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Trügerische Stille in der Spitalgeschichte Zweisimmen

Von Elisabeth Aebischer

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Das momentane Stillschweigen der Bevölkerung heisst nicht, dass sie mit der jetzigen Sachlage einverstanden ist. Der Verdacht erhärtet sich zunehmend, dass die Schliessung des Spitals Zweisimmen von der STS-AG-Leitung schon lange beschlossene Sache ist. Ein schrittweiser Abbau vollzieht sich: Schliessung der Geburtenabteilung, Abzug der Belegärzte, utopisches zum vornherein nicht realisierbares Versprechen der Neubauvariante «Alles unter einem Dach» mit OP der neusten Generation, jahrelange millionenteure Planung des Neubaus, fragwürdiger Abbau von Bestehendem, Sistierung des viel zu teuren Bauvorhabens, nach einem mühsamen vorangegangenen Gerangel erneutes Liebäugeln mit einem anderen Spitalstandort, was einen Landankauf von ungewisser Millionenfrankenhöhe zur Folge hätte. Da glaube ich nicht mehr an einen Sparwillen der Akteure und eine redliche Absicht für eine künftige Spitalversorgung der Bevölkerung des Simmentals und Saanenlandes.

Wenn schon Millionen von Steuergeldern in die Planung eines Spital-Neubauprojektes gebuttert worden sind, erwartet die Bevölkerung nun schon, dass sich die Verantwortlichen um eine zielführende Neubau- oder wenigstens um eine Sanierungs-Variante bemühen, welche finanziert werden kann. Für jegliche Bauten im Spital Thun scheinen sehr wohl genügend Geldmittel vorhanden zu sein.

Dass der Kanton die Betriebsdefizite einer Institution, die zehn Millionen Gewinn erwirtschaftet, nicht mittragen will, leuchtet mir ein. Nach dem jahrelangen Debakel um das Spital Zweisimmen und weiteren kostspieligen, nicht notwendigen Aktionen wie z.B. spitalfronthohe Plakate, die intakte Spitalverhältnisse vorgaukeln, frage ich mich, ob es zulässig ist, dem Regierungsrat den alleinigen «schwarzen Peter» für das Steckenbleiben des Spitalbauprojektes Zweisimmen in die Schuhe zu schieben.

Die schwelende Unsicherheit schwächt das Spital zusätzlich, indem die Arbeitsplätze gefährdet sind. Die Angebote des Spitals Zweisimmen wurden so «ausgedünnt», dass es nicht mehr rentieren kann und nun beklagen sich die Verantwortlichen gleichzeitig über die roten Zahlen. Im Gegenzug wird alles in die Städte konzentriert. Von den negativen Begleiterscheinungen wie Zusatzverkehr und mangelnde Parkplätze spricht keiner, höchstens davon, dass sich das ländliche Gebiet an den Zentrumslasten beteiligen solle.

So sang- und klanglos und ohne Prüfen von allen Ursachen der Notsituation dürfte ein versorgungsnotwendiges Spital nicht geschlossen oder zu einer Klinik degradiert werden.

Vom Regierungsrat erwarte ich, dass er seine Aufsichtspflicht wahrnimmt, die Realitäten sieht, auch Sachverhalte, die unter verschlossenem Deckel bleiben sollten, und als Hauptaktionär endlich einschreitet und die nötigen Massnahmen ergreift. Die in den letzten Jahren betriebene Spitalpolitik läuft offensichtlich in die falsche Richtung. Im Umgang mit öffentlichen Geldern und Werten wäre Transparenz am Platz: über Bau- und Betriebsunterhaltskosten, Ärzte- und Verwaltungsratssaläre und andere Ausgaben in den Spitälern Thun und Zweisimmen. Wenn diese Fakten bekannt sind, lässt sich dann wieder darüber reden, an welchen Orten hauptsächlich gespart werden müsste.

Wenn die Planer das Bauprojekt Zweisimmen nicht so reduzieren können, dass die STS AG die Kosten selber tragen kann, sollte wenigstens versucht werden, die alte noch taugliche Bausubstanz soweit zu renovieren, wie es notwendig ist. Die Bevölkerung hat nie ein Luxus-Spital gefordert, einfach nur eines, das den Namen «Spital» verdient. Wenn man unser Spital mit den Notspitälern in den Entwicklungs- und kriegsführenden Ländern vergleicht, ist es eine Schande, dass so viele Millionen Franken nicht reichen sollen, um unser Spital auch noch für die nächste Generation zu sichern. , Zweisimmen

Erstellt am: 03.05.2018

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