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Panda Raid quer durch Marokko mit den Simmentalern Daniel Lörtscher und Werner Imobersteg

Rallye von Nador nach Marrakesch – nichts für schwache Nerven

Ein Fiat Panda, zwei Menschen, sieben Tage lang nur durch einige Zentimeter getrennt – dies ist die Geschichte von Daniel Lörtscher und Werner Imobersteg, die in den Wüsten Marokkos unterwegs oftmals dem höchsten Gesetz des gesunden Menschenverstandes trotzten und sich mit ihrem Panda auf ein Abenteuer der alten Schule einliessen.

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Panda Raid durch Marokko

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Reparieren und Improvisieren unterwegs und es hat erstaunlicherweise «verhäbä».

Unterwegs mit dem alten Panda in den endlosen Weiten der Wüsten Marokkos.

Das Ziel stolz und glücklich erreicht (von links): Werner Imobersteg und Dani Lörtscher.

In der zweiten Oktoberhälfte stürzten sich Dani Lörtscher aus Oberwil und Werner Imobersteg aus Boltigen «kopfüber in den Wüstensand von Marokko» und nahmen an der Panda Raid 2021 teil. Sie starteten ihr Unterfangen mit ihrem «viergeggete» Fiat Panda aus dem Jahre 2003 in Boltigen und fuhren Richtung Sète in Südfrankreich, wo sie die Fähre nach Nador nahmen. Dort startete die Amateur-Langstreckenrallye auf einer Route von sieben Etappen quer durch Marokko in Richtung Marrakesch, wo das Ziel lag. Nachfolgend ein Abriss über das Erlebte.

Nach dem dritten Anlauf klappte es

Eine gute körperliche und geistige Fähigkeit der rund 300 Teilnehmenden in 150 Teams war ebenso gefragt wie die mechanische Fertigkeit und der kameradschaftliche Zusammenhalt. Die Rallye zielte zudem darauf ab, zumindest für ein paar Tage der Hektik der Zivilisation zu entfliehen und die Abhängigkeit von der Technologie hinter sich zu lassen. Das Wichtigste war nicht Zeit oder Geschwindigkeit: «Panda Raid zu überwinden bedeutet in erster Linie, die Ziellinie in Marrakesch zu erreichen», gaben die Organisatoren in ihrer Ausschreibung bekannt. So hätten die Etappen jeweils eine Startlinie und eine Ankunft – alles, was dazwischen passiere, sei pure Unsicherheit.

Die marokkanische Wüste er- und überlebt

Die Organisatoren boten im Camp jeweils fixe Zelte (Küche, WC und Duschkabinen) an sowie einen LKW mit Werkstatt und marokkanischen Mechanikern, die man zur Mithilfe mieten konnte. «Wir hatten am zweiten Tag einen Stein nicht gesehen – und mussten von der LKW-Werkstatt im Camp das erste und einzige Mal Gebrauch machen, um den Pneu abzunehmen und mit einem Mechaniker auf «akfrikanische Art» wieder zu flicken – und er verhielt! Ansonsten waren wir am Abend froh, wenn wir am Etappenort die Zeit für unser Zelt aufzubauen, etwas zu essen und schnell unters Wasser zu stehen, nutzen konnten, da es bis sechs Uhr taghell – und zehn Minuten später nach Sonnenuntergang auf einen Schlag stockfinster war.»

Mit dem Sand musste man tatsächlich lernen umzugehen – schon im «Zmorgekafi» war der Sand und an den Abenden, wo das Fahrercamp in der Wüste aufgebaut wurde, füllte der Sturm das Zelt toll mit Sand: «Wir waren von den rund 400 Kilometer langen Tagesetappen jedoch jeweils so gerädert, dass uns dies kaum mehr störte.» Auch als eine der beiden selbstaufblasbaren Liegematten bereits am zweiten Tag den Geist aufgab, schickten sich die beiden drein und wechselten sich Nacht für Nacht ab – stets einer musste am Boden liegen.

Von Boltig Lebkuchen gelebt

Die Verpflegung wurde am Morgen und Abend vom Organisator im Camp zubereitet und abgegeben: «Fleischmässig gab es vor allem Schaffleisch – und da Werner noch etwas «schnäderfräsiger» war als ich, hat er sechs Tage lang mehr oder weniger von Spaghetti mit Tomatensosse gelebt. Mich hat es hingegen einmal ausgebremst und meine Verdauung rebellierte einen Tag lang – was sich jedoch mit entsprechenden Medikamenten recht schnell wieder stilllegen liess», gab Dani zu Protokoll. «Unterwegs haben wir vor allem viel Wasser getrunken und dazu von Boltig Lebkuchen gelebt, den wir als Sponsoring mit auf die Reise bekommen hatten», dankte Dani auch den vielen Naturalsponsoren, welche die Reise auf irgendeine Weise unterstützt hatten. Auch so hatten die beiden einige Auslagen: «Die Teilnahme hat uns unter dem Strich rund 6000 Franken gekostet.»

Die Kuriositäten dieser Rallye

Damit der Staat Marokko die Rallye überhaupt bewilligte, musste sie einen gewissen karitativen Charakter aufweisen. So haben die beiden Simmentaler die kleine «Kiste» bis übers Dach hinaus mit «Secklene» mit Farbstiften, Spielsachen, «Nügglä» und Süssigkeiten vollgepackt, welche unterwegs an Kinder verschenkt wurden. «Zu Beginn fuhren wir viel nebenaus, wo es immer wieder sehr, sehr arme Leute am Strassenrand hatte, die nach Schuhen und Kleidern fragten. Sie ‹plangten› richtig und freuten sich an allem. Wir haben auch die ‹Seckleni› an die Kinder gerne abgegeben – zum einen konnten wir Riesenfreude bereiten – zum andern gab es so immer wieder wertvollen Platz im Panda», schmunzelte Dani rückblickend.

Als einen der bewegendsten Momente erlebten Dani und Werner das Besuchen eines kleinen Beizlis nach dem Auto waschen. Beim Waschen hatte sich ein Kleber gelöst, den der Wirt von vis-à-vis auf dem Boden liegen sah, ihn auflas und an sich nahm: «Als wir anschliessend etwas zu ihm trinken gingen, hatte er den Kleber bereits an die Türe geklebt. Wir gaben ihm zum Abschluss rund zwei Franken Trinkgeld – er bekam Augenwasser, kam hinter seiner Bar hervor und umarmte uns beide – es war eine andere Welt für uns!»

Der Rang war Nebensache – die gemachten Erfahrungen zählten

Mit der Zieleinfahrt in Marrakesch erreichten sie den 30. Rang von knapp 150 Pandas – der Rang ist jedoch Nebensache – die gemachten Erfahrungen um so vieles grösser und wertvoller. «Bevor wir Richtung Tanger fuhren, schenkten wir einem Mechaniker im Camp unsere Ausrüstung – seine Freude war unbeschreiblich!» Anschliessend machten sich der 29-jährige Boltiger und der 25-jährige Oberwiler auf die lange Heimreise Richtung Simmental. Und schon auf dem Heimweg der 7000-Kilometer-Rundreise wurde beschlossen, im 2023 wieder auszurücken und mit dem dazumal 20-jährigen Panda – der in jungen Jahren schon 72000 strube Postkilometer auf Berns Strassen über sich ergehen lassen musste – die Rallye nochmals unter die Räder zu nehmen.

Nach der Rückkehr wurden die beiden «Ausreisser» von Familien und Freunden in Lörtschers Garage in Reidenbach mit köstlichen Militärkäseschnitten und wohl temperierten Getränken willkommen geheissen. Die erfahrene Hilfsbereitschaft und die grosse Dankbarkeit der Bevölkerung unterwegs und nicht zuletzt der Kulturschock waren bestimmt prägende Erlebnisse für die beiden Simmentaler Hobbyrennfahrer und sie hatten demnach viel zu erzählen. «Nach diesem gemütlichen Abend wieder mal ins eigene Bett zu liegen, war einfach herrlich!», blickte Dani Lörtscher auch Tage danach freudig auf den wohltuenden Abschluss dieser abenteuerlichen Reise in der vertrauten Heimat zurück – und Genuss pur nach drei Wochen «Leben am Limit».

Erstellt am: 06.12.2021

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