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Ruth und Werner Lempen-Wyss verkaufen ihren Betrieb

Haus Fuhrenmatte in Boltigen schliesst trotz erfolgreichen Konzepts

Am 1. Dezember 2007 erfüllte sich mit dem Neubau und Betrieb des Haus Fuhrenmatte für Ruth Lempen der Wunsch nach einem bedarfsgerechten Angebot für Menschen mit Demenz in Boltigen. Leider hatte sich über die Jahre das Finanzierungsmodell für schwer demenzerkrankte Menschen in einem Kleinbetrieb nicht verbessert, im Gegenteil im Jahr 2015 verschlechterte sich die Finanzierung noch und es konnten keine Finanzreserven angespart werden. Auch wenn jetzt endlich mit der neuen Verordnung über die sozialen Leistungsangebote (SLV) vom 1. Januar 2022 eine deutliche Besserung eintritt, reicht es für das Haus Fuhrenmatte nicht mehr, Ruth und Werner Lempen verkaufen ihren Betrieb schweren Herzens.

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Haus Fuhrenmatte Boltigen

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© Kerstin Kopp

Haus Fuhrenmatte.

© Kerstin Kopp

Haus Fuhrenmatte.

© Kerstin Kopp

Haus Fuhrenmatte.
Bedarfsgerechtes Wohnen für Menschen mit schwerer Demenz

Mit viel Idealismus und grossem Engagement schaffte Ruth Lempen-Wyss mit ihrem Team ein Heim für zwölf Menschen mit hohem Pflege- und Betreuungsbedarf. Mit dem privaten Wohnangebot im Berggebiet entstanden auch neue Arbeitsplätze. Aktuell arbeiten in der Lempen-Wyss GmbH 29 Mitarbeitende, aufgeteilt auf 17 Vollzeitäquivalenzstellen. Die Dienstleistungen werden im Haus Fuhrenmatte selbst erbracht und auch zwei Lernende ausgebildet.

«Unsere Gäste sollen bei uns möglichst viele Elemente ihrer früheren Lebensatmosphäre, ihrer Erfahrungen und Gewohnheiten wieder finden», war immer das Ziel von Ruth Lempen. So ist die grosse, hell und freundlich gestaltete Wohnküche zentraler Ort der Begegnung. Von hier aus können die zwar kognitiv stark eingeschränkten, aber doch oft noch sehr mobilen Gäste auch den sicher begehbaren und geschützten Garten nutzen. Die Bewohnenden können sich nach ihren Möglichkeiten maximal selbstständig bewegen und erfahren in der kleinen Gruppe eine individuelle Betreuung.

Verbesserungen sind in Sicht, kommen aber für das Haus Fuhrenmatte zu spät

Aufgrund der von Anne Speiser-Niess, Matthias Matti, Barbara Josi, Hans Schär und drei weiteren Politikerinnen eingereichten Motion «Überbrückungsabgeltung der Betreuungsleistungen bei Menschen mit schwerer Demenz, um ein bedarfsgerechtes Angebot sicherzustellen» hat sich etwas in eine positive Richtung getan. Die Motion wurde am 14. September 2021 sehr deutlich angenommen. Es ist erkannt worden, dass die bisherige Zeiterfassung realitätsfremd und nicht mehr haltbar ist und angepasst werden muss. Um Abrechnungstransparenz zu schaffen, soll der Kanton Bern die Zeiterfassung der erbrachten Betreuungs- und Krankenpflegeleistungen durchführen und dementsprechend die Tarifstrukturen überarbeiten. Bis dies erfüllt ist (es wird mit vier bis sechs Jahren gerechnet), sollen die Pflegeheime, welche Menschen mit schwerer Demenz in einem «bedarfsgerechten Angebot für Menschen mit Demenz» in der stationären Altersarbeit betreuen, eine sofortige Überbrückungsabgeltung pro Bewohner pro Tag erhalten.

Am 1. Januar 2022 ist nun das neue Gesetz der Verordnung über die sozialen Leistungsangebote (SLV) im Kanton Bern in Kraft getreten. Dieses ist die Grundlage, dass in Zukunft Betreuungsleistungen abgegolten werden können, die Rahmenbedingungen sind in Bearbeitung. Für das Haus Fuhrenmatte ist es leider zu spät. Ruth Lempen hofft nun, dass für Mitarbeitende und auch die Bewohnenden eine gute Anschlusslösung gefunden wird.

Erstellt am: 06.03.2022

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Kommentare
Ursula Schwizgebel 06.03.202221:47 Uhr

Das ist aber traurig, Menschen, die sich so für leidende Patienten einsetzen, sollten belohnt werden. Leider bin ich nur eine arme Kirchenmaus, sonst würde ich alles tun, um diese schöne Heimat für Demenzkranke zu erhalten. Viel Glück für die Zukunft.

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