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Schliessung der Bahnhofstation Weissenbach – ein Drama in drei Akten

Betrifft die Schliessung der Bahnhofstation Weissenbach sowie kein «Halt auf Verlangen», die Fahrpläne-Entwürfe pro 2019 und deren Folgen für die Betroffenen.

Von Markus Zahnd,

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1. Vor rund zehn Jahren
Vor rund zehn Jahren war punkto Zug und Verbindungen in Richtung Zweisimmen nach Lenk, bzw. Saanen, und in Richtung Spiez noch alles in bester Ordnung! Der Zug wurde rege benutzt und der Velo-Unterstand war stets übervoll besetzt. Eine Bewegungskontrolle ergab, dass 75 Menschen (viele junge) aus der weitläufigen Region das Angebot der BLS nutzten und dies nicht wenig, finde ich. Das war damals!

Anton Ryf, der Schreiber der vor ein paar Wochen erschienenen Information über zukünftige Pläne der BLS, hatte damals interveniert. Antwort: «Halt auf Verlangen», wie dies an den verschiedenen Orten der Fall ist, käme nicht in Frage! Dies war meiner Meinung nach fadenscheinig, denn jeder Lokführer hat dies für uns als realisierbar erachtet. Eine öffentliche Information an die Bevölkerung gab es meines Wissens nicht.

2. Die Änderung:
Zug – bzw. ein Bus –, mit der Verbindung der Bäuertdörfer Mannried–Grubenwald–Weissenburg–Eschi –Reidenbach, als einzig positiver Punkt, brachten nachteilige Umstände mit sich: viel längere Fahrzeiten, Wartezeiten von bis 20 Minuten in Boltigen in Richtung Zweisimmen, kein Anschluss in Richtung Lenk und Saanenland. Am Samstag, Sonntag und Feiertagen gibt es keinen Busverkehr. Die Züge halten rund alle zwei Stunden tagsüber an.

Zudem stand bis letztes Jahr der Vermerk: «Kein Veloverlad»…! Welch ein Affront seitens der BLS!

Es gibt eine schlechte Koordination in Spiez Richtung Frutigen/Wallis. Seit Jahren fährt der «Frutiger» kurz vor der Ankunft des «Simmentalers» ab (und umgekehrt)! Speziell betroffen sind die Berufsschüler.

Oftmals war/bin ich gezwungen, an Wochenenden die relativ gefährliche Strecke mit dem Velo zurückzulegen. Dies bei jedem Wetter, im Sommer und Winter, oft schwer bepackt und dann auch in der Tracht!

Drei Beispiele, die besonders gravierend sind bzw. waren:

Besuch der Jodlerproben an der Lenk: 18.15 Uhr bei Weissenbach ab. Warten in Zweisimmen und an der Lenk. Probebeginn: 20.15 Uhr.

Gottesdienstbesuch (Singleiter) in Zweisimmen: Abfahrt in Weissenbach 7.49 Uhr. Gottesdienst um 9.30 Uhr.

Einsätze im Wallis an mehreren Sonntagvormittagen: 6.03 Uhr in Weissenbach ab, eine Stunde Wartezeit in Spiez! Das Erreichen der Zielorte ist somit (für mich) zu spät.

Die Rückkehr ist oft noch mit viel längeren Wartezeiten verbunden (aus beschriebenen Gründen).

Gottlob gibt es x verständnisvolle, hilfsbereite, mutige Lockführer und Zugbegleiter/-innen. Dazu gehören auch die Chauffeure der AFA. Sie alle kennen unsere Situation, die «sehr speziell» ist und sie helfen, so gut dies möglich ist! Daher: vielen herzlichen Dank an euch alle!

3. Und nun dieser Fahrplanentwurf, pro 2019 ab Dezember 2019

Noch nie habe ich als Zugbenützer (GA für mich und das Velo) ein solch verrücktes Angebot des ÖV gesehen!

Meine Darstellung des neueren Angebotes (Anmerkung der Redaktion: In Beilage des Leserbriefes an die Redaktion eingesandt) zeigt dies deutlich. In welchem Zeitalter leben wir denn eigentlich?

Eine Unmöglichkeit für Bewohner, welche auf sämtliche Züge – Tag und Nacht, werktags und sonntags – angewiesen sind: Ab 18.56 Uhr bzw. 19.24 Uhr kein ÖV mehr! An Vor- und Nachmittagen Lücken bis zu vier Stunden und am Sonntag kein Angebot…

Nein, werte Verantwortliche, das geht so nicht!

Die Begründung, der ÖV werde von den Weissenbachern viel zu wenig benutzt, akzeptiere ich nicht! Die negativen Folgen wurden ja vor rund zehn Jahren gerade geplant!Viele Bewohner unserer Region sind gezwungen, per Auto (oder Velo) nach Boltigen oder Zweisimmen zu fahren. Eltern sind gezwungen, ihre Jungen zu fahren, damit sie noch gerade zur rechten Zeit am Arbeitsplatz ankommen. So ist es seit Jahren! Und dann heisst es aus «oberen Etagen»: «Wenig Interesse!» – welch ein Hohn!

Mit einem Bus ist es völlig unmöglich, eine akzeptable Lösung zu erzielen. Und mit drei- bis vierstündigen Unterbrüchen an Arbeitstagen, zusätzlich, quasi als Dessert, an Sonntagen überhaupt kein ÖV – schon gar nicht!

«Von der Strasse auf die Schiene!» Ja, hier geschieht in mehrfachem Sinne das Gegenteil!

Die Station Weissenbach ist meiner Meinung nach recht gut in Takt. Wir haben die Infrastruktur, die wir brauchen. Details könnten mit relativ wenig Aufwand gelöst werden (nach Vernunft). Bauten wie z.B. in Weissenburg und Ringoldingen brauchen wir nicht.

Kreuzen? Können die Züge an vielen Orten.

«Keine Rendite?» Muss denn immer alles rentieren? Beispielsweise Hallen- und Aussenbäder, Eis- und Bergbahnen, … ja, Spitäler, Altersheime und Kirchen, …?

Nein, aber sie müssen sein, zum Wohle und zur Freude der Menschen einer Region ausserhalb der Städte! Sie gehören zu unserer Lebenskultur und Lebensqualität von heute!

Bis anhin fehlt eine Information, seitens der entsprechenden Stellen, wie z.B. das Amt für öffentlicher Verkehr der BLS. Es war Walter Zeller, der Lenker, der uns am 8. März via SIMMENTAL ZEITUNG über die definitive Schliessung der Bahnstation Weissenbach und Haltestelle Grubenwald orientiert hat.

Ja, wir warten auf eine «einvernehmliche Lösung» und diese geht uns Betroffene sehr viel an. Unser schönes Tal entvölkert sich. Viele Häuser stehen leer. Je länger je mehr verliert auch unser Simmental wichtige Einrichtungen und Institutionen.

Was wir erwarten, ist soziale Gerechtigkeit auch im ÖV und Ehrlichkeit!

Weissenbach

Erstellt am: 12.07.2018

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Kommentare
abc.de 14.07.201813:07 Uhr

Treffend beschrieben und argumentiert.
Bleibt de Hoffnung auf entsprechende Massnahmen, seitens der BLS ... das Simmental ist es wert!!

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