Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Come up – slow down

Von Verena Vock, Sissach

rating rating rating rating rating

Wir stehen ratlos vor der geschlossenen Bergbahn auf den Rinderberg. Come up?

Walk up! (lauf hoch) heisst es in diesem Fall wohl eher. Am Bahnhof in Zweisimmen erkundigen wir uns nach Alternativen und werden ziemlich rasch mit der Realität konfrontiert. Dass wir mitten in den offiziellen Herbstferien sind, wisse man hier schon. Wenn wir irgendwohin wollten, dann müssten wir uns jetzt beeilen, den «Golden Pass» zu erreichen. Im überfüllten Zug ergattern wir gerade noch einen Stehplatz und studieren weiter die Wanderkarte. Will man in der Gegend auf die Höhen, muss man offenbar zu Fuss hinaufsteigen. Wir entscheiden uns für den Wanderweg von Saanenmöser nach Gstaad/Saanen. Ausgebremst: Slowed down, geniessen wir erst einmal einen Kaffee und Gipfeli. Doch, das Hotel sei gut gebucht, sagt man uns, als wir uns nach dem Geschäftsgang erkundigen. Aber die Touristen seien unzufrieden, weil die Bergbahnen nicht fahren. Können wir nachvollziehen, ausgebremst: slowed down.

Etwas weiter des Weges ist doch tatsächlich eine Sport-Boutique offen und wir kaufen Oberbekleidung. An der Kasse meint die Inhaberin, dass sie in Zweifel war, den Laden überhaupt zu öffnen, weil die Touristen wegen der geschlossenen Bergbahnen teilweise wegfallen. Ja, können wir nachvollziehen, ausgebremst, Geschäftsgang slowed down.

Am Ziel, beim Mittagessen, kommen wir mit einem einheimischen Geschäftsmann ins Gespräch. Er begreift unsere Enttäuschung. Und wir glauben und begreifen seine Aussage, wonach im Tal Zusammenarbeit ein Fremdwort sei.

Irgendetwas stimmt hier nicht mit dem Slogan, den die Gegend sich gegeben hat. Das Verb «to slow down» bezieht sich wohl auf den Gast, der runterfahren soll, ausbrechen aus seinem geschäftigen Alltag. Mir scheint, dass vor allem die Hotellerie, das Gewerbe und deren Zulieferer runtergefahren werden, das heisst einen Einbruch erleiden, weil die Rädchen aller Dienstleister nicht in einander greifen. Eigenbrötlerisches Denken und Handeln führt selten zum Erfolg. Das ist weiss Gott keine neue geniale Erkenntnis meinerseits – der Schlüssel zur Qualitätssteigerung heisst: Alle zusammen, zusammen sind wir stark, auf neudeutsch: Together we are strong! Das haben andere Tourismusregionen längst für sich entdeckt.

Im nächsten Herbst möchte ich lesen: Come up – we’re open! (Komm zu uns – die Bergbahnen sind in Betrieb).

Erstellt am: 26.10.2017

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare
Interessante Artikel