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Im Gespräch mit dem ehemaligen und neuen Gemeinderatspräsident von St. Stephan

Eine Gemeinde muss geführt und nicht verwaltet werden

Albin Buchs ist nach zehn Jahren als Gemeindepräsident von St. Stephan Ende Jahr zurückgetreten und Patrick Aegerter hat sein Amt am 1. Januar 2024 übernommen. Wie war die Zeit von Albin Buchs und wie sieht Patrick Aegerter die Zukunft?

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Eine Gemeinde muss geführt und nicht verwaltet werden

Der abtretende und der neue Gemeindepräsident von St. Stephan: Albin Buchs und Patrick Aegerter.

Albin Buchs war während 14 Jahren im Gemeinderat von St. Stephan tätig, vier Jahre als Ratsmitglied und zehn Jahre als Präsident. Er ist Vater von fünf Töchtern, vier sind bereits verheiratet. Als er mit seiner politischen Arbeit begann, waren seine Kinder bereits selbstständig. Albin Buchs wollte in der Gemeinde etwas bewegen, sie vorwärtsbringen, darum sein Einstieg in die Gemeindepolitik. Er war seit je her ein politisch denkender Mensch. So schrieb er schon vor seiner Gemeinderatstätigkeit Leserbriefe oder kontaktierte Politiker auch direkt.

Gute Zusammenarbeit im Team

Albin Buchs blickt positiv auf seine Ratszeit zurück: «Wir hatten während meiner gesamten Zeit im Gemeinderat immer ein gutes Teamwork. Natürlich gab es Diskussionen und es waren sich nicht immer alle einig. Aber wir hatten immer einen grossen Zusammenhalt, auch über die verschiedenen Wechsel. Das lernte ich vor allem in den letzten Jahren sehr zu schätzen.»

Diese Jahre waren für Albin Buchs sehr lehrreich. Er lernte immer wieder viele interessante Personen kennen. «Es ist eine unglaubliche Lebenserfahrung, die man durch dieses Amt erwirbt», sieht er zurück. Dabei lernte er auch mit Kritik umzugehen und diese nicht persönlich zu nehmen. Vor allem auch, wenn etwas im Rat beschlossen wurde. «Wenn man es nicht schafft, hier zwischen Amt und Person zu trennen, dann kann man nicht mehr schlafen und es nimmt dir die Freude am Amt.»

Albin Buchs wollte die Gemeinde nicht nur verwalten. Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche Projekte umgesetzt. So der Kraftwerksbau und der mehrere Millionen kostende Zusammenschluss der Wasserversorgung. Auch in das Flugplatzprojekt wurde sehr viel Zeit investiert. Leider ist dieses noch nicht abgeschlossen, aber es sind viele wichtige Vorarbeiten geleistet worden.

Der neue Gemeindepräsident

Patrick Aegerter ist Vater von drei Kindern im Alter von vier, sechs und neun Jahren und ist auch beruflich voll engagiert. Diese Situation war Patrick natürlich sehr wohl bewusst und wurde vor seiner Wahl in der Familie mehrfach diskutiert. Es ist ihm wichtig, genug Zeit für die Familie zu haben, «denn die Kinder wachsen nur einmal auf und ich möchte diese Zeit nicht verpassen». Als Regionalleiter Berner Oberland/Westschweiz und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Swiss Helicopter AG wurde dies natürlich auch mit dem Arbeitgeber im Vorfeld abgesprochen. Swiss Helicopter unterstützt Patrick im neuen Amt. Ein Vorteil ist, dass er seine Termine und Arbeitszeiten in dieser Funktion flexibel gestalten kann.

Spitalprojekt

Man spürt im Gespräch mit Albin Buchs sehr stark, wie er vom Ergebnis in der Spitalfrage frustriert ist. «Persönlich bin ich überzeugt, dass, solange der Kanton nicht bereit ist anzuerkennen, dass er noch einen Teil Bergkanton hat, und solange der Grosse Rat nicht bereit ist, das Spitalversorgungsgesetz in Angriff zu nehmen und es den heutigen Gegebenheiten anzupassen, die Versorgung in den Randregionen gefährdet ist. Wir müssen die dezentrale Grundversorgung wieder stärken, sonst werden wir mit dem ganzen Gesundheitssystem scheitern und die Kosten werden explodieren. Auch in der Zukunft wird ein kleines Spital, mit einer flachen Hierarchie und einer guten Zusammenarbeit mit den Partnern die kostengünstigere Grundversorgung haben.»

Politisch stellt er fest, dass der Graben zwischen dem Simmental und dem Saanenland überwunden werden konnte. Aber er ist frustriert, dass die Region es nicht schafft, geeint aufzutreten. Das Verhalten des Kantons und der Spital STS AG ist für Albin Buchs eine Katastrophe. Obwohl der Entscheid noch nicht rechtskräftig ist, wird Personal abgeworben und die Region wird vor Tatsachen gestellt. Und dies, obwohl man weiss, dass ein Gemeindeversammlungsbeschluss erst nach 30 Tagen rechtskräftig ist.

Darum wird das Thema Spital auch im neuen Gemeinderat weiterhin wichtig sein. «Wir sind gleich weit wie 2018», analysiert Patrick Aegerter die Situation. «Es sollte nun jedem klar sein, dass wir das Spital schneller verlieren werden als uns lieb ist», führt er weiter aus. Nun müssen wieder ganz grundsätzliche Fragen geklärt werden: Wer setzt sich für das Spital ein? Sind es wieder die Gemeinden? Vergangene Woche fanden erste Gespräche auf Initiative der Gemeinde Zweisimmen (diese hatte den Auftrag an der letzten Gemeindeversammlung gefasst) statt. «Es braucht nun einen Marschhalt, bis die rechtliche Situation geklärt ist. Unter der Verantwortlichkeit des Kantons darf die STS in der aktuellen Situation keine Tatsachen schaffen und das Leistungsangebot ist in vollem Umfang aufrecht zu erhalten.» Für Patrick Aegerter ist dies umso bedauerlicher, da er von Personen aus dem Rettungswesen weiss, dass nach den Spitalschliessungen «Tiefenau» und «Münsigen», die Zentrumsspitäler total überlastet sind und Notfälle wieder in die Peripherie oder sogar in Nachbarkantone geflogen werden. Er kann nicht verstehen, dass dies noch nicht in der Politik angekommen ist.

Erstellt am: 20.01.2024

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