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Neujahrsgedanken

Von Thomas Naef

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In der letzten Simmental Zeitung des Jahres 2021 erschien ein Inserat, welches mich zuerst schmunzeln liess, in der Annahme es sei Satire. Mit Schrecken muss ich allerdings feststellen, dass dies ernst gemeint ist!

Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Eigentlich eine schöne Vorstellung von Bertold Brecht.

Stell dir vor, es ist Maskenpflicht (Testpflicht, Impfpflicht) und keiner macht mit. Ich würde dies gerne noch etwas erweitern: Gurtpflicht, Schulpflicht, Militärpflicht, Erziehungspflicht… Alles abschaffen, da dies unnötige Regulationsmechanismen für unser Zusammenleben sind. Auch den Pflichtanteil beim Erben am besten streichen – dies führt nur zu unnötigen Streitereien, welche im Krieg enden können, aber dieser ist ja zum Glück abgeschafft, da keiner hingeht. So einfach ist dies allerdings nicht, wofür dann auch im zweiten Teil des Inserates geworben wird.

Die wahre Seuche heisst Angst.

Wovor hat der Schreiber oder die Schreiberin Angst? Angst vor dem kleinen Stich der Impfung? Wohl kaum! Angst, dass die Welt aus den Fugen gerät schon eher. Aber genau hier müssen wir ansetzen und die Ängste überwinden, die Gefahr erkennen und dies können wir nur zusammen. Wir müssen Vertrauen in die verschiedenen Experten haben und deren Ratschläge an die Politiker umsetzen. Im täglichen Leben habe ich immer Vertrauen in die Experten: Dass der Elektriker seine Arbeit korrekt macht, dass der Garagist sorgfältig arbeitet, auch dass der Arzt mich korrekt behandelt, wenn ich das Bein gebrochen habe… ohne gegenseitiges Vertrauen in die Arbeit meiner Mitmenschen funktioniert unser Zusammenleben nicht.

Ein Weg aus der Situation heisst aussteigen. In gewissen politischen und religiösen Kreisen herrscht die Vorstellung, dass man unangenehme Tatsachen einfach ignorieren kann, wegreden kann und folglich sind sie auch nicht da… Dies erinnert mich an Versteck spielen mit einem Kleinkind, welches sich die Augen zuhält und mir sagt: «Such mich.»

Keiner trägt eine Maske: Es gäbe keinen Unterschied. In gewissen Staaten versucht man die Unterschiede gar mit einheitlicher Kleidung zu verdecken – aber unter aller Kleidung, Masken, Mützen und Schuhen sind und bleiben wir Individuen.

Keiner gibt Kontaktdaten an: Wir übten uns nicht in Verrat.

Wäre es «Verrat» gewesen diese Zeilen mit Namen zu unterschreiben?

Keiner lässt sich testen: Es gäbe keine Pandemie.

Also Augen zu, wegschauen und verneinen, wenn der Nachbar, der Freund auf der Intensivstation liegt und mit dem Leben kämpft… hätte er sich nicht testen lassen, so hätte er auch nicht Covid und so läge er auch nicht auf der Intensivstation: Also selber schuld.

Den Kopf in den Sand zu stecken nach dem Motto «was nicht sein darf, das gibt es nicht» ist keine Lösung.

In diesem Sinne: guten Start ins neue Jahr und allen gute Gesundheit.

, Zweisimmen

Erstellt am: 06.01.2022

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