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Klangvolle Eröffnung des 66. Gstaad Menuhin Festivals

Das Festival der klassischen Musik ist im Simmental und Saanenland fulminant gestartet

Vom 15. Juli bis 3. September 2022 laden über 65 Konzerte im Rahmen des 66. Gstaad Menuhin Festivals dazu ein, den musikalischen Pfaden Wiens durch die Jahrhunderte im Saanenland und Simmental zu folgen, mit hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern sowie ausgewählten Highlights aus Wiener Epochen. Für die Konzerteröffnung am letzten Freitag, 15. Juli in der Kirche Saanen hatte der weltbekannte Dirigent René Jacobs mit Haydn und Mozart ein wahrhaftig fulminantes Konzertprogramm zusammengestellt. Im Simmental fand mit dem Septett Federspiel das erste Konzert in der reformierten Kirche Zweisimmen am 18. Juli statt. Musiklieber kamen in den Genuss von heiterer Blasmusik mit Wiener Charme.

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Gstaad Menuhin Festival & Academy eröffnet

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© Raphaël Faux

Der Rias Kammerchor aus Berlin mit dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von René Jacob mit den vier Solisten Sophie Harmsen (Mezzosopran) und Brigitte Christensen (Sopran) auf der linken Seite sowie Maximilian Schmitt (Tenor) und Johannes Weisser (Bass) in der Saaner Kirche.

© Raphaël Faux

Grusswort von Aldo Kropf, Verwaltungsratspräsident des Gstaad Menuhin Festivals.

© Raphaël Faux

Grusswort von Pfarrerin Marianne Kellenberger beim Eröffnungskonzert Gstaad Menuhin Festival 2022.

© Raphaël Faux

© Raphaël Faux

Eröffnungskonzert in Saanenmit dem Rias Kammerchor aus Berlin und dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von René Jacob.

© Kerstin Kopp

Federspiel brachten mit kreativer Blasmusik und Wiener Charme Lebensfreude in die Zweisimmner Kirche: Simon Zöchbauer, Christoph Moschberger, Frédéric Alvarado-Dupuy, Thomas Winalek, Christian Amstätter, Philip Haas und Roland Eitzinger.

© Kerstin Kopp

Federspiel brachten mit kreativer Blasmusik und Wiener Charme Lebensfreude in die Zweisimmner Kirche: Simon Zöchbauer, Christoph Moschberger, Philip Haas, Frédéric Alvarado-Dupuy, Thomas Winalek, Christian Amstätter und Roland Eitzinger.

© Kerstin Kopp

Federspiel: Frédéric Alvarado-Dupuy und Thomas Winalek

© Kerstin Kopp

Federspiel: Frédéric Alvarado-Dupuy, Thomas Winalek und Christian Amstätter.
Eröffnungskonzert betonte den Wunsch nach Frieden

Auch wenn manche vielleicht Beethoven am letzten Freitag vermisst haben, war das diesjährige Eröffnungskonzert ein fulminanter Start in das 66. Gstaad Menuhin Festival. Mit der Messe Nr. 10 «Missa in tempore belli» (Messe für Kriegszeiten) von Joseph Haydn und Mozarts Requiem in der etwas gekürzten Neuedition von Pierre-Henri Dutron hatte Dirigent René Jakob zwei Stücke ausgewählt, die einen Bezug zum aktuellen Weltgeschehen haben, aber auch zum Themenschwerpunkt Wien. Es wird ebenso auf die Verbindung Beethovens mit den beiden Komponisten hingewiesen.

Joseph Haydn pflegte intensive Kontakte zum Hause Mozart – er äusserte sich bereits im Jahr 1781 gegenüber dem Vater Leopold, dass sein Sohn Wolfgang Amadeus ein grosser Komponist ist – aber auch zum jungen Beethoven. Auf Einladung von Haydn ist der junge Musiker nach Wien gekommen. Joseph Haydn führte ihn in den Jahren von 1792 bis 1795 in das Wiener Musikleben ein und machte ihn mit Förderern bekannt. «Beethoven vereinte in seinem frühen Werk Einflüsse von Haydn und Mozart, wie es auch sein Gönner Graf Ferdinand Ernst Gabriel von Waldstein in einem Zitat an ihn formulierte: ‹Durch ununterbrochenen Fleiss erhalten Sie Mozarts Geist aus Haydns Händen.›», beschreibt Christoph Müller, Artistic Director. Somit hatte Dirigent René Jacobs für das Eröffnungskonzert des Beethoven gewidmeten Festivalsommers genau das Richtige ausgewählt.

Federspiel brachte Wiener Charme und Lebensfreude

«Durch bedingungslose Spiellust gilt das Ensemble seit nun mehr als zwölf Jahren als einer der innovativsten und interessantesten Klangkörper der europäischen Blasmusikszene», stand als Vorschau im Programmheft. Und die sieben Musiker von Federspiel überzeugten am letzten Montagabend, 18. Juli mit mehr als dem Versprochenen. Sie bescherten den Anwesenden mit viel Wiener Charme einen heiteren Abend mit nicht immer ganz traditioneller Blasmusik. Dabei kommt Federspiel ursprünglich aus der Wachau und hat erst nach Auszug aus dem Elternhaus nach Wien mit der Wiener Kultur neue Aspekte in die ursprünglich erlernte Volksmusik gebracht. Seit 2004 haben sie sich nun auf eine sehr kreative Art als Blasmusik zusammengefunden.

Eigenkompositionen aus kreativer Blasmusik und Gesang

Mit der Anfrage durch das Gstaad Menuhin Festival, ob Federspiel nicht etwas Wienerisches in das Simmental-Saanenland mitbringen könnte, stellte das Septett ein Konzert aus Eigenkompositionen einzelner Mitglieder bzw. eines ehemaligen Federspiel-Musikers zusammen. Zu «Wien, ach Wien», dem Konzerttitel, darf natürlich kein Walzer fehlen und es gehört auch ein traditioneller Dudler mit Zitherspiel dazu – ähnlich wie in der Schweiz der Jodel mit Schwyzerörgeli. Wer hätte erwartet, dass Blasmusiker Singen bzw. sogar «Dudeln» können? Mit dem «Punzen-Jodler» begeisterten die Österreicher die Zuhörenden mit traditionellem Gesang, der wohl in der Kirche Zweisimmen eher selten zu hören ist.

Ganz nach dem Motto «künstlerische Kreativität hat den Vorteil, dass nichts falsch oder richtig ist – lassen Sie die Musik auf sich wirken» spielte Federspiel kraftvoll den Raum füllende Stücke oder auch leisere, zum Beispiel zu Schluss bei «Calor» mit nur zwei Bläsern: Frédéric Alvarado-Dupuy auf der Klarinette und Christoph Moschberger auf der Trompete. «Die anderen fünf steigen später in etwas anderer Funktion ein», so der Klarinettist zwinkernd. «‹Calor› heisst auf Spanisch Hitze. Die Klimaerwärmung betrifft uns alle und wir sollten gemeinsam etwas dagegen tun.» So begleiteten die restlichen fünf Musiker die Bläser mit einem Wechsel-Gesang aus verschiedenen Sprachen.

Auf der Bühne im Chor der Kirche war Bewegung. Je nach Stück formierten sich die sieben Musiker immer wieder neu. Federspiel spielte seine Eigenkompositionen, in denen sich die Musiker mit Themen beschäftigen, die die Welt bewegen, fantastisch aufeinander abgestimmt, auch mit ungewöhnlichen Tönen oder sogar mit der eigenen Stimme. Im Spiel rückte immer wieder ein einzelner Musiker als Individuum in den Mittelpunkt und die Wertschätzung dem einzelnen Musikerkollegen gegenüber war spürbar. Die Freude am gemeinsamen Musizieren übertrug sich auf das Publikum, welches diese zum Schluss des Konzertes mit begeistertem Applaus zeigte. Das Gstaad Menuhin Festival ist mit «Wien, ach Wien» auch im Simmental sehr gut gestartet. Weitere Konzerte folgen noch (siehe auch Inserat in der Ausgabe von nächster Woche).

Erstellt am: 25.07.2022

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