deutsche Lesungen bekannter und weniger bekannter Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller begeisterten das Publikum an den ersten Literaturtagen an der Lenk.

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Der Röstigraben n’existe pas

© Charlotte Engstad

Christiane Antoniades-Menge zog das Publikum in Bann mit ihrer Lesung.

«Der Röstigraben n’existe pas» lautete der Titel der Literaturtage an der Lenk, die dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet wurden. Von Freitag, 9. bis Sonntag, 11. September, fanden insgesamt sechs Lesungen im Hangar des Sporthotels Wildstrubel statt, drei deutschsprachige mit Seraina Kobler, Lukas Hartmann und Simone Lappert und drei französischsprachige mit Christiane Antoniades-Menge, Laure Tuia und Roland Buti.

Christiane Antoniades-Menge: Fragmente einer Kindheit

Christiane Antoniades-Menge las aus ihrem schmalen Band «Le bleu des origines» vor, unterbrochen von kurzen, musikalischen Intermezzi. Die Autorin hatte im grossen Fauteuil unter farbigen Lampen im Stil der 50er-Jahre Platz genommen, das Publikum sass in bequemen Sesseln, Weingläser und Kaffeetassen standen auf den Tischchen.

Vom ersten Satz an zog die Schriftstellerin die Zuhörenden in den Bann mit ihrer klaren, doch poetischen und einfühlsamen Sprache, der Auswahl der vorgetragenen Texte und dem dramaturgischen Aufbau der Lesung. Der Text enthielt nichts Überflüssiges, die kurzen, meist autobiografischen Szenen liefen vor dem inneren Auge wie Kurzfilme ab.

Lukas Hartmann erzählte über bewegende Schicksale

Der bekannte und erfolgreiche Verfasser Lukas Hartmann las am Samstagabend aus seinem noch unpublizierten, neuen Buch «Ins Unbekannte», welches einen grossen Aufwand an Recherchen bedingt hatte. Der neueste Roman ist der letzte Teil einer Trilogie, in der alle Hauptpersonen im hoffnungslosesten Jahr des Zweiten Weltkrieges, 1942, ihr Leben verlieren. Das Werk folgt den historischen Personen Sabina Spielrein und Fritz Platten, und thematisiert die Glorifizierung der Massen und die Wertschätzung der Demokratie.

Sabina, eine psychisch erkrankte, hochintelligente 19-jährige Russin aus Rostov-on-Don wird von ihren verzweifelten Eltern ins Burghölzli zu Psychiater Carl Gustav Jung gebracht. Die herausfordernde Patientin und der junge Arzt werden ein Liebespaar, eine Beziehung, welche Jung auf Rat von Sigmund Freud in Wien zeitlebens verleugnete. Die genesene junge Frau studiert Medizin und reist zurück in die junge Sowjetrepublik, um sich am Aufbau einer neuen und besseren Gesellschaft zu beteiligen. Desillusioniert von der stalinistischen Diktatur, stirbt sie im Jahre 1942.

Der revolutionäre Schreiner Fritz Platten beteiligt sich am Generalstreik im Jahr 1917 und ist enttäuscht vom schnellen Abbruch des landesweiten Protests. Er organisiert die Reise des in Zürich an der Spiegelgasse wohnhaften Lenin durch das kriegsgebeutelte Deutschland nach Russland, wo dieser die bolschewistische Revolution anführt. Fritz, zeitlebens ein Anhänger Lenins und Revolutionär der ersten Stunde, fällt unter Stalins Schreckensregime in Ungnade und verstirbt 1942 im Gulagsystem, in einem kleinen Arbeitslager in der Taiga.

Zum Abschluss der spannenden Lesung eröffnete Lukas Hartmann das Gespräch mit den 26 Anwesenden, engagierte und spannende Diskussionen folgten.

Der Röstigraben n’existe pas

© Charlotte Engstad

Lukas Hartmann trug ausgewählte Passagen aus seinem noch nicht erschienenen, neuen Roman vor.

Erstellt am: 16.09.2022

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