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Wichtig und nötig: Ja für die Pflegeinitiative

Von Marianne Herbst

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(aus care ökonomischer Sicht einer Betriebswirtschafterin als Ergänzung zum Bericht in der SZ vom 4. November 2021)

Was für ein Gesundheitswesen wollen wir in Zukunft für uns und unsere Liebsten? Diese Frage sollten wir uns am 28. November 2021 alle stellen.

Der Pflegenotstand ist schon seit langer Zeit Realität.

Während eine Pflegende bei einem Patienten einen Verband wechselt, liegt eine Bewohnerin im Pflegeheim während 30 Minuten auf dem Boden.

In Psychiatrien können Menschen nicht mehr durch akute Krisen begleitet, sondern müssen wegen Zeitmangel der Pflegenden sediert werden.

Im Akutspital müssen einige Menschen länger Schmerzen erleiden, weil andere Patienten aufgrund von Blutungen in akuter Lebensgefahr schweben.

In der Pflege nur das Nötigste zu tun – das reicht bei Weitem nicht!

Die viel gestellte Frage, warum die Arbeit denn kein anderer erledige, kann schnell beantwortet werden: Weil niemand da ist!

Die Situation ist erschöpfend und frustrierend. Für alle Pflegenden! Sonst würde nicht über 40 Prozent der Berufsmenschen ihr Berufsfeld nach wenigen Jahren verlassen; ein Drittel all dieser ist unter 35 Jahre jung.

Was bedeutet dies für die Zukunft?

Die Gesundheitsversorgung und die Pflege gehört, wie zum Beispiel die Ernährungssicherheit, in die politische Aufgabe und den Verantwortungsbereich der Kantonsbehörden. Jedoch haben sie diese Verantwortung in den letzten Jahrzehnten kaum wahrgenommen. Im Gegenteil: Das Problem wurde zwischen Kanton, Arbeitgebern und Bund hin- und hergeschoben, ja, es wurde gar der Fachkräftemangel von Volksvertretern vehement geleugnet! Nun braucht es endlich eine Klärung; die Kantone konnten dies bisher nicht bewerkstelligen. Darum wird es jetzt zur Bundesaufgabe!

Der indirekte Gegenvorschlag ist wenig wirksam und nicht sinnvoll, denn viel mehr Ausbildung ist zu dieser Zeit nicht möglich, Gesundheit auch mit Geld nicht schneller zu erwirken! Darum ist es nicht nur verschwenderisch, sondern auch äusserst wirkungslos, wenn ausschliesslich darauf gesetzt wird, «nur» auszubilden, während immer weniger Fachleute in der Pflege verbleiben. Diese Praxis ist nicht nur eine Ressourcenverschwendung, sondern ein absolutes Verheizen der Menschen dahinter!

Damit Pflegefachpersonen ihren Beruf so ausüben können, wie sie es in der Ausbildung gelernt haben, lohnt es sich, in dieses bereits ausgebildete Personal mit genügender Qualifikation zu investieren. Das Sparpotenzial liegt hier bei 1,5 Mia. Franken! (Quelle: Intercare-Studie).

Heisst: Wenn Pflegefachpersonen auch das anwenden können, was sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, dann können sie Spitaleintritte verhindern und Komplikationen vorbeugen. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist zwingend notwendig, damit auch die Pflegefachpersonen langfristig im Beruf verbleiben. Ausserdem wäre erstrebenswert, dass Pflegeleistungen korrekt abgebildet und besser abgegolten werden.

Diese Tatsache wird mit dem indirekten Vorschlag des Parlaments völlig ignoriert. Darum gib es nur eine Antwort am 28. November 2021: Ja zur Pflegeinitiative! -Stauffer,

Oberwil (ehemalige Fachbereichs-

leiterin Leistungserfassung und

Patientenadministration Spital

Zweisimmen / Spitäler fmi ag,

Spital Frutigen

Erstellt am: 18.11.2021

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