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Präzisionslanden der Schweizer Segelfliegerinnen

Punktlandung trotz widriger Bedingungen

Jedes Jahr zum Ausklang der Segelflugsaison treffen sich Mitglieder des Vereins Schweizer Segelfliegerinnen zum Präzisionslanden-Wettbewerb. Am Samstag, 15. Oktober fand dieser Wettbewerb in Zweisimmen statt und bot für die Fliegerinnen gleich eine besondere Herausforderung: Wegen ungünstiger Windverhältnisse konnte die Konkurrenz nicht mit Segelflugzeugen durchgeführt werden, sondern mit dem Motorsegler HK 36 Dimona. Doch die sportliche Herausforderung war für die teilnehmenden Frauen nur einer von mehreren Gründen, um nach Zweisimmen zu kommen.

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Präzisionslanden der Schweizer Segelfliegerinnen

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© Armin Berger

Anflug auf die Markierung: Im Motorsegler ging es beim Präzisionslanden darum, möglichst exakt auf der Markierung aufzusetzen.

© Armin Berger

Anflug auf die Markierung: Im Motorsegler ging es beim Präzisionslanden darum, möglichst exakt auf der Markierung aufzusetzen.

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Markierungen auf der Landebahn, die auch das Abmessen der Differenz erleichtern.

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Vizepräsidentin der Segelfliegerinnen Barbara Muntwyler: «Warum in der Schweiz so wenige Frauen im Segelflug aktiv sind, wird immer wieder diskutiert.»

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Für viele Pilotinnen ungewohnt: Wegen der Windverhältnisse fand das Präzisionslanden in Zweisimmen mit einem Motorsegler statt.

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Junge Pilotinnen: Miriam Moser und Céline Freiburghaus schätzen den Austausch mit anderen Frauen im männerdominierten Schweizer Segelflug.

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«Wenn Frauen fliegen, sind oft auch Kinder mit auf dem Platz»: Auch Organisatorin Nathalie von Siebenthal war dabei keine Ausnahme.

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Für Nathalie von Siebenthal, zuständig für die lokale Organisation der Veranstaltung, war das Präzisionslanden trotz der ungünstigen Windbedingungen ein voller Erfolg: «Es geht bei diesem Treffen zum Saisonabschluss auch darum, neue Plätze kennenzulernen und in einer anderen Umgebung zu fliegen», erklärte von Siebenthal und ergänzte: «Auch der persönliche Austausch unter den Segelfliegerinnen soll gefördert werden.»

Ein Austausch, der in der absolut männerdominierten Segelflieger-Szene in der Schweiz durchaus Sinn macht. Vizepräsidentin Barbara Muntwyler (Liebefeld) rechnet vor: «Nur etwa zwei Prozent der Segelflieger sind Frauen, bei rund 2000 Fliegern in der Schweiz also nur ca. 50 Frauen.» Und die meisten davon sind Mitglied im Verein. Warum der Frauenanteil so niedrig ist, ist auch für die fliegenden Frauen eine viel diskutierte, aber letztlich unbeantwortete Frage. Gründe gäbe es schon einige, wie zum Beispiel der doch recht hohe Zeitaufwand, fehlende Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder der finanzielle Aufwand des Fliegens.

Doch die anwesenden Fliegerinnen, von der jungen Studentin über die berufstätige Mutter bis hin zur Sportlerin nahe am Pensionsalter zeigen, dass all diese Schwierigkeiten eigentlich lösbar wären. Etwas, das der Verein durch die Unterstützung und Förderung von flugbegeisterten Frauen noch weiter vorwärtstreiben will.

Ungewohntes Flugmaterial fordert heraus

Ziel beim Präzisionslanden ist es, möglichst genau auf einer mit Kreide auf der Landebahn aufgebrachten Markierung zu landen. Wer später aufsetzt, bekommt Strafpunkte – je weiter vom Ziel entfernt, desto mehr. Wer vor der Markierung aufsetzt, bekommt doppelte Strafpunkte. «Es geht beim Präzisionslanden auch um das Training. Gerade wenn einmal eine Landung ausserhalb eines Flugplatzes auf einer Wiese erfolgen muss, ist der genaue Anflug wichtig», erläutert von Siebenthal die Hintergründe.

In der Praxis war die Landung mit dem ungewohnten Motorsegler eine grosse Herausforderung: Unisono berichteten die Frauen darüber, dass schon die andere Sitzposition die genaue Landung erschwerte. Sitzt man im Segelflieger doch sehr tief wie in einem Sportwagen, ist die Sitzposition im Motorsegler schon rund einen halben Meter höher – und das Gefühl für die Abstände zum Boden anders. Sicher landen konnten den ungewohnten Flugzeugtyp alle Pilotinnen, doch nicht immer gelang das so auf den Punkt, wie man es wohl im Segelflieger gesehen hätte.

Alte Hexen und Nachwuchs

Als fliegende Frauen ist die Anlehnung an die auf Besen durch die Luft reitende Hexe ein gebräuchliches Motiv der Frauenflugszene. So starteten die gastgebenden polnischen Damen bei der ersten Damenmeisterschaft im Jahre 1949 mit der Hexe Babajaga im Logo und inspirierten auch die Schweizer Damen. Doch handelte es sich bei den Schweizer Fliegerinnen in Zweisimmen eben nicht um griesgrämige Einsiedlerinnen, sondern um sehr kommunikative Hexen. Solche, mit Jahrzehnten an Flugerfahrung, aber auch um Nachwuchspilotinnen.

Mit drei Punktlandungen zum Sieg

Die Konkurrenz überlegen für sich entscheiden konnte Barbara Kuttel (Montricher/VD), die mit drei Punktlandungen ohne Strafpunkte blieb und damit nicht einmal ein Streichresultat benötigte. Ganz unerwartet kam dieser Sieg allerdings nicht, denn die erfahrene Pilotin hat auch auf dem Motorsegler Flugerfahrung. Die Vorjahressiegerin Kathrin Stäubli nahm in diesem Jahr nicht teil.

Etwas überraschend auf dem Podest platzieren konnte sich die junge Pilotin Céline Freiburghaus. Obwohl sie erst seit wenigen Wochen ihr Brevet in der Hand hält, konnte sie sich den dritten Platz erkämpfen. Die einzige Zweisimmer Teilnehmerin, Nathalie von Siebenthal, erreichte den 5. Rang.

Erstellt am: 20.10.2022

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